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Die Ulme Baumfaltblatt Nr. 4

Feldulme
Feldulme
Früchte der Ulme
Früchte der Ulme
Ulmenblüte
Ulmenblüte

Der Name "Ulme" kommt von der lateinischen Bezeichnung Ulmus und ist in dieser oder ähnlicher Form in vielen Sprachen vertreten. Die althochdeutsche Bezeichnung Rüster wird heute noch gleichzeitig für die drei Arten der Gattung Ulmus benutzt, die bei uns in Deutschland vorkommen. Überwiegend wird der Name Rüster jedoch im Bereich der Holzverarbeitung verwendet.
Ulmen waren schon in der Eichenmischwald-Zeit (etwa 5500 bis 2500 v. Chr.) weit verbreitet. Die Ulmen sind aufgrund ihrer spärlichen Naturverjüngung und durch die Konkurrenz der begleitenden Baumarten ausgeprägte Mischbaumarten, die sich meist einzeln oder gruppenweise in Laub- oder Laub-Nadelholz-Mischbeständen befinden. Sie traten aber nie selbst bestandesbildend auf. Die bei uns heimischen Ulmen sind die Feldulme (Ulmus carpinifolia Gled.), die Bergulme (Ulmus scabra Mill.) und die Flatterulme (Ulmus laevis Pali.). Ihre wichtigsten Unterschiedsmerkmale sind in Tabelle 1 gegenübergestellt.
Der forstliche Anbau der Ulme ist wegen des seit 1918 sich ausbreitenden Ulmensterbens weitgehend eingestellt worden. Dieses Ulmensterben hat seine Ursache in der Infizierung mit einem Blaufäulepilz, der durch zwei Ulmensplintkäferarten verbreitet wird. Die Käfer übertragen Pilzsporen durch die Aufnahme in den Darmtrakt, die in die Leitungsbahnen des Baumes ein- wachsen, diese verstopfen und so erst Äste, dann den ganzen Baum zum Absterben bringen. Die chronisch schleichende Krankheit äußert sich durch welke Blätter, dünne Belaubung und vorzeitig einsetzenden Blattfall. Junge Bäume sterben dann in der Regel sehr schnell ab; ältere Bäume hingegen erst nach Jahren. Baumschulen und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern haben sich in den vergangenen Jahren bemüht, resistente Ulmen durch Kreuzung zu entwickeln. Weitere intensive Züchtungsarbeit ist jedoch erforderlich.
Die Gattung Ulmus ist mit weiteren 13 Arten in Europa, Nordamerika und Asien verbreitet. Die Familie der Ulmengewächse ist mit 120 Arten in aller Welt präsent.
Ulmen blühen im zeitigen Frühjahr. Schon im März sieht man die kugelig gehäuften Blüten mit den rotvioletten Staubbeuteln vor Laubausbruch in kleinen Büscheln, die nur von kleinen Niederblättern umgeben sind. Ulmen sind Windbestäuber und die kleinen Samennüsschen, die z. B. bei der Bergulme mitten in einem Blattflügel sitzen, werden vom Wind verbreitet.
Die Blätter sind verkehrt eiförmig lang zugespitzt, bei der Bergulme meist dreizipfelig, am Rande gesägt und rauh an der Oberseite, unterseits oft flaumig behaart. Als typisches Kennzeichen gilt der ungleiche Blattgrund am Stiel. Das Rindenbild und die Baumhöhe der Ulmen sind unterschiedlich. Wird die Bergulme mit langer glatter, später längsrissiger Rinde an einem schlanken Stamm etwa bis 30 m hoch, zeigt die Feldulme eichenähnliche Rinde an einem kräftigen Stamm, der 40 m erreichen kann. Die Flatterulme dagegen hat eine längsrissige, flachgeschuppte Rinde an einem oft mäßig schlanken Stamm, der bis zu 30 bis 35 m hoch wird.


Vorkommen

Fraßbild des Ulmensplintkäfers
Fraßbild des Ulmensplintkäfers

Durch Ulmensplintkäfer geschädigte Ulme

Die Bergulme ist am weitesten nach Norden vorgedrungen. Sie erreicht ihre Verbreitungsgrenze etwa auf der Linie Schottland, nördliches Skandinavien, Südfinnland und russischer Ostseeraum bis Nowgorod. Südlich davon besiedelt sie fast alle Gebirge zwischen 700 m und 1400 m über NN.
In Mitteleuropa finden wir sie auch in den Laub- und Mischwäldern des Tieflandes und des Hügellandes. Ihr optimaler Wuchsbereich sind Schluchtwälder etwa zwischen 500 m und 700 m Höhe.
Die Feldulme wächst im wesentlichen in Mittel und Südeuropa. Laubwälder der Ebenen und Flusstäler bevorzugt sie, ihr Vorkommen reicht aber auch bis in das Hügelland. Ihr Areal endet im Norden mit Dänemark , im Osten etwa in Polen, im Süden mit der Nordküste Afrikas. Im vertikalen Bereich findet man sie nur selten über 600 m NN. Besonders gut gedeiht sie in den Flusslandschaften der Elbe und der Donau.
Die Flatterulme ist in ganz Mitteleuropa zuhause. Kanal und Ostsee überschreitet sie nicht. Sie wächst im Baltikum, in Südrussland und vereinzelt auch auf der nördlichen Balkaninsel. Im Gebirge ist sie nicht über 600 m Höhe anzutreffen.
Das Verbreitungsgebiet der heimischen Ulmen zeigt, dass sie vor allem an die Wärme besondere Ansprüche stellen. Im übrigen verhalten sie sich sehr differenziert.


Ulmenaustrieb
Ulmenaustrieb
Blattansätze der Ulme
Blattansätze der Ulme
Abgestorbene Ulme
Abgestorbene Ulme
Ulmenstamm mit Auge
Ulmenstamm mit Auge
Stockausschläge
Stockausschläge
Ulmenholz/Rüster
Ulmenholz/Rüster

Ökologie

Die Feldulme gilt als Halbschattenbaumart, zumindest als mäßig lichtbedürftig. Sie verlangt aber gute Böden, die mineralkräftig, locker und frisch sein sollen. Gut durchlüftet und nährstoffreich müssen sie sein, wenn die Feldulme gut wachsen soll. Im Auewald wächst sie am besten auf tiefgründigen, gut durchsickerten Lehmböden. Frische kalkhaltige und flachgründige humose Kalk- und Mergelböden nimmt sie ebenfalls an. Nicht seIten finden wir sie als Pionierbaumart auf Magerrasen. In Eichenmischwäldern, in bestimmten Buchenwaldgesellschaften, im Eichen-Elsbeerwald und im Hainbuchen-Traubeneichenwald kommt sie vor. Außerhalb des Waldes wurde sie gern als Park- und Alleebaum angepflanzt.
Die Bergulme verlangt kräftige, feuchte Böden. Sie geht sowohl auf frische, feuchte Standorte wie auf trockene Lagen. Nährstoffreich sollten diese Böden aber schon sein. Humose frischere, gut durchsickerte, lehmige oder kalkhaltige Böden der Schluchtwaldgesellschaften, die mäßig schattig sein können, nimmt sie gern an. In Auewäldern bevorzugt sie tiefgründigen Lehm. Dem Eschen-Ahorn-Schluchtwald ist sie meistens beigemischt. Ebenso auf den Unterhängen des Bergmischwaldes ist sie vertreten. Die Flatterulme ist licht- und wärmebedürftig. Hinsichtlich Standortansprüchen ist sie nicht wählerisch. Leichte, sandreiche, auch moorige Böden nimmt sie an. Tiefgründige, kalkhaltige, grundwasserarme Böden lehnt sie nicht ab, kommt aber auch noch in den etwas trockeneren Südhanglagen des Hügellandes vor. In der Ebene sieht man sie gemeinsam mit den beiden anderen Ulmenarten.


Gefahren

Ulmen ertragen Spätfrost, empfindlich reagieren aber ihre teilweise an der Oberfläche verlaufenden Wurzeln des an sich kräftigen, tiefgehenden Wurzelsystems. Dagegen sind sie dürreempfindlich. Vom Sturm fallen nur wurzel- oder stammhohle Bäume; gesunde Ulmen widerstehen Stürmen. Jungpflanzen leiden unter Wildverbiss, auch Weidetiere können Pflanzungen vollständig zerstören. Wie alle Baumarten sind auch die Ulmen von Waldschäden durch Immissionen stark betroffen. Die schwersten Schäden an der Ulme gehen jedoch von dem eingangs genannten Pilz und dem Splintkäfer aus, die ganze Landstriche dauerhaft ulmenfrei machen können.


Wuchsleistung

Ulmen sind in der Jugend raschwüchsig und können sich bis auf die Bergulme zusätzlich durch Wurzelbrut vermehren. Das heißt, dass auch aus den an oder dicht unter der Oberfläche verlaufenden Wurzeln Triebe ausschlagen können. Wird die Ulme gefällt, ist sie, wie einige andere Laubbäume auch, in der Lage Stockausschläge zu bilden. Aus dem Wurzelstock schlagen neue Triebe aus.
Ihr Höhenwuchs ist meist mit 50 Jahren abgeschlossen, doch ihr Dickenwachstum geht weiter und kann zu ungewöhnlichen Stammumfängen führen. Dabei erreichen Feld- und Bergulme Alter von durchschnittlich 400 Jahren. Das natürliche Alter der Flatterulme ist meist mit etwa 250 Jahren beendet. Dies schließt nicht aus, dass Einzelbäume wesentlich älter werden können.
Die Literatur nennt beispielsweise die "Schinsheimer Effe", eine Feldulme vor dem Schinsheimer Rathaus in Rheinhessen, deren Alter 1893 mit über 500 Jahre, von anderen Autoren 1937 mit "angeblich über 1000 Jahre" angegeben wird. Sie gilt damit als älteste Ulme Deutsch- lands. Johnson nennt eine lebende 400jährige Feldulme in Saling (England).


Holz

Treppe aus Ulmenholz
Treppe aus Ulmenholz

Ulmen wurden in der Vergangenheit weniger wegen ihrer natürlichen Vorkommen, zur Erhaltung der Artenvielfalt oder der Gestaltung von Parks und Gärten gepflegt und vermehrt, sondern in erster Linie wegen ihres Holzes.
Alte Verwendungen waren: Furniere, Möbel, Räder, Felgen, Speichen, Wagengestelle, Gewehrschäfte und Kanonenlafetten, Täfelungen, Decken, Intarsien, Drechslerwaren, Schnitzerholz, Parkett, Radiogehäuse, Ambossklötze, Holzpflaster, Wasserräder. Der Bast wurde als Flechtmaterial verwendet (Flatterulme).
Heute sind nur wenige Verwendungen geblieben, vor allem, weil Ulmenholz mangels Masse nur in geringem Umfang angeboten wird. Geblieben sind Holz für wertvolle Furniere und Möbel, Modellholz, Stiele, Schnitzwaren und Stammscheiben für Tische in Garten oder Haus. Ulmenholz ist nicht witterungsfest; hat sich aber im Wasser und im Erdboden als sehr dauerhaft bewiesen und wird deshalb gerne für Brückenbauten gebraucht.
Häufiger werden Ulmen als Varietäten oder Kultivare im Landschaftsbau eingesetzt: Als Be- pflanzung von Alleen, in Gärten oder Kurparks, an Autobahnen und zur Renaturierung.


Kulturgeschichte

Die Ulme als Aleebaum
Die Ulme als Aleebaum
Im alten Griechenland waren die Ulmen dem Götterboten Hermes geweiht, der Beschützer der Kaufleute und der Diebe war. Die geflügelten Früchte sollten die Seelen begleiten, die von Hermes vor den Weltenrichter geführt wurden.
Die Nymphen pflanzten zum Gedenken an die gefallenen Helden Ulmen. In Südfrankreich war die Bedeutung der Ulme für die Menschen vergleichbar mit der Stellung der Linde in früheren Zeiten bei uns. Sie war der Mittelpunkt im Dorf. Unter ihr wurde Recht gesprochen und Gottesdienste abgehalten.
Durch weitere intensive Züchtungsarbeit muss ermöglicht werden, dass die Ulme überleben kann und in Zukunft wieder an Bedeutung gewinnt.


Verbreitungskarte
Bergulme
Bergulme
Feldulme
Feldulme
Flatterulme
Flatterulme

Tabelle 1
Gegenüberstellung der wichtigsten Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmale der Ulmen
  Feldulme Bergulme Flatterulme
Knospen im Winter Spitz, eiförmig, am Zweig anliegend Dick am Zweig anliegend Spitz, eiförmig, vom Zweig abstehend
Blütezeit März/April Ende März / Anfang April März bis Mai
Frucht Kahl, verkehrt eiförmig bis herzförmig, breit geflügelt Oval, mit Nüsschen in der Mitte des Flügels Langgestielt hängend, Fruchtflügel gewimpert
Reife der Früchte Mai/Juni Mai/Juni Mai/Juni
Blatt 8-16 cm lang, kruz zugespitzt, oben glatt, nie dreizipfelig 8-10 cm lang, auf 5 mm behaartem Stiel, doppelt bis einfach gesägt, häufig dreizipfelig, rauh, behaart 8-10 cm lang, Stiel kürzer, nicht dreizipfelig, glatt, Zähne nach vorn gekrümmt
Rinde Eichenähnlich grob Glatt, später längsrissig Längsrissig, flachschuppig

Impressum
Herausgeber: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Bundesverband e.V. (SDW)
Meckenheimer Allee 79.53115 Bonn
Telefon: 0228-9459830, Fax: 0228-9459833,
Email: info@sdw.de, Internet: www.sdw.de
Spendenkonto: Sparkasse Bonn, Ktn. 31017775, BLZ 37050198
Text: Forstdirektor Chistian Griesche
Bilder: Griesche, AG Holz e.V., Archiv
Verbreitungskarte: Prof. Dr. W. Spethmann, Uni Hannover, Institut für Obstbau und Baumschule
Gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz