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Rettet die Kastanie

 

Schüler kartieren die weißblühenden Kastanien/Foto: Susanna Balg

Aktionstag 2016: 12. November 2016

Geplant sind bundesweit regionale Sammelaktionen, die mit verschiedenen Kooperationspartnern durchgeführt werden. Da der vollständige Laubabfall als Folge der Witterungsbedingungen zeitlich unterschiedlich ist, haben in den vergangenen Jahren die Aktionen zwischen Ende Oktober und Ende November stattgefunden. Wichtig ist, dass das Laub möglichst vollständig gesammelt wird, da die Puppen der Miniermotte in den Blättern überwintern. Anschließend muss das Laub durch die Kommune entsorgt werden. Bisher sind Aktionen  in Hessen, in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Thüringen und in Baden-Württemberg geplant.

In einigen Kreis- und Ortsverbände kann man schon gute Erfolge vorweisen. Kastanienbäume, deren Laub seit Jahren entsorgt wird, geht es mit Abstand besser als den vernachlässigten. Neben einem Aktionsschwerpunkt in Schleswig-Holstein gibt es in Baden-Württemberg auch zahlreiche fleißige Sammlergruppen.

9. SDW-Laubsammelaktion 2016

Der Kreisverband Rems-Murr ruft  Schulen, Kindergärten, Vereine und Organisationen zum gemeinsamen Sammeln des Kastanienlaubes auf. Je nachdem, ob bereits die Bäume kein Laub mehr haben, soll im Zeitraum zwischen 10. Oktober bis 11. November 2016 gesammelt werden. Jede bis zum 7. Oktober über die Webseite angemeldete Gruppe erhält eine Teilnehmer-Urkunde und ein kleines Präsent. Anmeldung hier.


Situation 2016

Durch die feuchte und kühle Witterung im Frühjahr wurde die erste Generation der Miniermotten vor allem im Süden und Südwesten in ihrer Ausbreitung gehemmt. Die warmen bis heißen Temperaturen Ende August und in den ersten zwei Septemberwochen haben dazu geführt, dass Mitte September die Kastanienbäume braun sind und viele Blätter schon abgefallen sind. 


Situation 2015

Auch 2015 ging es den weißblühenden Kastanienbäumen nicht viel besser. Besonders entlang von Straßen und in Städten warendie Kastanien wegen der schlechteren Versorgung mit Wasser und Nährstoffen bereits im August stark geschädigt.


Mögliche Gegenmaßnahmen

Nachfragen bei Experten in der Forschung haben ergeben, dass es keine neuen Forschungen zum Schutz gegen die Miniermotte laufen und damit keine neuen Erkenntnisse vorliegen, wie man den Kastanien entscheidend helfen kann.

"Auf alle Fälle lohnenswert" ist nach Prof. Dr. Michael Müller von der TU Dresden weiterhin die von der SDW propagierte und unterstützte Aktion "Rettet die Kastanien". Hier sammelt die SDW seit Jahren mit Partnern möglichst vollständig das Herbstlaub der Kastanien und verbrennt es anschließend. Die Kastanienminiermotte überwintert in den Blättern und wird durch das Sammeln in der Entwicklung gestört. Mit dem Sammeln kann durch diese umweltschonende Weise der Kreislauf unterbrochen und die Bedrohung der Kastanie eingedämmt werden. Die Schädigung der Bäume durch die Miniermotte beginnt dann erst später im Jahr.

Seit 2005 ist die Kastanienminiermotte in ganz Deutschland verbreitet. Kurze Zeit später begannen die ersten Untergliederungen der SDW mit dem Sammeln der geschädigten Blätter. Aus den Sammelaktionen lässt sich ohne großen Aufwand mit Kooperationspartnern oft ein Event gestalten: So werden in Schleswig-Holstein und Baden- Württemberg an den Sammeltagen Kastanienfeste mit Spielen und Basteln für die Kleinen, Essen für alle  und vielen anderen Angeboten veranstaltet.


Hintergrundinformation:

Die Kastanienminiermotte Kastanienblätter mit Flecken oder braune, eingerollte Blätter weit vor dem Herbst – so haben Sie bestimmt schon die Kastanienbäume in Ihrer Stadt gesehen. Schuld daran ist die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella), ein Kleinschmetterling aus der Familie der Miniermotten.

Herkunft der Motte: Eine jahrzehntelange Debatte fand Mitte 2011 ihr Ende. Die Miniermotte stammt nicht, wie oft vermutet, aus Südostasien, sondern aus unzugänglichen Schluchtwäldern des Balkans. Erstmals wurde die kleine, aber hoch invasive Kastanienminiermotte 1984 an kultivierten Rosskastanien um den Ohridsee in Mazedonien entdeckt. Daraus leitet sich auch der wissenschaftliche Name Cameraria ohridella ab. 1986 wurde die Art in einer neuen Gattung wissenschaftlich beschrieben. Seit 1989 erobert die Miniermotte einer Invasion gleich fast ganz Europa.

In Deutschland hat sich die Motte über Bayern und Baden-Württemberg mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 km pro Jahr ausgebreitet und ist seit 2003 auch in den nördlichen Bundesländern anzutreffen. Vergleichbar mit Ausbreitungsmustern bei Epidemien ist das Auftreten zuerst an Autobahnen und einigen Bahnstrecken beobachtet worden. Diese Miniermotte hat sich vor allem auf die Rosskastanie als ihre "Kinderstube" spezialisiert. Der Schmetterling legt seine Eier auf der Oberseite der Blätter ab. Nach dem Ausschlüpfen der Raupen bohren sie sich in die Blätter und beginnen dort einen ca. 1 bis 2 mm langen Fraßgang anzulegen - sie minieren. Wenn die Raupen älter werden, wird die Mine fast kreisrund ausgebaut. Dort spinnen sie sich zur Puppe ein und entwickeln sich in ca. zwei Wochen zum Schmetterling.

Larve der Miniermotte

Pro Jahr kann es zu drei bis vier Generationen kommen. Aus jedem Gelege schlüpfen rund 40 Raupen. Ein Mottenweibchen der ersten Generation kann theoretisch - mit ihren "Kindern" und "Kindeskindern" - mehrere tausend Nachkommen pro Jahr haben.

Erste Spuren zeigen sich rund einen Monat nach dem Austreiben der ersten Kastanien- blätter. Wenn die Larven anfangen zu minieren, dann erkennt man die Gänge als weiße "Striche" in den Blättern. Die Larven fressen in den Kastanienblättern die Chloroplasten (die Blattgrünspeicher). Später kommt es zur Braunfärbung der Gänge, die sich auf das ganze Blatt ausdehnen kann. Bei stark befallenen Bäumen kann es bereits im Juli zum Blattabfall kommen. Damit ist die zum Leben notwendige Photosynthese für den Baum frühzeitig beendet.

Geschädigtes Blatt durch die Miniermotte Das bislang wirksamste Mittel gegen die Vermehrung der Miniermotte ist das zügige Beseitigen des Herbstlaubes. Denn die letzte Generation der Kastanienminiermotte überwintert in den Kastanienblättern. Im Frühling steigen hieraus die ersten Schmetterlinge wieder auf und der Kreislauf beginnt von Neuem. Interessant ist, dass ein Befall immer zuerst an den unteren Blättern festgestellt wird. Erst im Laufe des Jahres legt die Miniermotte ihre Eier auf die höher gelegenen Blätter im Baum ab. Da noch nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, dass die Kastanienminiermotte auch im Boden überwintert, empfiehlt es sich, das Kastanienlaub unmittelbar nach dem Abfallen zu entfernen. Das Laub sollte verbrannt, mindestens mit 30 cm Erde bedeckt oder einer professionellen Kompostierung (nicht zu Hause!) zugeführt werden. Da dem Baum durch Abharken der abgefallenen Blätter der Frostschutz am Boden genommen wird, ist es empfehlenswert, in privaten Gärten den letzten Rasenschnitt unter dem Baum zu verteilen. Auf diesem Weg kann man zumindest eine evtl. auch zwei Generationen an "seinem" Kastanienbaum stark eindämmen. Denn die Kastanienminiermotte muss erst wieder von nicht gepflegten Bäumen einfliegen.

Weitere Informationen zur Erkrankung der Kastanien finden Sie in dem Interview mit Dr. Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin und Expertin für die Kastanienminiermotte. 


Neue Kastanienerkrankung durch Bakterium Pseudomonas syringae

Aktuelle Situation:

Seit 2006 gibt es in Deutschland wie auch in Holland (seit 2002), England, Belgien und Frankreich ein weiteres Krankheitssymptom an den Kastanien. Experten vermuten, dass die Hälfte aller Kastanien bundesweit mit dem Bakterium Pseudomonas syringae infiziert ist. Betroffen sind sowohl Einzelbäume als auch Alleen. Im Norden Deutschlands scheint der Befall stärker zu sein. Auch in NRW sind viele Bäume betroffen. In Essen wurde fast die Hälfte der Kastanien entfernt. Es trifft sowohl junge 5 – 15 Jahre alte Bäume als auch alte Bestände mit großem Stammumfang. Alles deutet darauf hin, dass der jahrelange Befall mit der Kastanienminiermotte die Bäume geschwächt hat und ihre Abwehrkräfte durch weniger Energieeinlagerung minimiert sind.

Schadbild:

Blutende Stellen und Risse am Hauptstamm, Laubaufhellung, teilweise kleinere Blätter. Die Ausbreitung der Bakterien führt zur Zerstörung des gesamten Gewebebereiches. In Norddeutschland kam es zu zusätzlichem Befall mit dem Austernsaibling und dem Samtfußrübling, die durch Holzzersetzung endgültig zum Tod des Baumes führen. Übertragung: Übertragung durch Wurzelverwachsungen innerhalb einer Allee oder fehlende Hygiene bei Schnittwerkzeugen; Übertragung durch Insekten unwahrscheinlich. Bakterien benötigen anders als Pilze Eintrittspforten in die Pflanzen. Dazu gehören mechanische Verletzungen oder Wachstumsrisse.

Vorbeugende Maßnahmen:

Da es kein Gegenmittel gibt, muss man die Rahmenbedingungen verbessern, damit sich die Bäume besser gegen den Befall wappnen können: Dazu gehören gut durchlüftete, frische Boden, ein ph-Wert zwischen 6,0 und 8,0, sowie die Desinfektion von Schnittwerkzeugen bei Pflegeschnitten geachtet werden.

Was tun bei Befall?

In den Niederlanden wurden, wie oft bei Entdeckung einer neuen Gefahr, alle Alleenbäume gefällt, obwohl nur ein Teil befallen war. Heute bevorzugt man das Konzept, dass nur die befallenen Bäume entfernt werden, wenn sie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Soll man noch Kastanien pflanzen? Momentan werden keine weiß- und rotblühenden Kastanien in den Städten gepflanzt. Die gelbblühende scheint gegen die Motte und das Bakterium resistent zu sein. Auch die Esskastanie wird gerne als Ersatz für die bisherigen Kastanienarten gepflanzt. Um Ausfälle ganzer Alleen und Straßenzüge in Zukunft vermeiden zu können, wird für die Nachpflanzung über gemischte Alleen nachgedacht. Hoffnung besteht auch, in den natürlichen Wildpopulationen resistente Arten zu finden oder in Baumschulen genetische Resistenzen zu züchten.