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Hintergrundinformationen zum Thema "Waldkindergärten" |
| Allgemeine Informationen |
Seit ca. 10 Jahren ergänzen die Waldkindergärten die umweltpädagogisch-orientierten
Bildungseinrichtungen in Deutschland.
Sie sind die innovativste Form in diesem Bereich und ermöglichen es
bereits im Kindergartenalter, den Kindern den Zugang zum Wald und zur
Natur zu ermöglichen.Waldkindergärten sind zunächst ganz normale Kindergärten, in denen die Kinder spielen, lernen, basteln, toben und singen. Der Unterschied zum Regelkindergarten besteht darin, daß der Waldkindergarten bei Sonne, Wind und Wetter draußen im Freien stattfindet. Lediglich bei extremer Witterung wird ein Schutzraum aufgesucht. Der Wald bietet aufgrund seiner Struktur, vom Baumwipfel über gefallene Stämme, Steine, Felsen bis zu Kuhlen, Höhlen und Rinnen und der Vielzahl seiner Materialien wie Moos, Steine, Stöcke, Samen, Blätter ein schier unerschöpfliches Reservoir von Möglichkeiten zum Spielen, Entdecken und Lernen.
Nach dem Motto "Nur, was man kennt, liebt und schützt man",
unterstützt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald diese Idee mit
allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.Die Wurzeln der Waldkindergärten reichen noch weiter zurück. Bereits vor 30 Jahren wurden die ersten Waldkindergärten in Dänemark gegründet, wo sie mittlerweile zum pädagogischen Alltag gehören. Von diesem Konzept angeregt, entstand 1993 der erste anerkannte deutsche Waldkindergarten in Flensburg. Das große Interesse der Medien half, die Idee schnell zu verbreiten. Inzwischen gibt es bundesweit ca. 700 Waldkindergärten (Stand: Mai 2007). Hier verbringen die Kinder den ganzen Vormittag im Wald. Neben dem Wald werden auch andere Naturräume genutzt, so daß es heute zusätzlich sogenannte Natur- und Strandkindergärten gibt. Die aktuellen Adressen können Sie beim Bundesverband Natur- und Waldkindergärten in Deutschland (BvNW) abrufen. |
| Pädagogische Grundidee |
Die Persönlichkeit des Menschen erhält ihr Fundament in der Kindheit. Natur- und Waldkindergärten stärken und stabilisieren in besonderer Weise die kindliche Entwicklung. Durch den ständigen Aufenthalt in der Natur erleben und erfahren die Kinder die wechselseitige Abhängigkeit von ihr. Noch im Erwachsenenalter werden diese Kinder durch die Erfahrungen, die sie gemacht haben, geprägt sein. Sie werden diese lieben, achten und schützen.
Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für die Kinder. Die
Waldkindergärten fördern in besonderer Weise die Bewegung und
die körperlichen Aktivitäten der Kinder. Auch Kinder mit
motorischen Auffälligkeiten können im Wald ihre Defizite
besonders gut auszugleichenDie primäre pädagogische Kraft ist die Natur selbst. Durch unbegrenzten Raum, Stille und Zeit (äußerer Rahmen) werden Kinder in der Entwicklung ihrer emotionalen Stabilität, ihrer Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit angemessen unterstützt. In direktem und dauerndem Kontakt zur Natur üben Kinder Umsichtigkeit und Rücksicht mit ihr, es werden Gefühle von Vertrautheit in Bezug auf Pflanzen, Tiere, Erde und Wasser entwickelt, um sich schließlich in der Natur zuhause zu fühlen. Die Kinder sollen durch die Möglichkeit, vielfältige eigene Erfahrungen zu machen, Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln, aber auch ihre persönlichen Grenzen erleben. Das Fehlen von fertigen Spielzeug regt die Phantasie und Kreativität an. Die Natur bietet reichhaltige Möglichkeiten an Spielmaterialien und Spielzeug. Die Kinder konsumieren nicht, sondern haben die Möglichkeit selber kreativ zu sein, sich ständig auf neue Situationen einzustellen und dafür Lösungen zu finden. (nach Monika Hepp-Hoppentaler). Schließlich bieten Waldkindergärten ein Gegengewicht zum stetig mehr und mehr eingeengten Spiel- und Lebensraum. Sie steuern der zunehmenden Entfremdung von der Natur entgegen und bieten durch die direkte Begegnung mit der Natur eine Alternative zu den "Erlebnissen" über Fernsehen, Video und Computer. Bisher gibt es kein allgemeingültiges pädagogisches Konzept für die Waldkindergärten. Die verschiedenen pädagogischen Ansätze entsprechen ungefähr der Zahl der Kindergärten. Während einige die Bedeutung der Naturerfahrung in den Vordergrund rücken, ist für andere die Natur ein besonders geeigneter Raum zur Entfaltung der Persönlichkeit und Förderung des Sozialverhaltens. Andere werten die Chancen zur motorischen Schulung besonders hoch. |
| Ein Tag im Waldkindergarten |
Am Morgen werden die Kinder an ihrem Treffpunkt, je nach den örtlichen
Gegebenheiten bei einer festen Einrichtung oder direkt im Wald, in Empfang
genommen.
Dort beginnt der Tag mit einem gemeinsamen Morgenkreis. Anschließend auf dem Weg zum Frühstücksplatz haben sie bereits Gelegenheit zum Stöbern und Entdecken. Nach dem Frühstück bestehen für die Kinder und ErzieherInnen verschiedene Möglichkeiten den Vormittag zu verbringen. Es gibt Angebote wie Basteln mit Naturmaterialien, das Vorlesen einer Geschichte oder es ist Zeit zum Freispiel. Eine Bude wird gebaut, Verkäufer und Zoodirektorin gespielt oder das Innenleben eines morschen Baumstumpfes erforscht. Am Ende des Vormittages machen sich die Kinder auf den Rückweg und verabschieden sich in der Abschlußrunde z.B. mit einem Lied vom Wald. Am Treffpunkt werden dann die Kinder wieder abgeholt. Nur extreme Wetterverhältnisse bringen diesen Zeitplan durcheinander, ansonsten wird durch angepaßte Kleidung den äußeren Einflüssen widerstanden. |
| Gründung eines Waldkindergartens - allgemeine Informationen |
Die meisten Waldkindergärten in Deutschland sind durch
Elterninitiativen entstanden, die einen Trägerverein gründeten.
Inzwischen übernehmen auch Kommunen und Vereine Trägerschaften.Bundesweit existieren keine einheitlichen Bestimmungen zur Gründung von Waldkindergärten. Für die Erteilung einer Betriebserlaubnis sind die Landesjugendämter zuständig, die über die Richtlinien des jeweiligen Bundeslandes Auskunft geben können. Darin gibt es Auflagen des Gesundheitsschutzes bezüglich Hygiene, der Unfallvorsorge und der Einrichtung einer Schutzhütte. Im Vergleich zu den normalen Kindergärten ist die maximale Gruppengröße oft auf 15 bis 20 Kinder beschränkt, während die benötigte Anzahl und Qualifikation der Betreuungskräfte variiert. Bei der Auswahl eines geeigneten Waldstückes sind die Umweltbehörde sowie die Forstämter bzw. Waldbesitzer behilflich, die eine Nutzungserlaubnis erteilen müssen. Nach der offiziellen Anerkennung kann ein Waldkindergarten in gleichem Maße wie Regeleinrichtungen finanziell bezuschusst werden. Die laufenden Kosten sind im Vergleich oft geringer, da keine Gelder für das Gebäude, Spielzeug oder die Einrichtung aufgewendet werden müssen. |
| Wie gründe ich einen Waldkindergarten ? - Praxis |
| Mit der Gründung eines Waldkindergartens übernehmen Sie einen erheblichen Teil sozialer Verantwortung in ihrer Gemeinde. Bei aller berechtigter Begeisterung in der Gründungsphase sollten Sie jedoch nicht vergessen, daß bereits nach kurzer Zeit der Waldkindergarten etabliert sein wird und für Eltern sowie die Gemeinde eine Selbstverständlichkeit darstellt. Der relativ schnelle Umsatz von Kindern und damit Eltern führt jedoch dazu, daß die Neuen sich zunehmend weniger mit der dem Verein identifizieren, ihn als normale Regeleinrichtung ansehen und sich daher auch nicht mehr so wie die erste Generation mit Engagement und Elan einbringen. Es ist daher unbedingt notwendig, daß die Gründung eines Waldkindergartens besonders solide und langfristig ausgerichtet ist, um der in ihn gesetzten Erwartung auf lange Zeit gerecht zu werden. | ||
| Vorarbeiten In der ersten Phase der Gründung eines Waldkindergartens ist Information zunächst der wichtigste Faktor.
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| Informationsabende Laden Sie über die Zeitung oder das Amtsblatt öffentlich zu Informationsabenden ein. Die bis dato gesammelte Information wird sich dabei als sehr hilfreich erweisen. Zudem ist anzuraten, Referenten aus bestehenden Waldkindergärten einzuladen. Der Prophet gilt nunmal nichts im eigenen Lande. Zudem können die externen Referenten aus der positiven Erfahrung eines funktionierenden Waldkindergartens berichten und bei kniffeligen Fragen hilfreich zur Seite stehen. Ziel der Informationsabende sollte es sein, möglichst viele ernstzunehmende Interessenten zu gewinnen, die ihre Kinder auch im Waldkindergarten anmelden wollen. Je mehr Kinder Sie haben, um so leichter die Argumentation vor allem gegenüber der Gemeinde. | ||
| Satzung Im Vorfeld der Vereinsgründung muß eine Satzung erstellt werden. Es empfiehlt sich entsprechende Mustersatzungen für den eigenen Zweck umzuschreiben, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen und Nachbesserungen zu vermeiden. Die Anschaffung eines Büchleins über die Vereinsgründung ist dabei hilfreich. Zum Teil sind entsprechende Informationsbroschüren über die Finanzministerien bzw. die Finanzämter erhältlich. | ||
| Vereinsgründung Für die Gründung eines Vereins benötigen Sie zumindest 7 Gründungsmitglieder und eine Satzung. In der Gründungsversammlung wird die Satzung verlesen und gegebenenfalls gewünschte Änderungen eingearbeitet. Anschließend ist das Gründungsprotokoll von den Gründungsmitgliedern zu unterschreiben. Als weiterer Schritt sind die Vorstandsmitglieder und der/die Kassenprüfer zu wählen. Die Satzung mit dem Gründungsprotokoll werden beim zuständigen Amtsgericht zur Eintragung in das Vereinsregister eingereicht. Zugleich sollte beim zuständigen Finanzamt der Antrag auf Gemeinnützigkeit gestellt werden. Diese Anerkennung ist für die Entgegennahme von Spenden und eine entsprechende steuerliche Behandlung notwendig. | ||
| Betriebserlaubnis Der Waldkindergarten darf erst dann als offizieller, den Regelkindergärten gleichgestellter Kindergarten seinen Betrieb aufnehmen, wenn er vom Landesjugendamt eine entsprechende Betriebserlaubnis erhält. Dazu sind verschiedene Antragsformulare auszufüllen, was sich bei einem Waldkindergarten jedoch sehr einfach gestaltet, der Angaben zu Raumgrößen, sanitären Einrichtungen etc. naturgemäß entfallen. In jedem Fall ist eine Kindergartenordnung beizufügen, für deren Erstellung die Kindergartenordnung der Regelkindergärten als Vorlage dienen kann. | ||
| Anerkennung als Träger freier Jugendhilfe Die Zuschüsse an den Waldkindergarten aus Landesmitteln sind an die Anerkennung der Einrichtung als Träger freier Jugendhilfe geknüpft. Ein entsprechender Antrag ist an das Kreisjugendamt zu richten. | ||
| Finanzierung Die Finanzierug von Waldkindergärten setzt sich in der Regel aus drei Quellen zusammen:
Die Förderung durch das Land ist gesetzlich geregelt. Dagegen ist die Unterstützung durch die Gemeinde Verhandlungssache und damit im Wesentlichen eine reine Kosten-Nutzenabwägung. Wie bereits unter der Überschrift Vorarbeiten ausgeführt, ist es daher dringend geboten vor der Aufnahme des Betriebes die Möglichkeiten der Finanzierung sorgsam zu prüfen. | ||
| Verträge Verträge dienen der Rechtssicherheit beider Vertragspartner. Es ist daher anzuraten, wichtige Absprachen wie z.B. die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde, vertraglich zu fixieren, mit den Erzieherinnen Arbeitsverträge zu schließen und die Benutzung des Waldgrundstücks schriftlich zu vereinbaren. Damit sind beiderseits verbindliche und verläßliche Grundlagen gegeben, die das Arbeiten erheblich erleichtern und einem manche Sorge abnehmen. | ||
| Versicherungen Durch die staatliche Anerkennung des Waldkindergartens ist für die Kinder und die Erzieherinnen der wesentliche Rechtsschutz gegeben. So sind die Kinder analog den Kindern in den Regelkindergärten durch den Gemeindeunfallversicherungsverband im Kindergarten aber auch auf dem Weg zum und vom Kindergarten gegen Unfälle versichert. Für die Erzieherinnen besteht über die Berufsgenossenschaft ein automatischer Versicherungsschutz für Berufsunfälle. Für die Vereinsmitglieder besteht grundsätzlich kein Versicherungsschutz. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich und damit auf eigene Gefahr. Es ist allerdings möglich eine Vereinshaftpflicht- sowie eine Vereinsunfallversicherung abzuschließen, die für Schäden, die Vereinsmitglieder bei der ehrenamtlichen Tätigkeit Dritten zufügen, aufkommt bzw. die bei Unfällen, die Mitglieder entschädigt. |
| Internetadressen |
| Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter folgenden Internetadressen: | ||
| Literaturhinweise |
| Eine Auswahl an Literaturhinweisen rund um Waldkindergärten und Natur | ||
| Miklitz, Ingrid: Der Waldkindergarten, Dimemsionen eines pädagogischen
Ansatzes, Neuwied, Berlin, 2000, ISBN 3 472-03943-4 zu empfehlen für jeden, der sich allgemein über den pädagogischen Ansatz informieren und einen Waldkindergarten gründen möchte | ||
| Saudhof, K.; Stumpf, B.: Mit Kindern in den Wald, Wald-Erlebnis-Handbuch;
Planung, Organisation und Gestaltung, Hrsg.: Schutzgemeinschaft Deutscher
Wald e.V., Ökotopia Verlag, Münster 1998 (zu bestellen beim
Bundesverband der SDW; Meckenheimer Allee 79, 53115 Bonn, Fax: 0228 -
9459834 oder unter http://www.sdw.de für 14,40 Euro). Die Stärken des Handbuches liegen eindeutig in der Praxisnähe. Das Buch liefert viele neue Anregungen | ||
| Kindergarten im Wald, Materialien der Umweltbildungsbörse, Heft 6, Hrsg.:Naturschutz-Zentrum Hessen Projekt GmbH und Büro für Naturpädagogik und Umweltbildung , Friedenstraße 25, 35578 Wetzlar, Tel. 06441/921063, Fax: 06441 921064, zu bestellen für 2,50 Euro u. Versandkosten | ||
| Nützel, Rudi: Den Wald erleben mit Kindern, Exkursionen,
Lern- und Erlebnisspiele im Vorschulalter , Südwest-Verlag,, ISBN 3 -
517 - 07650-3 das Buch liefert viele Ideen für Spiele aller Art für jede Jahreszeit mit kurzen knappen ökologischen Grundinformationen | ||
| Marschall, Bodo: Förster Bodos Märchenwelt, Kiga-Verlag,
2000 und die Erweiterung zum Buch die Waldpädagogik-Box "Vom
Meckerlieschen und dem Igelblatt" mit Handbuch, Handpuppe,
Poster, praktischer Archivbox, Kiga-Verlag 2002 eine gelungene, phanasievolle und ideenreiche Anleitung für alle Waldpädagogen und KindergärtnerInnen | ||
| Köllner, S.; Leinert, C.: Waldkindergärten, ein Leitfaden für Aktivitäten mit Kindern im Wald, Schiftenreihe des Fachverband Forst e.V.; Band 6, RIWA Verlag Augsburg 1997 | ||
| Spielzeug zerbricht! - Erlebnisse sind unsterblich, Waldkindergärten
in Deutschland Video, AV1 TV & Video Produktion, 1996, Pfalzstraße 10, 34260 Kaufungen, Tel. 05605 - 4321 | ||
| Waldkindergärten. Wo Kinder mit den Bäumen wachsen, Aspekte eines pädagogischen Konzeptes, Oktober 1998, Hrsg.: Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Mainzer Straße 80, 65189 Wiesbaden | ||
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| Umweltpädagogische Schriften der SDW: Die SDW bietet zahlreiche Schriften zum Thema Wald. Eine Auswahl stellen wir Ihnen kurz vor: | ||
| Abenteuer mit Tip und Tapsi: illustrierte Geschichte von zwei Kindern, die bei ihrem Waldspaziergang die Tiere des Waldes kennenlernen,optimale spielerische Einführung in das Thema Wald mit einer Meßlatte zum Ausmalen auf der Rückseite. 0,50 Euro | ||
| Den Zauber des Waldes erleben Felix sucht nach dem Zauber des Waldes und erlebt dabei spannende Abenteuer. Das infoblatt gibt Informationen und Hinweise auf Aktionen 0,50 Euro | ||
| Vielfalt des Lebens Anhand von Bildern, Texten und einem Bastelbogen lernen die Kinder, wie vielfältig das Leben im Wald ist 0,50 Euro | ||
| Eine vollständige Übersicht finden Sie unter der Rubrik Info- Material |
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