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In ganz Mitteleuropa ist die Buche heimisch (s. Verbreitungskarte). Unter natürlichen Bedingungen wäre der größte Tei Deutschlands mit Buchen- oder Buchen-Mischwäldern bedeckt. In Deutschland hat die Buche einen Anteil von rd. 14% an de Gesamtwaldfläche von 10,8 Mio. ha. Die ausgedehntesten Buchenwälder finden wir heute in Deutschland noch in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg, im Eichsfeld, in den Mittelgebirgen West- und Mitteldeutschlands (Solling, Weserbergland, Vogelsberg, Taunus, Hunsrück, Pfälzer Wald, Eifel, Thüringer Wald) sowie in Süddeutschland, im Spessart auf der Fränkischen Platte, im Steigerwald, auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb.
Als bedeutender Waldbaum erreicht die Buche Höhen von 30 bis 35 Meter, zuweilen auch solche über 40 Meter. Im Gegensatz zu manchen anderen Baumarten hält bei ihr das Wachstum bis ins hohe Alter unvermindert an. Kennzeichnend für die Buche ist eine dünne, glatte und zunächst silbergraue, unverborkte Rinde. Einzelne Buchen, die Borkenbildung zeigen, werden "Steinbuchen" genannt. Weiße, handtellergroße Flecken auf der silbergrauen Buchenrinde werden von einem für sie harmlosen Pilz, dem Weißen Rindenpilz, hervorgerufen. Die Blätter der Buche sind eiförmig, ganzrandig und kurz gestielt. Wegen ihres reichen Laubfalles (ca. 900 g/m2) und ihrer intensiven Durchwurzelung auch tieferer Bodenschichten ist die Buche eine boden- und bestandspflegliche Baumart. Sie wird deshalb auch "Mutter des Waldes" genannt. Die dreikantigen, braunglänzenden Bucheckern sitzen zu zweit in einem vierlappigen Fruchtbecher. Reichen Fruchtbehang gibt es bei der Buche alle 5-8 Jahre. Bucheckern enthalten im Durchschnitt 15-20% Öl, das nach entsprechender Behandlung Speiseöl abgibt. Der Genuss roher Bucheckern kann durch den Wirkstoff Fagin zu Vergiftungserscheinungen führen. Waldbau
Die Buche liebt luftfeuchte Lagen und gleichbleibend bodenfrische und gut durchwurzelbare Böden. Besten Wuchs zeigt sie auf frischen, basenreichen Böden, z.B. auf Kalk oder Basalt. Die Buche meidet Blockfelder, sehr trockene, staunasse oder regelmäßig überflutete Standorte. Sie fehlt daher in der Baumartenpalette des ursprünglichen Auwaldes. Die waldbauliche Behandlung der Buche muss auf ihre Standortansprüche betont Rücksicht nehmen. Allgemein wurde die Buche von ihren natürlichen Standorten in früheren Jahrzehnten sehr stark zurückgedrängt. In den letzten 10 bis 20 Jahren wurde sie jedoch wieder verstärkt in die Wälder als führende Baumart, Mischbaumart oder als dienende Laubbaumbeimischung eingebracht. Kennzeichnend für die Buche ist ihre hohe Schattenverträglichkeit, die nur noch von Tanne und Eibe übertroffen wird. Buchenwälder können sehr gut, z.B. über Schirmschlagverfahren, natürlich verjüngt werden. In Nadelwaldreinbeständen muss die Buche künstlich im Schutz der Altbestände eingebracht werden. Wegen der oft überhöhten Bestände an Reh- oder Rotwild müssen diese Buchenvoranbauten häufig gezäunt werden. Waldbauliches Ziel ist es, durch entsprechende Pflege qualitativ hochwertiges und damit wertvolles Buchenstammholz zu erhalten. Lebensraum Buchenwald Jenach Standort können verschiedene Buchenwaldtypen, so z.B. der Kalkbuchenwald mit der Frühlingsplatterbse und verschiedenen Orchideenarten, der Braunerde-Buchenwald mit Waldmeister, Perlgras, Eichen- und Buchenfarn oder der bodensaure Buchenwald mit Hainsimse (z.B. auf Buntsandsteinböden) unterschieden werden. Buchenwälder sind die wichtigsten und am weitest verbreiteten Pflanzengesellschaften in Mitteleuropa.
Nach der kalten Jahreszeit müssen viele Bodenpflanzen des Buchenwaldes das kurze Frühjahr bis zur vollen Blattentfaltung der Buche nutzen, denn nur im März und April dringt genügend Licht zum Waldboden vor. Dann blühen Buschwindröschen, Seidelbast, Leberblümchen und Lungenkraut. Auf feuchteren, nährstoffkräftigeren Standorten sind es Lerchensporn und Bärlauch. Wichtige Mischbaumarten der Buche sind auf bodensauren Standorten die Traubeneiche, im Verzahnungsbereich zu Schluchtwäldern der Bergahorn und die Esche sowie auf kalkreichen Sonderstandorten die Eibe und Elsbeere. In den mittleren Lagen der süddeutschen Mittelgebirge und der Alpen treten die Tanne, in den höheren die Fichte als Mischbaumarten zur Buche. Der sich daraus entwickelnde sog. Bergmischwald vereinigt in besonders glücklicher Weise die Ansprüche der Ökonomie und der Ökologie. Daneben bietet der mitteleuropäische Buchenwald einer Vielzahl von Tieren Heimat. Etwa 7000 Tierarten sollen auf den Buchenwald angewiesen sein. Darunter befinden sich viele kleine Lebewesen, die im Boden und in der Streuschicht für die Zersetzung und Einarbeitung des Falllaubes sorgen, wie z.B. Spring- schwänze, Hornmilben, Asseln, Fadenwürmer und Tausendfüßler. Wegen seines ausgeglichenen, feuchten Bestandsinnenklimas stellt der Buchenwald gerade für viele Schnecken (ca. 70 Arten) einen geeigneten Lebensraum dar. Daneben beherbergt der Buchenwald noch eine große Zahl von Insekten, wie Schmetterlinge und Käfer. Insgesamt leben im heimischen Buchenwald über 5000 Insektenarten. Zu den häufigsten Insektenarten in Buchenbeständen gehört der Buchenspringrüssler. Während die Larven in den Buchenblättern, ausgehend von der Mittelrippe, minieren und damit eine teilweise Braunfärbung der Blätter herbeiführen, verursachen die Käfer Lochfraß in den Blättern und Fraß an den Blattstielen. Typische Schmetterlinge des Buchenwaldes sind der Nagelfleck, der Buchenspinner mit seiner bizarren Raupe, der Buchenzahnspinner sowie der Buchenrotschwanz und die Buchenkahneule. In einigen Teilen Deutschlands trat in den letzten Jahren der Buchenborkenkäfer häufiger auf. Der nur 1 bis 2 mm messende Kleine Buchenborkenkäfer kommt ebenfalls recht häufig in Buchenwäldern vor, wobei er hauptsächlich stärkere, absterbende Äste besiedelt. Abgestorbenes, totes Buchenholz - sowohl stehend oder liegend - in verschiedenen Zersetzungsphasen stellt für viele holzbewohnende Käferarten einen wichtigen Lebensraum dar. Stellvertretend für die Vielzahl der Bockkäfer seien hier der Buchen- und der Alpenbock genannt. Der seltene Alpenbock kommt allerdings nur noch im bayerischen Alpenraum vor. Ebenfalls auf totes Buchenholz angewiesen ist der Kopfhornschröter. Ein weiterer wichtiger Teil der Tierweit unserer Buchenwälder sind die Vögel. Viele unserer einheimischen Vogelarten (ca. 70) sind auf den Wald allgemein als Lebensraum angewiesen. Vor allem unseren einheimischen Spechtarten kommt wegen ihrer Fähigkeit zum Höhlenbau eine Schlüsselrolle in der vielschichtigen Lebensgemeinschaft des Waldes zu. So werden die Höhlen des Schwarzspechtes, dessen hauptsächlicher Brutbaum die Buche ist, sehr gerne z.B. von der Hohltaube als Nachmieter genutzt. Im Buchenwald kommen viele Vogelarten vor, die auch andere Waldtypen besiedeln, so z. B. der Kuckuck, die Kohlmeise und der Vogel, dem die Buche ihren Namen gab: Der Buchfink. Typische Vogelarten des Buchenwaldes sind z.B. der Waldlaubsänger und der Zwergschnäpper, der gerne alte Buchenwälder mit reichem Unterholz oder Verjüngung in luftfeuchten Lagen besiedelt. Im Winter fallen große Schwärme der nordischen Bergfinken in unsere Buchenwälder ein, um die nahrhaften Bucheckern zu verzehren. Holz Frisches Buchenholz hat eine rötlich-weiße Farbe, im gedämpften Zustand erscheint es mehr rötlich-braun. Auf diese Holzfärbung bezieht sich der Name Rotbuche.
Buchenholz ist zerstreutporig mit feinen Poren, deutlich markierten Jahrringgrenzen und auffälligen Holzstrahlen. Buchenholz ist von feiner, gleichmäßiger Struktur und von mittelschwerem Gewicht (mittlere Rohdichte 0,72g/cm3). Es ist von hoher Härte, dabei zäh, aber wenig elastisch. Kennzeichnend für Buchenholz ist die hohe Abriebfestigkeit. Buchenholz ist anfällig für Pilzbefall und daher ohne Schutzbehandlung ungeeignet für eine Verwendung im Außenbereich. Mit rd. 250 bekannten Verwendungsgebieten ist die Buche in den letzten Jahren zu der am vielseitigsten gebrauchten Holzart unter den einheimischen Hölzern geworden. Zu den Haupteinsatzbereichen der Buche zählt die Möbelherstellung (z.B. Stühle, Schul- und Büromöbel). Besonders berühmt sind die aus dampfgebogenen Buchenhölzern gefertigten Cafehaus-Stühle des Tischlermeisters Thonet geworden. Weiter liefert Buche ein ausgezeichnetes Holz für Parkett- und Holzpflasterböden und für den Treppenbau. Vielfältige Verwendung findet die Buche für Kleinartikel des täglichen Bedarfs: So z.B. Frühstücksbretter, Nudelrollen, Messergriffe, Rührlöffel, Schüsseln usw. Holzspielzeug wird bevorzugt aus Buchen- oder Ahornholz gefertigt. Buchenindustrieholz, d.h. schwächeres Buchenholz, wird in der Hauptsache von der zellstoff- und Papierindustrie sowie von der Span- und Faserplattenindustrie verarbeitet. Buche ist weiterhin die Hauptholzart für die Fertigung von Eisenbahnschwellen. Schälfurniere aus Buchenholz werden für die Sperrholzherstellung benötigt. Letztendlich wird Buchenholz wegen seines hohen Brennwertes gerne als Brennholz verwendet. Neben Bau-, Geräte- und Brennholz haben die Menschen früherer Zeiten aus Buchenholz auch Holzkohle und Pottasche zur Glasherstellung gewonnen. Brauchtum
Wegen ihrer weiten Verbreitung in Mitteleuropa und ihrer großen Bedeutung für den Menschen ist es nicht verwunderlich, dass allein in Deutschland rd. 1500 Ortschaften mit ihrem Namen auf die Buche zurückzuführen sind. Die Buche steht in enger Beziehung zu unserer deutschen Muttersprache. Der "Buchstabe" war ursprünglich ein Buchenstab, auf den Runen eingeritzt waren, der geworfen und dann (auf)gelesen wurde. Im keltischen Baumhoroskop, das 21 Bäume enthält, ist die Buche einer der vier Bäume, die bestimmten Lostagen (z.B. Tag- und Nachtgleiche) zugeordnet sind. In der Literatur hat Annette von Droste-Hülshoff der Buche in ihrer Erzählung "Die Judenbuche ein bleibendes Denkmal gesetzt. Die Abbildung der Judenbuche schmückt die Rückseite des neuen 20-DM-Scheines. Waldschäden Im allgemeinen gilt die Buche vor allem im Vergleich mit den Nadelhölzern Fichte und Kiefer als relativ stabile und krisenfeste Baumart. Massenvermehrungen gefährlicher Forstinsekten, die zum Absterben ganzer Waldbestände führen können, treten bei der Buche kaum auf. Von den klimatischen Gefahren wirken sich bei der Buche in der Hauptsache Spätfrost in der Jugend und bei zu rascher Freistellung in der Verjüngungsphase oder z.B. bei Trassenaufhieben unmittelbare starke Sonneneinstrahlung (Rindenbrand) schädigend aus. Der Befall durch die Buchenwollschildlaus ist in den letzten Jahren allgemein zurückgegangen. Sie tritt häufig, aber nicht in jedem Fall, im Zusammenhang mit der Buchenschleimflusskrankheit (Buchenrindennekrose) auf. Diese kann Buchenbestände empfindlich schädigen. Besondere Sorge bereitet die Zunahme der neuartigen Waldschäden auch bei der Buche. Der Anteil der mittleren und starken Schäden (Schadstufe 2-4) liegt 1993 bei 32%. Trotz leichter Besserung gegenüber dem Vorjahr gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Seit Beginn der Waldschadenserhebung 1984 sind die deutlichen Schäden bei der Buche um 20% gestiegen. Am stärksten betroffen ist sie mit 62% in Thüringen. Die deutlichen Schäden bei den älteren Buchen (über 60 Jahre), die für das Ökosystem Wald besonders wichtig sind, sind dreimal so hoch wie bei den unter 60jährigen Buchen. Europaweit sind 56,2% der Buchen krank.
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