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Tag des Wassers - 22. März

Der 22.März eines jeden Jahres wurde im Dezember 1992 in einer Resolution von den Vereinten Nationen zum "Tag des Wassers" ("Day for Water") erklärt. Dieser wird aber auch zunehmend als Weltwassertag bezeichnet. Ausschlaggebend war die Agenda 21, die von der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (United Nations Conference on Environment and Development UNCED) im Juli 1992 in Rio de Janeiro beschlossen wurde. Das Motto lautet dieses Jahr "Wasser und Kultur". und löst somit das Motto des letzten Jahres "Wasser für das Leben" ab.

Sinn dieses Tages ist es einen Grund zu geben, sich mit der Bedeutung des Wassers auseinanderzusetzen, und es nicht als selbstverständlich anzusehen. Alle Organisationen, die wasserwirtschaftliche Aufgaben erfüllen oder zum Schutz der Gewässer beitragen können, sind aufgefordet, die Öffentlichkeit auf den besonderen Wert sauberen Trinkwassers aufmerksam zu machen.

Wie bekannt, haben viele Millionen Menschen keinen Zugang zum sauberen Wasser. Die Vereinten Nationen rufen alle Menschen dieser Erde dazu auf, dass mögliche zu tun, damit allen Menschen sauberes Wasser zur Verfügung steht.

Wasser ist das wichtigste Lebensmittel. In vielen Teilen unserer Welt ist Trinkwasser knapp. So verfügen in den Entwicklungsländern 1.200.000.000 (1,2 Milliarden) Menschen über keinen Zugang zu sauberem Wasser.

 
 
 
 

Wasser - Elementare Ressource des Lebens
Informationsmaterial zum „Tag des Wassers“
Globales Wasserdargebot und internationale Lage der Wasserversorgung
Wasser- und Trinkwasserversorgung in Deutschland
Fließgewässer
Grundwasser
Schädliche Einflüsse auf das Grundwasser
Wald und Wasser
Wasserschutzgebiete und Talsperren

Globales Wasserdargebot und internationale Lage der Wasserversorgung

71 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt (361 Millionen Quadratkilometer). Aber weniger als 3 Prozent des auf der Erde vorhandenen Wassers ist Süßwasser. Weniger als ein Prozent der globalen Wassermenge ist potentiell nutzbares Wasser (Tabelle 1). Wasser wird nicht wie andere Grundstoffe verbraucht, sondern gebraucht und gelangt erneut in den Wasser-kreislauf. Sauberes Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Alles Leben auf der Erde hängt vom Wasser ab. Der menschliche Organismus besteht zu zwei Drittel aus Wasser. Obst und Gemüse haben sogar einen Wassergehalt von bis zu 90 Prozent. Während wir ohne Nahrung Wochen leben können, stirbt man nach höchstens fünf bis sechs Tagen ohne Wasser.

Würde man alles Wasser auf der Welt in die Form eines Würfels überführen, so hätte der Würfel eine Seitenlänge von 1100 Kilometer (entspricht der Strecke Köln bis Rom). Ein Würfel nur mit dem verfügbaren Trinkwasser hat etwa eine Länge von 150 Kilometern (entspricht der Strecke von Hamburg nach Hannover).

Tabelle 1: Wassermengen auf der Erde (nach Fritsch 1990)

.

Wassermenge

Prozente

Weltmeere

1.348,00 Mio. km³

97,39

Polareis, Gletscher

27,82 Mio. km³

2,01

Grundwasser, Bodenfeuchte

8,06 Mio. km³

0,58

Seen und Flüsse

0,23 Mio. km³

0,02

Atmosphäre

0,01 Mio. km³

0,001

Die gesamte in einem Jahr im hydrologischen Kreislauf bewegte Wassermenge würde bei gleichmäßiger Verteilung auf der Landfläche der Erde eine 3,5 Meter hohe Wasserschicht ergeben. Der globale Niederschlag beträgt circa 500.000 km³ pro Jahr. Davon gehen 80 Prozent auf den Ozeanen nieder. Zwei Drittel des kontinentalen Niederschlags gelangen über die Verdunstung wieder in die Atmosphäre. Der über die Pflanzen verdunstete Anteil (Transpiration) ist größer als der von der Bodenoberfläche. Circa 41.000 km³ Wasser gelangt über Grundwasser und Flüsse wieder in den Ozean (Gesamtabfluß). Dabei fließen jährlich 28.000 km³ oberirdisch und 13.000 km³ unterirdisch. Die den Meeren zufließende Wassermenge, also 41.000 km³, stellt die jährlich erneuerbare Wasserressource der Erde dar. Weltweit wird davon 8 Prozent durch die Menschen genutzt. Über zwei Drittel werden in der Landwirtschaft, 23 Prozent in der Industrie und acht Prozent Haushalte (Tabelle 2). (Angaben aus „Wasser - die elementare Ressource“ von Lehn et al. 1996)

Umgerechnet auf die Weltbevölkerung standen 1992 theoretisch 7420 m³ Süßwasser pro Jahr pro Mensch zur Verfügung. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf und Jahr liegt in den USA bei circa 3000 Kubikmeter und weltweit bei etwa 1000 Kubikmeter. Bei etwa 5,6 Milliarden Menschen auf der Erde mit einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 1000 Kubikmeter Wasser, werden 5600 Kubikkilometer Wasser gebraucht, dies entspricht 14 Prozent des Gesamtabflusses (World Resource Institut).

Tabelle 2: Globale Wasserentnahme, Wasserentnahme pro Kopf und Wasserentnahme nach Nutzungssektoren 1991

.

Wasserentnahme insgesamt in km³ pro Jahr

pro Kopf pro Tag in m³

Haushalte in Prozent

Industrie in Prozent

Landwirtschaft in Prozent

Welt

3.240

1,8

8

23

69

Europa

359

2,0

13

54

33

Deutschland

47

1,6

14

83

3

(Angaben aus „Wasser - die elementare Ressource“ von Lehn et al. 1996)

Auf der Erde ist das Süßwasser ungleich verteilt. Im Jahr 2050 wird fast jeder vierte Mensch in einem Land leben, das unter Wasserknappheit leidet, so gab die „Deutsche Stiftung Weltbevölkerung“ vor kurzem bekannt. Zur Zeit leben etwa 436 Millionen Menschen in Ländern mit Wasser Knappheit.

Definition des Begriffs Wassermangel (nach der schwedischen Hydrologin Malin Falkenmark): Periodischer oder ständiger Wassermangel herrscht demnach in Ländern, deren verfügbares erneuerbares Süßwasserangebot je Bewohner und Jahr unter 1700 Kubikmeter (m³) liegt. Definition des Begriffs Wasserknappheit: das Wasserangebot je Kopf und Jahr liegt unter 1000 Kubikmeter.

Seit dem vergangenen Jahrhundert hat sich die Zahl der Menschen verdreifacht, der Verbrauch von Trinkwasser aber im selben Zeitraum verzehnfacht. Man schätzt, daß 95 Prozent des Trinkwassers in den Ländern der Dritten Welt ungereinigt genutzt wird. 80 Prozent der Krankheiten und ein Drittel der Todesfälle in Entwicklungsländer sind auf verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen.

Der Bau neuer Staudämme kann das Trinkwasseraufkommen um zehn Prozent erhöhen. Der Bau von neuen Staudämmen hat weitgehende ökologische Konsequenzen. In diesem März einigten sich Ungarn und die Slowakei in Bezug auf den Donaustaudamm. Künftig werden Ungarn und die Slowakei die Anlagen des Gacikovo-Nagymaros-Projektes südlich der slowakischen Hauptstadt Bratislava gemeinsam nutzen. Nach Aufstauung der Donau wird das Austrocknen der Donauauen und das Absinken des Grundwassers befürchtet

Das Jahresgutachten 1997 des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderung“ (WBGU) weist global eine Verschlechterung der Wasserressource aus. Der Wasserverbrauch hat sich weltweit seit 1950 bis 1994 nahezu versechsfacht, wobei die Landwirtschaft mit etwa 70 Prozent der größte Verbraucher ist. Voraussichtlich werden die nutzbaren Wasservorräte bis zum Jahr 2000 im Vergleich zu 1950 um drei Viertel in Asien, um zwei Drittel in Afrika und um ein Drittel in Europa sinken.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Carl-Dieter Spranger betonte in der Eröffnungsrede zur internationalen Konferenz „Globale Wasserpolitik“ am 3.März diesen Jahres „Wassermangel und Wasserverschmutzung sind somit eine Bedrohung globalen Ausmaßes.“

Das kostbare „Blaue Gold“ kann zu Konflikten bis hin zum Krieg führen. Das Center of Strategic and International Studies in Washington identifizierte 1994 etwa zehn Regionen in denen Wasser zum Konfliktauslöser werden kann. So droht Z. B. ein Auseinandersetzung um das Euphratwasser. Das Staudammprojekt „Greater Anatolia“ der Türkei geht auf Kosten der anderen Flußanrainer Syrien und Irak. Ein anderer „Wasserkonfliktherd“ ist der Nil mit den Gegenspielern Ägypten, Sudan und Äthiopien. Vier Staaten teilen sich den Tschad-See: Kamerun, Nigeria, Tschad und Niger. Der Bevölkerungszuwachs machte Bewässerungsprojekte notwendig, die dazu führten, daß der See in den letzten 40 Jahren auf ein Siebtel geschrumpft ist. Es droht eine Konkurrenz um die restlichen Wasserressourcen. .

Unter den zwanzig Staaten mit der geringsten Wasserverfügbarkeit befinden sich Staaten wie Malta, Qatar, Singapur, Barbardos, Israel, Kapverdischen Inseln und Kenia. Diese Länder sind zum Teil beliebte Urlaubsziele. Der Tourismus kann hier zu einer Verschlechterung der Wassersituation führen.

Wasser- und Trinkwasserversorgung in Deutschland

Das Süßwasserdargebot (Dargebot: das aus dem natürlichen Wasserkreislauf eines Jahres zur Nutzung verfügbare Wasser) liegt in Deutschland bei 182 Milliarden Kubikmeter. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Erde ist dies ein mehr als ausreichendes Angebot. Ein Viertel des Süßwassers in Deutschland wird durch Industrie, Wärmekraftwerke, Landwirtschaft und öffentliche Wasserversorgung genutzt (Tabelle 3). Vor allem das Oberflächenwasser unterliegt der Direktnutzung durch Industrie und Wärmekraftwerke. Die öffentliche Wasserversorgung nimmt mit 5,7 Milliarden Kubikmeter im Jahr ca. 3% des Süßwasserdargebots in Anspruch. Hier wird vor allem Grundwasser genutzt. Nur Brandenburg und Mecklenburg nutzen für die Wasserversorgung mehr Grundwasser als Oberflächenwasser (Tabelle 4). Die Wassergewinnung der öffentlichen Wasserversorgung ist im Zeitraum Zwischen 1990 und 1996 um rund eine Milliarde Kubikmeter gesunken. Deutschland hat heute im europäischen Vergleich mit einer Wasserabgabe von 128 Liter pro Einwohner und Tag hinter Belgien den niedrigsten Wasserverbrauch. Die Industrie senkte ihren Wasserverbrauch aus den öffentlichen Netz in den letzten 20 Jahren um ein Drittel. Bedingt durch die wirtschaftliche Krise sank der Verbrauch in den neuen Bundesländern besonders stark (Tabelle 5)

Tabelle 3: Wasserversorgung nach Wasserarten nach Wirtschaftszweigen in Prozent 1991 - Gesamtwasseraufkommen: 46.272 Millionen m³

.

Grundwasser
in Prozent

Quellwasser
in Prozent

Oberflächenwasser
in Prozent

Uferfiltrat
in Prozent

Wasserverbrauch
Deutschlands
in Prozent

öffentliche Versorgung

62,7

9

21,9

6

13,2

Bergbau

55,6

0,1

44,2

0

6,8

Industrie

15,8

1

76,4

6,8

17,8

Landwirtschaft

54,5

7,3

34,6

3,6

3,2

Wärmekraftanlagen

0,2

-

99,8

0

58,9

Tabelle 4: Wasserversorgung nach Wasserarten in den Bundesländern in Prozent 1991 - Gesamtwasseraufkommen: 46.272 Millionen m³

.

Grundwasser
in Prozent

Quellwasser
in Prozent

Oberflächenwasser
in Prozent

Uferfiltrat
in Prozent

Wasserverbrauch
Deutschlands
in Prozent

Baden-Württemberg

8,4

2,6

87,9

1,1

14,8

Bayern

18,8

4

75,8

1,4

11,5

Berlin

19,3

-

80,7

-

3,4

Brandenburg

67,7

-

31

-

2,7

Bremen

1

-

99

-

2,7

Hamburg

13,4

-

85,1

-

1,6

Hessen

10,4

1,5

87,9

0,2

8,9

Mecklenburg-Vorpommern

74,6

-

22,7

-

0,4

Niedersachsen

11,8

0,5

87,7

0,1

12

Nordrhein-Westfalen

18,7

0,3

53,9

-

19,6

Rheinland-Pfalz

12,7

2,3

83,4

1,5

4,6

Saarland

28,3

-

70,8

-

0,9

Sachsen

32,9

3,2

57,9

5,8

1,9

Sachsen-Anhalt

19

0,5

78,8

-

2,8

Schleswig-Holstein

5

-

95

-

11,2

Thüringen

35,1

12,3

52,2

0,5

0,9

Deutschland

15,3

1,5

81,2

2

100

(Berechnet nach Angaben des Statistisches Bundesamtes)

Tabelle 5: Wasserverbrauch je Einwohner am Tag in Liter und Wasserverbrauch 1996 nach Verwendung in Liter

1990

145 l

Baden / Duschen

46 l

1991

139 l

Toilettenspülung

35 l

1992

136 l

Wäsche waschen

15 l

1993

136 l

Geschirr spülen

8 l

1994

134 l

Auto / Garten

8 l

1995

132 l

Kleingewebe

11 l

1996

128 l

Trinken / Kochen

5 l

Für die meisten Bürger ist die ständige Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser in unbegrenzten Mengen eine Selbstverständlichkeit. Diese Selbstverständlichkeit darf nicht in Wasserverschwendung ausarten. Kollektive Güter müssen von jedem bewahrt werden.

Wilfried Handrock von den Stadtwerken Paderborn führt drei Gründe zum rationellen Umgang mit der Ressource Süßwasser auf: 1.) Jede zusätzliche Wasserentnahme aus Grund- oder Oberflächenwasser stellt ein Eingriff in Natur und Landschaft dar. 2.) Jede zusätzliche Wasserentnahme beeinflußt den Wasserkreislauf und den Naturhaushalt. 3) Jede zusätzliche Wasserentnahme bindet Kapital und erfordert den Einsatz von Energie sowohl für die Bereitstellung wie für die anschließende Entsorgung.

Das Wasserdargebot ist aber regional und zeitlich unterschiedlich. Diese Differenzen im Wasserdargebot müssen zum Teil mit Grundwasser, Fernversorgung und Talsperren ausgeglichen werden. Ballungsgebiete haben ein höheren Wasserverbrauch als das lokale Angebot hergibt.

Im Unterschied zu anderen Grundstoffen wird Wasser nicht verbraucht, sondern gebraucht und gelangt in den Wasserkreislauf zurück. Entnahme von Wasser ist ein Eingriff in ein Ökosystem .

DIN 2000 besagt zur Qualität des Trinkwassers: “Trinkwasser soll appetitlich sein und zum Genuß anregen. Es soll farblos, klar, kühl, geruchlos und geschmacklich einwandfrei sein.”

Fließgewässer

Grundlage der Gewässerschutzpolitik ist das Emissionsprinzip. Ziel des nationalen Gewässerschutzes ist es, das alle deutschen Gewässer mindestens die Güteklasse II (“mäßig belastet) zu erreichen. Die Verbesserung der Abwasserbehandlung und die Reduktion des Wasserverbrauchs haben in den letzten Jahren die Qualität der Fließgewässer in den alten Bundesländern deutlich erhöht.

Grundwasser

Definition des Begriffs Grundwasser: Grundwasser ist unterirdisches Wasser, das Hohlräume der Lithosphäre zusammenhängend ausfüllt und dessen Bewegungsmöglichkeit ausschließlich durch die Schwerkraft bestimmt wird.

Die natürliche Beschaffenheit des Grundwassers ist in erster Linie durch die Zusammensetzung des umgebenden Gesteins und die Kontaktzeit geprägt. Die Vegetation und die Bodenauflage, aber auch die Deposition von Schadstoffen spielen eine Rolle.

Etwa 0,6 Prozent des weltweiten Wasservorrats liegt als Grundwasser vor. Dagegen sind nur weniger als 0,02 Prozent in Seen und Flüsse zu finden. In Europa unterscheidet sich der Anteil des Grundwassers an der Trinkwasserversorgung erheblich (Tabelle 6). In Deutschland wird das Trinkwasser zu 72 Prozent aus Grundwasser gewonnen. In Bayern sind es sogar rund 93 Prozent (Tabelle 7). Es gibt oberflächennahes Grundwasser und Grundwasser in mehreren hundert Meter Tiefe. Dieses Tiefengrundwasser nimmt am Wasserkreislauf nur im Zeitraum von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden teil. Oberflächennahes Grundwasser ist unsere wichtigste Trinkwasserreserve.

Tabelle 6: Grundwassernutzung in einigen europäischen Ländern

Land

Anteil des Grundwassers am Trinkwasser

Wasserentnahme insgesamt in Mrd. m³

Durchchnittliche Entnahme pro Einwohner in m³

Deutschland

72 %

47,4

594

Niederlande

68 %

-

-

Frankreich

63 %

37,7

665

Österreich

99 %

-

-

Italien

88 %

-

-

Spanien

30 %

45.845

1176

Ungarn

91 %

-

-

Großbritannien

27 %

14,2

248

Schweden

24 %

3,0

346

Kanada

-

43,9

1579

USA

-

468,6

1875

Japan

-

90,8

735

(nach: Schriftenreihe der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e. V. Band 59 / 1994 und OECD 1995)

Tabelle 7: Öffentliche Wasserversorgung nach Wasserart und Wasserabgabe pro Einwohner und Tag

>
.

Grund und Quellwasser
in Prozent

Uferfiltrat
in Prozent

Oberflächenwasser

Wasserverbrauch
Deutschlands
in Prozent

Wasserverbrauch
pro EW und Tag in l

Baden-Württemberg

74,4

0,1

25,5

11,6

140

Bayern

92,9

3,4

3,7

14,9

144

Berlin

98,6

1,4

0

4,4

137

Brandenburg

90,3

6,7

3

3,5

143

Bremen

100

0

0

0,1

146

Hamburg

88,5

0

11,5

1,4

149

Hessen

94,7

1

4,3

7

149

Mecklenburg-Vorpommern

78,5

3,4

18,1

2,5

157

Niedersachsen

86,6

0,1

13,3

8,9

139

Nordrhein-Westfalen

39,5

18,0

42,5

23

152

Rheinland-Pfalz

92,1

3,6

4,3

4

138

Saarland

100

0

o

1

126

Sachsen

39,3

8,6

52,1

6,9

140

Sachsen-Anhalt

58,7

6,9

34,4

3

161

Schleswig-Holstein

99,9

0

0,1

3,3

141

Thüringen

63,5

0,4

36,1

4,4

107

Deutschland

72

6

22

100

144

(Berechnet nach Angaben des Statistisches Bundesamtes)

Schädliche Einflüsse auf das Grundwasser

Gefährdet ist unser Grundwasser durch Dünger, Pflanzenschutzmittel und Luftschadstoffe.

Nitrat im Grundwasser

Nitrat wird insbesondere als Folge der Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung verstärkt in das Grundwasser eingetragen. Erhöhte Nitratgehalte sind im Grundwasser und in Oberflächengewässer festzustellen. Das Grundwasser ist von besonderer Bedeutung, da über 70 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen wird. Wasserversorgungsunternehmen, in deren Einzugsgebiet der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter im Grundwasser überschritten wurde, reagierten mit einem teilweisen Abschalten der betroffenen Brunnen, mit dem Verlagern der Wassergewinnung in tiefere Grundwasserbereiche, mit dem Einmischen von unbelasteten Wasser oder mit dem verstärkten Einsatz von Wasserauf-bereitungsanlagen. Die europäischen Richtlinien geben einen Grenzwert von 25 mg pro Liter vor.

Ein großer Teil der Nitratbelastung des Grundwassers wird durch die Landwirtschaft verursacht. Nach Angaben des Umweltbundesamtes beträgt der mittlere jährliche Stickstoffüberschuß auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche über 100 kg N/ha. In Regionen mit einem hohen Viehbesatz können noch wesentlich höhere Werte erreicht werden. Nach den „Daten zur Umwelt 1997“ des Umweltbundesamtes lagen 13 Prozent der bundesweit beprobten Meßstellen oberhalb des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung (Tabelle 8). Grundsätzlich ist eine zunehmende Tiefenverlagerung von erhöhten Nitratgehalten festzustellen. Auch unter Waldgebieten werden Nitratgehalte von bis zu 10 mg/l gemessen.

In Baden-Württemberg lagen 1991 die Meßwerte auf Flächen mit starker landwirtschaftlicher Beeinflussung in 31 Prozent der Fälle über den deutschen Grenzwert. Der natürliche „background“ des Nitrats liegt bei 98 Prozent der Meßstellen unter 15 mg pro Liter. Der höchste Nitratwert wurde im Bereich eines Aussiedlerhofes gemessen, er lag bei 340 Milligramm pro Liter. Belastungsschwerpunkte sind also vor allem in Gebieten mit bäuerlichen Intensivkulturen zu finden.

Während das Grünland im Durchschnitt etwa 30 mg Nitrat pro Liter aufweist, muß man unter mit Gülle gespritzen Ackerland mit etwa 250 mg pro Liter rechnen. Die erste gewässerschonende Maßnahme ist eine vernünftige Düngeplanung. Nach dem Motto „Kooperation statt Konfrontation“ versuchen mittlerweile einige Wasserwerke die Landwirte durch Ausgleichszahlungen und Beratung zu einem Umsteigen auf eine alternative Landbearbeitung zubeeinflussen.

Tabelle 8: Nitratgehalte im Grundwasser.

Nitratgehalte (NO3) in Milligramm pro Liter

Häufigkeit in Prozent

weniger als 1 mg /l

36

1 - 10 mg/l

25

11 - 25 mg/l

14

26 - 50 mg/l

15

50 - 90 mg/l

7

über 90 mg/l

4

Die Stickstoff-Auswaschung waldbestockter Böden läßt sich durch entsprechende Kulturvorbereitung, Baumartenwahl und Bestandespflege minimieren.

Pestizide

Für wasserwirtschaftliche Belange problematisch sind alle Pestizide, die ins Grundwasser, in oberirdischen Binnengewässern und in die Meere gelangen. Einzelne Pestizide reichern sich in der Nahrungskette aquatischer Lebensgemeinschaften an. Im Trinkwasser sollten generell keine Pflanzenschutzmittel auftreten. In der Trinkwasserverordnung wird ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für Einzelsubstanzen und 0,5 Mikrogramm pro Liter für die Summe aller Wirkstoffe festgelegt. Pestizide können mit einer kostspieligen Aktivkohlefiltration weitgehend entfernt werden. 300 verschiedene Wirkstoffe werden zu Vernichtung von Unkräutern, Käfern, Schnecken und Nagetiere in Deutschland eingesetzt. Im Durchschnitt werden jedes Jahr 30.000 Tonnen Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt (Tabelle 9). 1994 meldeten 261 von 518 Kreisgesundheitsämter Pestizide im Grundwasser. Das bayrische Umweltministerium stellte 1994 in neun Prozent der untersuchten Wassergewinnungsanlagen eine Überschreitung des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung fest. Die Belastungschwerpunkte liegen im wesentlichen wieder in Gebiete mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Überschreitungen des Trinkwassergrenzwertes treten punktuell jedoch in allen Regionen auf.

Tabelle 9: Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in Deutschland in Tonnen

.

insgesamt

Herbizide [t ]

Insektizide [t ]

Fungizide [t ]

sonst. PSM [t ]

1980

32930

20857

2341

6549

3183

1985

30053

17390

1566

8491

2606

1990

33146

16957

1525

10985

3679

1994

29769

14834

4006

7698

3231

(Quelle BMELF)

Wald und Wasser

Die Leistungen des Waldes in Bezug auf den Wasserhaushalt und Trinkwasserqualität

Wasserreinhaltung: Das unter Waldflächen gewonnene Trinkwasser besitzt in der Regel einen hohen Reinheitsgrad. Bäume kämmen mit ihren Blättern und Nadeln große Schadstoffmengen aus der Luft. Im Waldboden wird das Sickerwasser auf natürlicher Weise gereinigt. Durch die jahrzehntelange Belastung der Wälder und der Waldböden leidet die Pufferkapazität des Waldes und letztlich die Qualität des Grundwassers.

Wasserkreislauf: Der geringe Oberflächenabfluß des Niederschlagwassers beruht auch auf den Interzeptionsverlust (Interzeption: Verdunstung von Niederschlagswasser auf der Kronen- und Stammoberfläche einer Pflanze). In einem Fichtenwald gelangen in Abhängigkeit von der Stärke der Niederschläge lediglich 40 bis 70 Prozent des Regens zum Waldboden. Über 50.000 Liter Wasser kann ein Hektar Buchenwald ( ein Hektar Wald besteht circa aus 100 Bäumen) an einem Sommertag verdunsten (600 Badewannen). Der Wald befördert etwa 70 Prozent der Niederschläge wieder zurück in die Atmosphäre.

Waldklima: Durch die große Vegetationsoberfläche verdunstet etwa 15 Prozent mehr Niederschläge als auf landwirtschaftlichen Flächen (Tabelle 10). Durch den hohen Verbrauch von Strahlungsenergie für die Verdunstung ist das Waldklima während der Sommerzeit kühler und feuchter. Temperaturunterschiede von bis zu sechs Grad Celsius gegenüber dem Freiland und bis zu acht Grad Celsius gegenüber dem Stadtklima führen zu lokalen Luftbewegungen, die für eine Milderung der Temperaturextreme und für eine Reinigung der Luft sorgen.

Tabelle 10: Einfluß der Flächennutzung auf die Verdunstung und Grundwasserneubildung

.

Verdunstung in Prozent

Grundwasserneubildung in Prozent

Dichte Bebauung

20

keine

Nackter Boden

40

60

spärliche Vegetation

52

48

Ackerland

65

35

Lockere Bebauung

70

30

Grünland

75

25

Strauch-Vegetation

85

15

Wald

90

10

(nach: Schriftenreihe der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e. V. Band 59 / 1994)

Wasserspeicher: Gesunder Waldboden ist der ideale Wasserspeicher. Die günstige Bodenstruktur wird durch Bodenorganismen und die intensive Durchwurzelung bedingt. So kann ein Kubikmeter Waldboden bis zu 100 Kilometer Baumwurzeln enthalten. Die Wurzel einer 60 Jahre alten Buche sind bis zu zwanzig Kilometer lang. Dadurch entsteht im Boden ein System wasserleitender Kanäle, der ideale Wasserspeicher. Der Wald läßt Wasser langsamer abfließen.

In den oberen zehn Zentimeter Waldboden werden pro Quadratmeter bis zu 50 Liter Niederschlagswasser gespeichert. Ein Hektar Wald hält bis zu zwei Millionen Liter Wasser zurück, die sehr langsam wieder abgibt. Das sieht man daran, wenn nach längerer Trockenheit anderorts die Quellen versiegen, die Quellen im Wald noch sprudeln.

Erosion: Im Wald fließt nur wenig Wasser oberflächlich ab und das verringert den Bodenabtrag, die Erosion. In einem Waldgebiet fließen lediglich 10 - 20 Prozent des Niederschlages oberflächlich ab. In einer waldfreien Landschaft beträgt dieser Anteil 40 Prozent. Ein Bach mit bewaldetem Einzugsbereich transportiert im Jahr zwei Tonnen Bodenmaterial ab. Ein Bach mit gerodeten Umfeld schwemmt dagegen zweihundert Tonnen Erde ab. Wildbäche in den Gebirgen sind ohne Wald nicht zu zähmen. In entwaldeten Gebieten kommt es daher immer wieder zu Schlammfluten und Erdrutschen.

Hochwasser: Sowohl der Rückgang der Auwälder auf weit weniger als zehn Prozent der ehemaligen Fläche als auch die Abflußbeschleunigung durch Entwässerung, Begradigung und Bodenversiegelung führen zur Verschärfung der Hochwasserkatastrophen. Auen reinigen das Flußwasser und das in dem Auwald versickernde Wasser speist das Grundwasser. Je mehr Wald in einem Gebiet wächst, desto weniger Wasser fließt über die Flüsse ab. Hochwasserspitzen werden durch Wälder abgemildert und das gespeicherte Wasser wird verzögert und gleichmäßig wiederabgegeben.

Grundwasser: Viele Wälder sind für unsere Wasserversorgung besonders wichtig. In Bayern haben rund ein Drittel der Wälder eine besondere Bedeutung für den Wasserschutz (in festgesetzten Wsserschutzgebieten, zur Anreicherung des Grundwassers, zur Verhinderung von Schäden durch Niederschlagswasser oder im Einzugsbereich von Trinkwassertalsperren). Über 20 Prozent der Waldflächen in Nordrhein-Westfalen haben eine besondere Wasserschutzfunktion Die Waldbewirtschaftung soll also oft nicht nur für Holz, sondern auch für sauberes Wasser sorgen. Naturnahe, ungleichaltrige Waldbestände sind besser für sauberes Grundwasser. Naturnahe und laubbaumreiche Mischwälder mit einem gesunden, humusreichen Waldboden sind Garanten für sauberes Grundwasser. Hier bewährt es sich, daß die naturnahe Forstwirtschaft auf Pflanzenschutzmittel und Dünger weitgehend verzichtet. Weit weniger als ein Prozent der Waldfläche werden jährlich mit Pestiziden und Düngemitteln behandelt.

Wasserschutzgebiete

Im gesamten Deutschland gab es 1995 etwa 18.800 Wasserschutzgebiete mit einer Fläche von 38050 km². Sie nehmen 10,6 Prozent der Fläche der Bundesrepublik ein. (Tabelle 11)

Tabelle 11: Wasserschutzgebiete (WSG) in den Bundesländern

.

Anteil der WSG an der Landesfläche

Anteil an der Landesfläche mit geplanten und im Verfahren befindlicher WSG

Baden-Württemberg

18,9

28,8

Bayern

3

3,6

Berlin

26,5

58,5

Brandenburg

6,1

-

Bremen

7,2

8,7

Hamburg

8,1

25,3

Hessen

30

37,7

Mecklenburg-Vorpommern

9,3

9,5

Niedersachsen

7,2

14,2

Nordrhein-Westfalen

11,4

19

Rheinland-Pfalz

8,2

11,4

Saarland

15,7

28,7

Sachsen

11,7

-

Sachsen-Anhalt

8,6

-

Schleswig-Holstein

1,3

3,3

Thüringen

31,5

33,7

Deutschland

10,6

14,6

(Quelle LAWA-AG „Grundwasserschutz und Wasserversorgung“, Stand 1994 bzw. 1995)

Talsperren

Der Anteil des Trinkwassers aus Talsperren ist in den einzelnen Bundesländern recht unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen liegt er bei 13,5 Prozent, in Thüringen und Sachsen ist er mit 32 bzw. 43 Prozent sehr hoch. Zu einer Trinkwassertalsperre gehört immer Wald. Nicht nur in der Wasserschutzzone I, sondern auch in der Zone II und III werden Mischwälder angelegt.

Weitere Informationen zum Thema Wasser sind bei der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz zu erhalten