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Der Speierling ist nicht nur im Wald und in der Feldflur sehr selten geworden, er ist auch einer der seltenen "männlichen" Bäume der deutschen Sprache. Ökologie und Waldbau
Nach der eiszeitlichen Verdrängung wanderte der Speierling in der Steppenperiode 9000 bis 8000 v. Chr. als wärmeliebendes Florenelement aus Südfrankreich durch das Rhonetal oder über den Jura wieder ein. Dabei mied er staufeuchte oder arme Standorte sowie rauhe Höhenlagen über 500 m. Bevorzugt werden auch heute noch die Waldgesellschaften der wärmeliebenden Eichenmischwälder und der trockenen Kalkbuchenwälder. Der Speierling wächst auch auf verdichteten oder rohen Böden, d. h. er wächst auf mehr Standorten als bisher angenommen.
Der Einsatz des Speierlings zum Auspflanzen lückiger Naturverjüngungen ist nicht sinnvoll. Die Pflanzen holen den Wuchsvorsprung auf den schon verjüngten Flächen nicht mehr auf. Alle bekannten, älteren Speierlinge sollten mit Farbringen gekennzeichnet werden. Sobald sich eine grobe Borke gebildet hat, kann die aufgetragene Farbe keine Schäden mehr in der Kambialschicht, der Wachstumsschicht unter der Rinde, anrichten. Speierlinge stehen im ganzen Verbreitungsgebiet einzeln oder nur dann in kleinen Gruppen, wenn sich aus einer Wurzelbrut einmal mehrere Stämme durchsetzen konnten. Es gibt keine Speierlingsbestände. Die auch heute beobachteten Schwierigkeiten der Vermehrung aus Samen sind ein Artmerkmal des Speierlings. Daher finden sich schon seit 2000 Jahren Versuche zur Vermehrung über Stecklinge, durch Pfropfungen oder durch Veredelungen. In keinem Fall wurden größere Pflanzenmengen mit solchen Verfahren angezogen. Die Vermehrung über Gewebekulturen ist leicht möglich, wird aber wegen der genetischen Einengung nicht durchgeführt. Der nur 20 bis 25 (30) m hohe Speierling liebt Wachstumsbedingungen, wie sie der Mittelwald bietet. Das rasche Jugendwachstum der Wurzelbrut ermöglicht es, anfangs mit den anderen Baumarten mitzuhalten. Wenn dann ab Alter 25 und mit späteren Wiederholungen Freistellungen erfolgen, kann die Krone ausgebildet werden. Nach 120 bis 140 Jahren wird die Hiebsreife erreicht. Im Hochwald kann der Speierling nur durch früh einsetzende und ständig wiederholte Förderung erhalten werden. Daher kann die Anpflanzung des Speierlings auch nur dort empfohlen werden, wo die Pflege langfristig sicher erscheint. Die Wuchsleistung des Speierlings erreicht Höhen, die anfangs über der Eiche und im Alter von über 110 Jahren unter der durchschnittlichen Wuchsleistung der Eiche liegen. |
Verbreitung
Mit zwei neuen Karten wird das heutige Verbreitungsgebiet wiedergegeben. Aus alten Funden ist bekannt, dass die Speierlinge vor allem im nördlichen Verbreitungsgebiet Deutschlands in einem größeren Areal vorkamen. Auffallend ist die hohe Ähnlichkeit der Verbreitung der Elsbeere und des Speierlings. Sie gehören fast im ganzen Verbreitungsgebiet eng zusammen. Vielfach finden sie sich im Wald direkt nebeneinander. Die deutschen Vorkommen gehen auf eine Rückwanderung aus Frankreich zurück. Die Vorkommen in Südosteuropa sind dagegen nicht über Österreich hinausgekommen. Nachzucht
Die Erkenntnis, dass der Speierling vom Aussterben bedroht ist, wenn nicht rasch wirksam geholfen wird, führte ab 1980 zu einem großen, von Niedersachsen ausgehenden, Herkunftsversuch. Die deutschen und die schweizerischen Forstlichen Versuchsanstalten haben Saatgutmaterial gleicher Herkunftsstämme von ausgewählten Speierlingen mitteleuropäischer Länder vergleichend ausgebracht. Dadurch wurden nicht nur Generhaltungsflächen angelegt und durch die vielfältige Bestäubung neue Möglichkeiten geschaffen, sondern auch Beobachtungen zum Wachstum der einzelnen Herkünfte möglich. Holz Speierlingsholz ist ein birnbaumfarbenes, hartes und festes Kernholz, das mit einem Trokkengewicht von 0,88 g je cm³ das schwerste europäische Laubholz ist. Die kleinen anfallenden Mengen fanden früher für mechanische Zwecke eine vielfältige Verwendung. Heute kommen gute Stämme in die Furnierindustrie (Schweizer Birnbaum), andere werden gesägt für die Möbelfertigung. Hersteller von Dudelsackspielpfeifen oder auch Hobelhersteller suchen Speierlingsholz. Bei den geringen Mengen wird sich nie ein "Markt" für die Holzart entwickeln. Das Holz geht zusammen mit dem Elsbeerholz weg, das seit Jahren die Spitzenerlöse aller Holzarten bringt. Früchte
Durch den Zusatz des herben Speierlingssaftes wird mehrerlei erreicht: Der Speierlingsäpfelwein ist besser im Geschmack, in der Haltbarkeit und in der Farbe. Die Abbildungen zeigen einige der Früchte, die in vielfältiger Form und Größe vorkommen. Fruchtform und -farbe sind für einen Baum typisch, er behält sie über die Jahre hinweg bei. Man kann davon ausgehen, dass seit Jahrhunderten immer wieder diejenigen Bäume zur Vermehrung gewählt wurden, die die größten Früchte und die reichsten Ernten bringen. Zur Saatgutgewinnung und zur Schnapsherstellung werden Anfang Oktober die reifen Früchte unter den Bäumen aufgesammelt und verarbeitet. Großkronige Bäume tragen bis zu 1000 kg und das in zwei von drei Jahren. Zunächst ist es die Arterhaltung, die die Nachzucht der vom Aussterben bedrohten Baumart Speierling fordert. Daneben sind aber auch das wertvolle Holz und vor allem die Fruchterzeugung Gründe, die Nachzucht und Pflege des Speierlings rechtfertigen. Im Herbst, zur Zeit der Frucht-bildung und der Laubfärbung, ist er einer der schönsten deutschen Bäume. |
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| Impressum | |
| Herausgeber: | Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Bundesverband e.V. (SDW) Meckenheimer Allee 79, 53115 Bonn Telefon: 0228-9459830, Fax: 0228-9459833, Email: info@sdw.de, Internet: www.sdw.de |
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| Text und Bilder: | Prof. Dr. Wedig Kausch-Blecken v. Schmeling, Fachhochschule Südniedersachsen, Fachbereich Forstwirtschaft und Umweltmanagement, Göttingen | Verbreitungskarten: | aus KAUSCH, DER SPEIERLING, Eigenverlag Göttingen |
| Gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz | |
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