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Was leistet der Wald für uns?

Der Wald spielte für die Menschen schon immer eine wichtige Rolle. Er ist tief in der Kultur unseres Landes verwurzelt. Die Worte Baum und Wald sind in vielen Redensarten, Sprichwörtern, Orts- und Familiennamen enthalten. In Dichtung, Märchen, Literatur und Malerei sind die Bäume und Wälder nicht wegzudenken.

Neben der seit Jahrhunderten erfolgten Nutzung des Waldes stellen der Wald und die Forstbetriebe der Gesellschaft eine Reihe weiterer Produkte und Leistungen – überwiegend unentgeltlich - zur Verfügung. Dazu zählen:

• Erholung: Bereitstellung eines vielfältigen Erholungsraumes
• Naturschutz: Bereitstellung eines Lebensraumes für viele (auch seltene) Tier- und Pflanzenarten
• Bodenschutz: z.B. Erosions- und Lawinenschutz
• Klimaschutz: Positive Auswirkungen auf Global-, Regional- und Lokalklima; Wirkung als Lärmfilter, Staubfilter, Schadstoffsenke, CO2-Senke
• Trinkwasser: Förderung einer hohen Trinkwasserqualität;
• Hochwasserschutz: Schutz vor Überschwemmungen, insbesondere vor Hochwasserentstehung;
• Kulturgüter: Schutz von Kulturdenkmälern und traditionellen Wirtschaftsformen (z.B. Schutz von Hügelgräbern, Bewahrung von Waldstandorten mit der Wirtschaftsform des Niederwaldes);
• Sonstige: Bereitstellung von Nicht-Holzprodukten (z.B. Schmuckreisig, Wildbret)

 

1. Nutzungsfunktion:

Holz ist einer der wenigen nachwachsenden Rohstoffe, der in nennenswertem Umfang bei uns wachsen kann. Holz ist der Rohstoff für die Holz- und Papierwirtschaft und damit die Grundlage für die Einkommen der Waldbesitzer. Der gesamte Wirtschaftssektor in Deutschland, der auf dem Rohstoff Holz aufbaut, beschäftigt rund 1,2 Mio. Arbeitskräfte und erzielt einen Jahresumsatz von 170 Mrd. Euro (2013) – insbesondere im ländlichen Raum. Der Holzverkauf ist die wesentliche Einnahmequelle der Forstwirtschaft, durch die auch Maßnahmen für die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes finanziert werden.

 


2. Schutzfunktion:

Je nach Standort (Flüsse, Gebirge) übernehmen Wälder Schutzfunktionen, die für Mensch und Umwelt von großer Bedeutung sind. Gesunde Wälder sichern die Täler vor Lawinen, Muren und Hochwasser. Für viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ist der Wald der Lebensraum, der ihnen Nahrung, Wohnung und Schutz bietet.

2.1 Wasserschutz

Zu den bedeutendsten Wohlfahrtswirkungen des Waldes gehört seine Fähigkeit, Wasser zu speichern und zu reinigen. Niederschläge fließen im Wald nicht einfach als Oberflächenwasser ab und führen zu Bodenabtrag, sondern sickern fast vollständig in den Boden ein. Mit Hilfe des Humus, durchsetzt von Wurzelkanälen und Tiergängen, kann der Waldboden auch große Wassermengen wie z.B. nach Dauerregen und Schmelzwassern aufnehmen und vor Hochwasser schützen. Diese können lange gespeichert werden, so dass auch Flüsse und Bäche während längerer Trockenperioden ausreichend Wasser führen und Quellen und Grundwasser gespeist werden können.
Gleichzeitig geht vom Wald eine starke biologische Filterwirkung aus. Er reinigt das Sickerwasser auf dem Weg zu den Bächen. Im Wald versickertes und durch den Boden gefiltertes Wasser ist sauerstoffreich, sauber und als Trinkwasser hervorragend geeignet.
Die Trink- bzw. Grundwasseranreicherung ist unter Laubwäldern höher als unter Nadelwäldern. Durch die stärkere Verdunstung bei Fichtenmonokulturen im Kronen- und Bodenbereich versickern bei einem jährlichen Niederschlag von 920mm nur 33% des Regenwassers im Boden. 34% verdunsten und 33% verbrauchen die Baum- und Krautschicht.
Bei einem Buchenbestand ist die Grundwasserneubildung sehr viel höher. Bei ebenfalls 920 mm Jahresniederschlag fließen 47% ins Grundwasser ab, nur 18% verdunsten und 35% verbrauchen die Baum- und Krautschicht. Buchenwälder sind somit “Trinkwasserwälder”. (Quelle: DFWR)

2.2 Bodenschutz

Aufgrund der Wasserhaltefähigkeit des Waldbodens bewahrt der Wald die Landschaft vor Bodenabtrag (=Erosion) durch rasch abfließendes Oberflächenwasser.
Auch die Gefahr von Bodenrutschungen kann der Wald verhindern, da das weitverzweigte Wurzelnetz der Bäume dem Boden Halt gibt.
Die Laubbaumarten tragen durch ihre intensivere Durchwurzelung mehr zum Bodenschutz bei als die Nadelbaumarten. Aber auch intakte Nadelmischwälder sorgen im Hochgebirge für den Schutz vor Muren und Lawinen.

2.3 Klimaschutz

Der Wald gleicht tägliche und jährliche Temperaturschwankungen aus, erhöht die Luftfeuchtigkeit und steigert die Taubildung. Da das Waldklima durch die geringere Sonneneinstrahlung und die höhere Luftfeuchte geprägt ist, sind die Lufttemperaturen im Sommer dort meistens niedriger als im Freien. Es können Unterschiede von 3° bis 6°C gegenüber dem Freiland und 4° bis 8°C gegenüber von Städten eintreten. Große zusammenhängende Waldflächen in der Nähe von Städten beeinflussen das Klima positiv. Die Temperaturunterschiede zwischen Wald und Stadt bewirken einen ständigen Luftaustausch. Gleichzeitig filtern Blattorgane Staub, Ruß und gasförmige Verunreinigungen aus der Luft heraus, so dass als Ergebnis kühle und gereinigte Luft in die Siedlung zurückfließt. Ferner schützt der Wald benachbarte Flächen vor schädlichen Wind- und Frosteinwirkungen.

2.4 Immissionsschutz

Der Wald filtert Stäube, Gase und radioaktive Stoffe aus der Luft. Die Filterwirkung von Wäldern ist insbesondere abhängig von der Blattoberfläche. So kann ein Hektar (10.000 qm) Fichtenwald 420 kg Schmutzpartikel ausfiltern; ein im Winter kahler Buchenwald gleicher Größe jedoch nur 240 kg Schmutzpartikel. Gase können hauptsächlich dann aufgenommen werden, wenn die Baumkronen feucht sind und sich die Gase im Regenwasser lösen können (Saurer Regen). Pro Hektar filtern unsere Wälder jährlich bis zu 50 t Ruß und Staub aus der Atmosphäre.

2.5 Sauerstoffproduktion/CO2-Verbrauch

Bäume produzieren als „Abfallstoff“ bei der Photosynthese Sauerstoff. Ein Teil wird davon nachts bei der Atmung wieder verbraucht. Die Sauerstoffproduktion und der Verbrauch von Kohlendioxid (CO2) eines Baumes ist von sehr vielen Faktoren abhängig: Alter, Klima, Länge der Vegetationszeit etc.

Einige Zahlen zum Thema Sauerstoff und CO2 verdeutlichen die Bedeutung der Bäume:

• eine 100 Jahre alte Buche produziert jedes Jahr 4.600 kg Sauerstoff. Davon kann ein Erwachsener mehr als 13 Jahre lang atmen [Quelle: Holzabsatzfonds]

• Jeder Hektar Wald bindet jährlich rund 10 t CO2 [Quelle: Bayerisches Landwirtschaftsministerium 2007]

• Für den Aufbau einer Tonne Holz sind 1.851 kg CO2 und 1.082 kg H2O nötig. Daraus entstehen neben der Tonne Holz 541 kg sauberes H2O und 1.392 kg O2. [Quelle: "Alles über Holz" 75 Fragen, 75 Antworten, von der Bayerischen Landesforstverwaltung]

• Eine 100-jährige Fichte hat der Atmosphäre bis zu 1,8 t CO2 entzogen [Quelle: Die deutsche Forstwirtschaft. Zahlen und Fakten. Herausgeber: Holzabsatzfonds]

• In der ober- und unterirdischen Biomasse in deutschen Wäldern werden 1,2 Mrd. t Kohlenstoff gespeichert. [Quelle: Inventurstudie 2008]

• Der gesamte CO2-Ausstoß Deutschlands beträgt 830 Mio. t pro Jahr. Durch das Baumwachstum werden in Deutschland 222 Mio. t im Jahr neutralisiert. [Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut]

3. Erholungsfunktion

Auch für die Erholung und Freizeit spielt der Wald in der deutschen Gesellschaft seit der Romantik eine herausgehobene Rolle. Er bietet attraktive Ausflugsziele mit ausgeglichenem Lokalklima, Ruhe und vielfältigen Waldeindrücken. Der Wald ist ein viel besuchtes Umfeld für Bewegung und Entspannung und hat eine große Bedeutung für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung.
Der gestresste Mitteleuropäer erholt sich nicht nur subjektiv durch die Ruhe und lebendige Stille des Waldes, sondern der Wald liefert auch objektiv gesehen überzeugende Daten: 99 % weniger Staubteilchen und eine durch ätherische Öle angereicherte Luft regeneriert die Lungen. Der Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung und die höhere Luftfeuchte werden ebenfalls als angenehm empfunden. Außerdem ist es im Sommer im Wald meist 2-3 °C kälter und dadurch ein toller Erholungsort gegen die Hitze.

4. Bildungsfunktion:

Der Wald bietet einen idealen Ort, um den Begriff der Nachhaltigkeit zu veranschaulichen. Seit etwa 300 Jahren konnte der Wald durch die Anwendung des Konzeptes Nachhaltigkeit (nur soviel Entnahme von Holz wie nachwächst) in seiner jetzigen Form erhalten werden. Jede Handlung im Wald hat Auswirkungen für die nachfolgenden Generationen. Auf dieser Grundlage entwickelt die SDW ihr waldpädagogisches Konzept immer weiter.