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Rettet die Kastanie

Rettet die Kastanien

Schüler kartieren die weißblühenden Kastanien/Foto: Susanna Balg

Aktionstag 2016: 12. November 2016

Geplant sind bundesweit regionale Sammelaktionen, die mit verschiedenen Kooperationspartnern durchgeführt werden. Da der vollständige Laubabfall als Folge der Witterungsbedingungen zeitlich unterschiedlich ist, haben in den vergangenen Jahren die Aktionen zwischen Ende Oktober und Ende November stattgefunden. Wichtig ist, dass das Laub möglichst vollständig gesammelt wird, da die Puppen der Miniermotte in den Blättern überwintern. Anschließend muss das Laub durch die Kommune entsorgt werden. Bisher sind Aktionen  in Hessen, in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Thüringen und in Baden-Württemberg geplant.

In einigen Kreis- und Ortsverbände kann man schon gute Erfolge vorweisen. Kastanienbäume, deren Laub seit Jahren entsorgt wird, geht es mit Abstand besser als den vernachlässigten. Neben einem Aktionsschwerpunkt in Schleswig-Holstein gibt es in Baden-Württemberg auch zahlreiche fleißige Sammlergruppen. Im Folgenden möchten wir Ihnen zwei exemplarische Aktionen der SDW-Unterverbände vorstellen.

Situation 2015

Auch 2015 geht es den weißblühenden Kastanienbäumen nicht viel besser. Schon seit einigen Wochen verlieren sie ihr Laub. Besonders entlang von Straßen und in Städten sind die Kastanien wegen der schlechteren Versorgung mit Wasser und Nährstoffen stark geschädigt.

Nachfragen bei Experten in der Forschung haben ergeben, dass es keine neuen Forschungen zum Schutz gegen die Miniermotte laufen und damit keinen neuen Erkenntnisse vorliegen, wie man den Kastanien entscheidend helfen kann. "Auf alle Fälle lohnenswert" ist nach Prof. Dr. Michael Müller von der TU Dresden weiterhin die von der SDW propagierte und unterstützte Aktion "Rettet die Kastanien". Hier sammelt die SDW seit Jahren mit Partnern möglichst vollständig das Herbstlaub der Kastanien und verbrennt es anschließend. Die Kastanienminiermotte überwintert in den Blättern und wird durch das Sammeln in der Entwicklung gestört. Die Schädigung der Bäume durch die Miniermotte beginnt dann erst später im Jahr.

Seit 2005 ist die Kastanienminiermotte in ganz Deutschland verbreitet. Kurze Zeit später begannen die ersten Untergliederungen der SDW mit dem Sammeln der geschädigten Blätter. Aus den Sammelaktionen lässt sich ohne großen Aufwand mit Kooperationspartnern oft ein Event gestalten: So werden in Schleswig-Holstein an den Sammeltagen Kastanienfeste mit Spielen und Basteln für die Kleinen, Essen für alle  und vielen anderen Angeboten veranstaltet.

Besonders erfolgreich - SDW-Kastanienlaub-Sammelaktion im Rems-Murr-Kreis

 

Bereits zum siebten Mal in Folge fand 2014 im Rems-Murr-Kreis die Kastanienlaub-Sammelaktion statt. Insgesamt 500 Kinder und Erwachsene beteiligten sich daran und sammelten insgesamt rund 400 Säcke mit Laub. Die Städte und Gemeinden sorgten für die Entsorgung. 18 Schulen, Vereine, Verbände und Einzelpersonen opferten ihren freien Samstag und unterstützten das Ziel der SDW.

"Damit wir auch in Zukunft Kastanien sammeln können", "dass der "Wurm" den Kastanien nichts mehr anhaben kann" oder "dass die Kastanienblätter nächstes Jahr grüner werden": Das waren einige der Meinungen der jungen Sammlerinnen und Sammler auf die Frage, warum es wohl diese Sammelaktion gebe. "Fast richtig", erwidert der SDW-Kreisvorsitzende Dr. Gerhard Strobel bei seinen Besuchen. "wir wollen die Raupen der Kastanien-Miniermotte absammeln, damit diese nicht die Blätter aushöhlen können und zum Absterben bringen." Denn die Geschichte der "Kleinen Raupe Nimmersatt" kennen fast alle und schon kann man sich vorstellen, was diese gefräßigen Tiere so alles anstellen.

Und dann ging es los - mit Rechen, Eimerchen, blauen und braunen Säcken, manchmal sogar mit Leiterwagen oder Schubkarre. Jedenfalls waren alle emsig mit dabei bis das letzte Blättchen im Sack versorgt war. Manche Schulen und Kindergärten waren sogar gleich mehrfach im Einsatz, da die braunen Blätter in diesem Jahr erst spät fallen wollten.Zum Schluss bedankten sich die SDWler bei den Kindern für ihr Engagement - mit einem Poster des Naturbildfotografen Roland Günther, das jeder als Dankeschön mit nach Hause nehmen durfte. Und für die Betreuerinnen gab es dazu eine Dankurkunde.

Projekt „Rettet die Kastanie“ in Ehingen/ KV Alb-Donau-Ulm

Im November 2014 beteiligten sich an der Aktion des SDW-KV Alb-Donau-Ulm erstmals die Ehinger Grundschule im Alten Konvikt sowie die Stadt Ehingen a. d. Donau. Beim Initiator der Aktion, unserem Vorstandsmitglied und Waldpädagogen Alexander Rothenbacher, keimte damals die Idee, aus dem Thema ein „Forschungsprojekt“ zu entwickeln. SchülerInnen der 4. Klassen sollten es im Laufe des Jahres bearbeiten und dadurch ökologische Zusammenhänge am Beispiel der Kastanienminiermotten verdeutlicht werden. Nachdem im MNK-Unterricht die Kenntnisse einheimischer Laubbäume vertieft worden waren, wurden die rund 50 SchülerInnen der drei 4. Klassen an der Grundschule im Alten Konvikt auf drei Untersuchungsgebiete in der Innenstadt von Ehingen aufgeteilt. Ihre Aufgabe bestand darin, ein Kataster von weiß- und rotblühenden Kastanien zu erstellen. Nur die weißblühende Kastanie wird von der Miniermotte befallen.

In der zweiten Projektstufe suchten die SchülerInnen die als weißblühend eingetragenen Bäume auf und beurteilten den Schädigungsgrad der Blätter durch die Kastanienminiermotte in Kategorien. Zu dieser Zeit beginnen die Blätter der befallenen Kastanien, sich braun zu verfärben. Als Kontrollgruppe wurden auch rotblühende Kastanien auf ihre Vitalität überprüft, um andere Schadfaktoren, mit einer gewissen Sicherheit, ausschließen zu können.Die dritte Projektstufe ist für November 2015 geplant. An diesem Tag findet dann die Laubsammelaktion statt. Zum Aktionstag werden aber auch Kinder aus der gesamten Stadt Ehingen eingeladen. Tatkräftig unterstützt wird diese Aktion vom Bauhof der Stadt Ehingen, der für Müllsäcke zum Einsammeln des Laubs und die sachgerechte Entsorgung sorgt. Traditionell endet dieser Tag mit einer zünftigen Vesper auf dem Gelände des Bauhofs. Zusätzlich wird die Teilnahme an der Aktion mit einer Teilnahmeurkunde sowie einem Eintrag im SDW-Wald-Profipass oder dem Junior Ranger Kid-Pass des Biosphärengebiets Schwäbische Alb belohnt. (Dr. Jan Duvenhorst)

Die Kastanienminiermotte Kastanienblätter mit Flecken oder braune, eingerollte Blätter weit vor dem Herbst – so haben Sie bestimmt schon die Kastanienbäume in Ihrer Stadt gesehen. Schuld daran ist die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella), ein Kleinschmetterling aus der Familie der Miniermotten.

Herkunft der Motte: Eine jahrzehntelange Debatte fand Mitte 2011 ihr Ende. Die Miniermotte stammt nicht, wie oft vermutet, aus Südostasien, sondern aus unzugänglichen Schluchtwäldern des Balkans. Erstmals wurde die kleine, aber hoch invasive Kastanienminiermotte 1984 an kultivierten Rosskastanien um den Ohridsee in Mazedonien entdeckt. Daraus leitet sich auch der wissenschaftliche Name Cameraria ohridella ab. 1986 wurde die Art in einer neuen Gattung wissenschaftlich beschrieben. Seit 1989 erobert die Miniermotte einer Invasion gleich fast ganz Europa.

In Deutschland hat sich die Motte über Bayern und Baden-Württemberg mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 km pro Jahr ausgebreitet und ist seit 2003 auch in den nördlichen Bundesländern anzutreffen. Vergleichbar mit Ausbreitungsmustern bei Epidemien ist das Auftreten zuerst an Autobahnen und einigen Bahnstrecken beobachtet worden. Diese Miniermotte hat sich vor allem auf die Rosskastanie als ihre "Kinderstube" spezialisiert. Der Schmetterling legt seine Eier auf der Oberseite der Blätter ab. Nach dem Ausschlüpfen der Raupen bohren sie sich in die Blätter und beginnen dort einen ca. 1 bis 2 mm langen Fraßgang anzulegen - sie minieren. Wenn die Raupen älter werden, wird die Mine fast kreisrund ausgebaut. Dort spinnen sie sich zur Puppe ein und entwickeln sich in ca. zwei Wochen zum Schmetterling.

Larve der Miniermotte

Pro Jahr kann es zu drei bis vier Generationen kommen. Aus jedem Gelege schlüpfen rund 40 Raupen. Ein Mottenweibchen der ersten Generation kann theoretisch - mit ihren "Kindern" und "Kindeskindern" - mehrere tausend Nachkommen pro Jahr haben.

Erste Spuren zeigen sich rund einen Monat nach dem Austreiben der ersten Kastanien- blätter. Wenn die Larven anfangen zu minieren, dann erkennt man die Gänge als weiße "Striche" in den Blättern. Die Larven fressen in den Kastanienblättern die Chloroplasten (die Blattgrünspeicher). Später kommt es zur Braunfärbung der Gänge, die sich auf das ganze Blatt ausdehnen kann. Bei stark befallenen Bäumen kann es bereits im Juli zum Blattabfall kommen. Damit ist die zum Leben notwendige Photosynthese für den Baum frühzeitig beendet.

Geschädigtes Blatt durch die Miniermotte Das bislang wirksamste Mittel gegen die Vermehrung der Miniermotte ist das zügige Beseitigen des Herbstlaubes. Denn die letzte Generation der Kastanienminiermotte überwintert in den Kastanienblättern. Im Frühling steigen hieraus die ersten Schmetterlinge wieder auf und der Kreislauf beginnt von Neuem. Interessant ist, dass ein Befall immer zuerst an den unteren Blättern festgestellt wird. Erst im Laufe des Jahres legt die Miniermotte ihre Eier auf die höher gelegenen Blätter im Baum ab. Da noch nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, dass die Kastanienminiermotte auch im Boden überwintert, empfiehlt es sich, das Kastanienlaub unmittelbar nach dem Abfallen zu entfernen. Das Laub sollte verbrannt, mindestens mit 30 cm Erde bedeckt oder einer professionellen Kompostierung (nicht zu Hause!) zugeführt werden. Da dem Baum durch Abharken der abgefallenen Blätter der Frostschutz am Boden genommen wird, ist es empfehlenswert, in privaten Gärten den letzten Rasenschnitt unter dem Baum zu verteilen. Auf diesem Weg kann man zumindest eine evtl. auch zwei Generationen an "seinem" Kastanienbaum stark eindämmen. Denn die Kastanienminiermotte muss erst wieder von nicht gepflegten Bäumen einfliegen.

Weitere Informationen zur Erkrankung der Kastanien finden Sie in dem Interview mit Dr. Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin und Expertin für die Kastanienminiermotte.