ÜBER UNS POSITIONEN MITWIRKUNG PROJEKTE WALDPÄDAGOGIK BEDROHTER WALD WALDWISSEN SHOP

Waldkindergärten

Waldkindergärten sind die innovativsten Bildungseinrichtungen im Vorschulalter. Kinder ab drei Jahre erhalten die Möglichkeit, ihren Tag im Wald zu verbringen und sich ihre Spielsachen aus dem Wald zu suchen.
Die Persönlichkeit eines Menschen erhält ihr Fundament in der Kindheit. Durch den ständigen Aufenthalt in der Natur erleben und erfahren die Kinder die Umwelt in einer Intensität, die sie ein Leben lang prägt. Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für die Kinder. Die Waldkinder sind weder in geistiger noch in körperlicher Hinsicht den Regelkindergärten unterlegen. Im Gegenteil:
Vor allem in sozialer und körperlicher Hinsicht sind sie den anderen „Stubenkindern“ überlegen. Im Folgenden geben wir Ihnen Einblicke in das tägliche Leben der Kinder, aber auch Hilfestellungen in der Organisation.


1. Allgemeine Informationen

Seit ca. 15 Jahren ergänzen die Waldkindergärten die umweltpädagogisch-orientierten Bildungseinrichtungen in Deutschland. Sie sind die innovativste Form in diesem Bereich und ermöglichen es bereits im Kindergartenalter, den Kindern den Zugang zum Wald und zur Natur zu verschaffen.
Waldkindergärten sind zunächst ganz normale Kindergärten, in denen die Kinder spielen, lernen, basteln, toben und singen.
Der Unterschied zum Regelkindergarten besteht darin, dass der Waldkindergarten bei Sonne, Wind und Wetter draußen im Freien stattfindet. Lediglich bei extremer Witterung wird ein Schutzraum aufgesucht.
Der Wald bietet aufgrund seiner Struktur, vom Baumwipfel über gefallene Stämme, Steine, Felsen bis zu Kuhlen, Höhlen und Rinnen und der Vielzahl seiner Materialien wie Moos, Steine, Stöcke, Samen, Blätter ein schier unerschöpfliches Reservoir von Möglichkeiten zum Spielen, Entdecken und Lernen.
Nach dem Motto "Nur, was man kennt, liebt und schützt man", unterstützt die SDW diese Idee mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.
Die Wurzeln der Waldkindergärten reichen weit zurück. Bereits vor 30 Jahren wurden die ersten Waldkindergärten in Dänemark gegründet, wo sie mittlerweile zum pädagogischen Alltag gehören.
Von diesem Konzept angeregt, entstand 1993 der erste anerkannte deutsche Waldkindergarten in Flensburg. Das große Interesse der Medien half, die Idee schnell zu verbreiten.

Inzwischen gibt es bundesweit ca. 700 Waldkindergärten. Hier verbringen die Kinder den ganzen Vormittag im Wald. Neben dem Wald werden auch andere Naturräume genutzt, so dass es heute zusätzlich sogenannte Natur- und Strandkindergärten gibt.

Die aktuellen Adressen können Sie beim Bundesverband Natur- und Waldkindergärten in Deutschland (BvNW) abrufen unter: www.bundesverband-waldkinder.de


2. Pädagogische Grundidee

Die Persönlichkeit des Menschen erhält ihr Fundament in der Kindheit. Natur- und Waldkindergärten stärken und stabilisieren in besonderer Weise die kindliche Entwicklung.
Durch den ständigen Aufenthalt in der Natur erleben und erfahren die Kinder die wechselseitige Abhängigkeit von ihr. Noch im Erwachsenenalter werden diese Kinder durch die Erfahrungen, die sie gemacht haben, geprägt sein. Sie werden die Natur lieben, achten und schützen.
Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für die Kinder. Die Waldkindergärten fördern in besonderer Weise die Bewegung und die körperlichen Aktivitäten der Kinder. Auch Kinder mit motorischen Auffälligkeiten können im Wald ihre Defizite besonders gut ausgleichen.

Die primäre pädagogische Kraft ist die Natur selbst. Durch unbegrenzten Raum, Stille und Zeit (äußerer Rahmen) werden Kinder in der Entwicklung ihrer emotionalen Stabilität, ihrer Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit angemessen unterstützt.
In direktem und dauerndem Kontakt zur Natur üben Kinder Umsichtigkeit und Rücksicht mit ihr, es werden Gefühle von Vertrautheit in Bezug auf Pflanzen, Tiere, Erde und Wasser entwickelt, um sich schließlich in der Natur zuhause zu fühlen.

Die Kinder sollen durch die Möglichkeit, vielfältige eigene Erfahrungen zu machen, Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln, aber auch ihre persönlichen Grenzen erleben.
Das Fehlen fertigen Spielzeugs regt die Phantasie und Kreativität an. Die Natur bietet reichhaltige Möglichkeiten an Spielmaterialien und Spielzeug. Die Kinder konsumieren nicht, sondern haben die Möglichkeit, selber kreativ zu sein, sich ständig auf neue Situationen einzustellen und dafür Lösungen zu finden (nach Monika Hepp-Hoppentaler).

Schließlich bieten Waldkindergärten ein Gegengewicht zum stetig mehr und mehr eingeengten Spiel- und Lebensraum. Sie steuern der zunehmenden Entfremdung von der Natur entgegen und bieten durch die direkte Begegnung mit der Natur eine Alternative zu den "Erlebnissen" über Fernsehen, Video und Computer.
Bisher gibt es kein allgemeingültiges pädagogisches Konzept für die Waldkindergärten. Die verschiedenen pädagogischen Ansätze entsprechen ungefähr der Zahl der Kindergärten. Während einige die Bedeutung der Naturerfahrung in den Vordergrund rücken, ist für andere die Natur ein besonders geeigneter Raum zur Entfaltung der Persönlichkeit und Förderung des Sozialverhaltens. Andere werten die Chancen zur motorischen Schulung besonders hoch.


3. Ein Tag im Waldkindergarten

Am Morgen werden die Kinder an ihrem Treffpunkt, je nach den örtlichen Gegebenheiten bei einer festen Einrichtung oder direkt im Wald, in Empfang genommen.
Dort beginnt der Tag mit einem gemeinsamen Morgenkreis. Anschließend auf dem Weg zum Frühstücksplatz haben sie bereits Gelegenheit zum Stöbern und Entdecken.

Nach dem Frühstück bestehen für die Kinder und ErzieherInnen verschiedene Möglichkeiten den Vormittag zu verbringen. Es gibt Angebote wie Basteln mit Naturmaterialien, das Vorlesen einer Geschichte oder es ist Zeit zum Freispiel. Eine Bude wird gebaut, Verkäufer und Zoodirektorin gespielt oder das Innenleben eines morschen Baumstumpfes erforscht.

Am Ende des Vormittages machen sich die Kinder auf den Rückweg und verabschieden sich in der Abschlussrunde z.B. mit einem Lied vom Wald.
Am Treffpunkt werden dann die Kinder wieder abgeholt.

Nur extreme Wetterverhältnisse bringen diesen Zeitplan durcheinander, ansonsten wird durch angepasste Kleidung den äußeren Einflüssen widerstanden.


4. Gründung eines Waldkindergartens - allgemeine Informationen 

Die meisten Waldkindergärten in Deutschland sind durch Elterninitiativen entstanden, die einen Trägerverein gründeten. Inzwischen übernehmen auch Kommunen und Vereine Trägerschaften.
Bundesweit existieren keine einheitlichen Bestimmungen zur Gründung von Waldkindergärten. Für die Erteilung einer Betriebserlaubnis sind die Landesjugendämter zuständig, die über die Richtlinien des jeweiligen Bundeslandes Auskunft geben können.

Darin gibt es Auflagen des Gesundheitsschutzes bezüglich Hygiene, der Unfallvorsorge und der Einrichtung einer Schutzhütte. Im Vergleich zu den normalen Kindergärten ist die maximale Gruppengröße oft auf 15 bis 20 Kinder beschränkt, während die benötigte Anzahl und Qualifikation der Betreuungskräfte variiert.
Bei der Auswahl eines geeigneten Waldstückes sind die Umweltbehörde sowie die Forstämter bzw. Waldbesitzer behilflich, die eine Nutzungserlaubnis erteilen müssen.

Nach der offiziellen Anerkennung kann ein Waldkindergarten in gleichem Maße wie Regeleinrichtungen finanziell bezuschusst werden. Die laufenden Kosten sind im Vergleich oft geringer, da keine Gelder für das Gebäude, Spielzeug oder die Einrichtung aufgewendet werden müssen.


5. Wie gründe ich einen Waldkindergarten? - Praxis

Mit der Gründung eines Waldkindergartens übernehmen Sie einen erheblichen Teil sozialer Verantwortung in ihrer Gemeinde. Bei aller berechtigter Begeisterung in der Gründungsphase sollten Sie jedoch nicht vergessen, dass bereits nach kurzer Zeit der Waldkindergarten etabliert sein wird und für Eltern sowie die Gemeinde eine Selbstverständlichkeit darstellt. Der relativ schnelle „Umsatz“ von Kindern und damit Eltern führt jedoch dazu, dass die „Neuen“ sich zunehmend weniger mit dem Verein identifizieren, ihn als normale Regeleinrichtung ansehen und sich daher auch nicht mehr so wie die „erste Generation“ mit Engagement und Elan einbringen. Es ist daher unbedingt notwendig, dass die Gründung eines Waldkindergartens besonders solide und langfristig ausgerichtet ist, um der in ihn gesetzten Erwartung auf lange Zeit gerecht zu werden.

Vorarbeiten
In der ersten Phase der Gründung eines Waldkindergartens ist Information zunächst der wichtigste Faktor.
• Es bietet sich an, zunächst formlos eine Elterninitiative aus einem Kreis verlässlicher engagierter Eltern zu gründen. Wie bei jeder Vereinsgründung wird eine Menge - wenngleich spannender und interessanter - Arbeit auf Sie zukommen. Eine Arbeitsteilung ist dabei hilfreich.
• Informieren Sie sich bei bestehenden Waldkindergärten über deren tägliche Arbeit und hospitieren Sie dort einige Vormittage. So sehen Sie, wie ein Waldkindergarten im täglichen Betrieb funktioniert und haben Gelegenheit, ganz praktische Fragen, die sich aus dem täglichen Geschehen ergeben, beantwortet zu bekommen.
• Organisieren Sie für den Kreis der interessierten Eltern und Kinder Waldvormittage, bei denen Sie Waldspaziergänge und kleinere Aktivitäten durchführen. So bekommen Sie selber einen ersten Eindruck, welche Vorstellungen bei Ihnen und den Kindern bestehen.
• Prüfen Sie das bestehende Angebot an Kindergartenplätzen in der Gemeinde: Wieviele Plätze gibt es, wie ist die Auslastung, wie ist die Prognose über die Entwicklung der Kinderzahlen mit Anspruch auf einen Kindergartenplatz? Die entsprechenden Daten erhalten Sie bei der Gemeinde. Sie sind wichtig, um abschätzen zu können, ob und in welchem Umfang die Gemeinde bereit sein wird, Ihr Vorhaben zu unterstützen.
• Überlegen Sie, wo es zweckmäßig ist, den Waldkindergarten einzurichten: welches Waldstück ist gut erreichbar (vielleicht auch mit dem Schulbus), ist die Waldstruktur geeignet, gibt es besondere Gefahrenquellen, ist ein Schutzraum in der Nähe, wie sind die Eigentumsverhältnisse?
• Am einfachsten ist die Nutzung von öffentlichem also Staats- oder Kommunalwald. Private Waldbesitzer sind vor allem aufgrund der Haftungsfragen eher zurückhaltend. Die Staatsforstverwaltungen sehen dagegen in den Waldkindergärten häufig einen guten Beitrag zu ihrer Öffentlichkeitsarbeit und werden Ihre Arbeit eher unterstützen. Suchen Sie den Kontakt zum zuständigen Revierleiter und besprechen die Angelegenheit mit ihm; gegebenenfalls wenden Sie sich an das zuständige Forstamt.
• Prüfen Sie die Möglichkeiten der Finanzierung Ihres Kindergartenbetriebs: sind Zuschüsse von der Gemeinde zu erwarten, wie ist die gesetzliche Regelung über Landeszuschüsse, ist mit Spenden zu rechnen, wie hoch müssen die Kindergartenbeiträge sein, sind Einnahmen über Feste, Bazare etc. denkbar?
• Die Finanzierung ist leider die entscheidende Frage. Die wichtigste Ausgabeposition sind dabei die Personalkosten für die Erzieherinnen. Bei allem anfänglichen Engagement, zeigt die Erfahrung, dass man auf regulär angestellte Fachkräfte nicht verzichten kann.
Informationsabende
Laden Sie über die Zeitung oder das Amtsblatt öffentlich zu Informationsabenden ein. Die bis dato gesammelte Information wird sich dabei als sehr hilfreich erweisen. Zudem ist anzuraten, Referenten aus bestehenden Waldkindergärten einzuladen. Der Prophet gilt nun mal nichts im eigenen Lande. Zudem können die externen Referenten aus der positiven Erfahrung eines funktionierenden Waldkindergartens berichten und bei kniffligen Fragen hilfreich zur Seite stehen.
Ziel der Informationsabende sollte es sein, möglichst viele ernst zunehmende Interessenten zu gewinnen, die ihre Kinder auch im Waldkindergarten anmelden wollen. Je mehr Kinder Sie haben, um so leichter die Argumentation vor allem gegenüber der Gemeinde.

Satzung
Im Vorfeld der Vereinsgründung muss eine Satzung erstellt werden. Es empfiehlt sich, entsprechende Mustersatzungen für den eigenen Zweck umzuschreiben, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen und Nachbesserungen zu vermeiden. Die Anschaffung eines Buches über die Vereinsgründung ist dabei hilfreich. Zum Teil sind entsprechende Informationsbroschüren über die Finanzministerien bzw. die Finanzämter erhältlich.

Vereinsgründung
Für die Gründung eines Vereins benötigen Sie zumindest sieben Gründungsmitglieder und eine Satzung. In der Gründungsversammlung wird die Satzung verlesen und gegebenenfalls gewünschte Änderungen eingearbeitet. Anschließend ist das Gründungsprotokoll von den Gründungsmitgliedern zu unterschreiben. Als weiterer Schritt sind die Vorstandsmitglieder und der/die Kassenprüfer zu wählen.
Die Satzung mit dem Gründungsprotokoll werden beim zuständigen Amtsgericht zur Eintragung in das Vereinsregister eingereicht.
Zugleich sollte beim zuständigen Finanzamt der Antrag auf Gemeinnützigkeit gestellt werden. Diese Anerkennung ist für die Entgegennahme von Spenden und eine entsprechende steuerliche Behandlung notwendig.

Betriebserlaubnis
Der Waldkindergarten darf erst dann als offizieller, den Regelkindergärten gleichgestellter Kindergarten seinen Betrieb aufnehmen, wenn er vom Landesjugendamt eine entsprechende Betriebserlaubnis erhält. Dazu sind verschiedene Antragsformulare auszufüllen, was sich bei einem Waldkindergarten jedoch sehr einfach gestaltet, da Angaben zu Raumgrößen, sanitären Einrichtungen etc. naturgemäß entfallen. In jedem Fall ist eine Kindergartenordnung beizufügen, für deren Erstellung die Kindergartenordnung der Regelkindergärten als Vorlage dienen kann.

Anerkennung als Träger freier Jugendhilfe
Die Zuschüsse an den Waldkindergarten aus Landesmitteln sind an die Anerkennung der Einrichtung als „Träger freier Jugendhilfe“ geknüpft. Ein entsprechender Antrag ist an das Kreisjugendamt zu richten.

Finanzierung
Die Finanzierung von Waldkindergärten setzt sich in der Regel aus drei Quellen zusammen:
• Kindergartenbeiträge
• Förderung durch die Gemeinde
• Förderung durch das Land
Weitere Einnahmequellen wie Spenden, Mitgliedsbeiträge, Einnahmen aus Festen etc. spielen eine eher untergeordnete Rolle.

Die Förderung durch das Land ist gesetzlich geregelt. Dagegen ist die Unterstützung durch die Gemeinde Verhandlungssache und damit im Wesentlichen eine reine Kosten-Nutzenabwägung. Wie bereits unter der Überschrift „Vorarbeiten“ ausgeführt, ist es daher dringend geboten, vor der Aufnahme des Betriebes die Möglichkeiten der Finanzierung sorgsam zu prüfen.

Verträge
Verträge dienen der Rechtssicherheit beider Vertragspartner. Es ist daher anzuraten, wichtige Absprachen wie z.B. die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde, vertraglich zu fixieren, mit den Erzieherinnen Arbeitsverträge zu schließen und die Benutzung des Waldgrundstücks schriftlich zu vereinbaren. Damit sind beiderseits verbindliche und verlässliche Grundlagen gegeben, die das Arbeiten erheblich erleichtern und einem manche Sorge abnehmen.

Versicherungen
Durch die staatliche Anerkennung des Waldkindergartens ist für die Kinder und die Erzieherinnen der wesentliche Rechtsschutz gegeben. So sind die Kinder analog den Kindern in den Regelkindergärten durch den Gemeindeunfallversicherungsverband im Kindergarten aber auch auf dem Weg zum und vom Kindergarten gegen Unfälle versichert.
Für die Erzieherinnen besteht über die Berufsgenossenschaft ein automatischer Versicherungsschutz für Berufsunfälle.
Für die Vereinsmitglieder besteht grundsätzlich kein Versicherungsschutz. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich und damit auf eigene Gefahr. Es ist allerdings möglich, eine Vereinshaftpflicht- sowie eine Vereinsunfallversicherung abzuschließen, die für Schäden, die Vereinsmitglieder bei der ehrenamtlichen Tätigkeit Dritten zufügen, aufkommt bzw. die bei Unfällen, die Mitglieder entschädigt.

Die SDW bietet zahlreiche Schriften zum Thema Wald.
Schauen Sie doch mal in unseren Shop.