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Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner kommt an allen Eichen-Arten vor. Er bevorzugt warm-trockene Regionen, das heißt lichte Eichenwälder, Waldränder, Alleen und Einzelbäume. In Trockenjahren kann es auch zu Massenvermehrungen kommen und dann befällt er auch die jüngeren Bäume. Er ist ein nachaktiver Schmetterling. Sie haben den deutschen Namen von den oft in langen Prozessionen umher wandernden Raupen. Der Falter ist 25 bis 32 Millimeter groß und unscheinbar. Die Weibchen legen ihren Eivorrat - bis zu 300 Stück - innerhalb weniger Tage an ein- bis dreijährige Zweige, gerne an der Südseite der Bäume im obersten Kronenbereich.

Bereits im Herbst entwickeln sich die kleinen Eiräupchen und schlüpfen dann in der ersten Aprilhälfte. Ihre Entwicklung umfasst sechs Stadien. Sie sind von Anfang an stark behaart. Ab dem 3. Larvenstadium entwickeln sie die mit Widerhaken versehenen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopein und sind dann für Mensch und Tier sehr gefährlich. Am Ende des sechsten Larvenstaiums erreichen die Raupen eine Körperlänge bis zu vier Zentmeter.

Foto: Eichenprozessionsspinner, FVA, Abteilung Waldschutz

Eine Bekämpfung war früher nicht notwendig. Seit den 90 er Jahren ist jedoch eine starke Zunahme dieses früher seltenen Schmetterlings in zahlreichen Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und NRW) zu verzeichnen. Der Einsatz von Insektiziden ist sorgfältig abzuwägen und muss die Belange von Naturschutz und Wasserschutz berücksichtigen. Dabei sollte immer der Rat von Fachleuten eingeholt werden.  2013 war der Befall so flächig, dass zu biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln gegriffen werden musste.

Neben den Fraßschäden liegt die eigentliche Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners in den gesundheitlichen Auswirkungen der Raupenhaare auf den Menschen. Die Haare der Raupen führen beim Menschen zu Allergien.  

Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können während des gesamten Jahres entstehen. Für den Menschen gefährlich sind die Haare des 3. Larvenstadiums des Eichenprozessionsspinners, also im Mai und Juni. Sie halten sich auch an den Kleidern und Schuhen und lösen bei Berührungen stets neue toxische Reaktionen aus. Die (fast unsichtbaren) Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest. Sie können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen.

Die Hautreaktionen halten (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, welche nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisolpräparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika.
Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Hier wären Kortisonsprays und Sprays mit Bronchien-erweiternden Mitteln erforderlich. Selten ist eine stationäre Behandlung notwendig.
Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.

Bedeutung für den Wald
Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners auf einzeln stehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen oder entlang von Waldrändern. Der Schaden war gering, da die Eichen durch den Johannistrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen. Seit den 90er Jahren tritt der Schädling jedoch flächig in Massenvermehrung auf. Bei einmaligem Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner verhindert die Regenerationskraft der Eichen Folgeschäden. Bei mehrjährig aufeinander folgendem starken Fraß wird die Vitalität geschwächt, die Disposition der Bäume gegenüber weiteren Schädlingen wie Mehltau oder Eichenprachtkäfer erhöht sich. Die Folgen sind Zuwachsverluste, Ausfall der Eichenmast sowie häufiges Absterben.

Natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners
Der Eichenprozessionsspinner besitzt eine Vielzahl natürlicher Feinde. Einige entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Jahren der Massenvermehrung. Besonders wirksam sind Ei- und Raupenparasiten wie die Raupenfliegen aus der Familie der Tachinidae, deren Larven sich im Inneren des Wirtes entwickeln. Wichtigste räuberische Käferart ist der Puppenräuber. Seine Larven suchen ihre Beute im Raupengespinst, während der Käfer die freien Raupen attackiert. Der Kuckuck verspeist die behaarten Raupen trotz der Brennhaare. Sie zeigen bei ihm keine Wirkung, da er seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Haaren herauswürgen kann.

Aktuelle Situation
Der Eichenprozessionsspinner hat sich in den vergangenen Jahren rasant und in fast allen Bundesländern ausgebreitet. In elf Bundesländern musste er bereits 2013 bekämpft werden. Besonders betroffen waren Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt.
Bei geringem Befall reichte die mechanische Bekämpfung. Aber oft musste zum Schutz der Bevölkerung und des Baumbestandes auf Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen werden. Diese waren kurzfristig angesichts des Ausmaßes des Befalls genehmigt worden. Bevorzugt wurde das biologische Schädlingsbekämpfungsmittel "Dipel ES" mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis. 2017 wurden aus vielen Gebieten Befallstellen gemeldet, auch in städzischen Gebieten.

Wer Nester des Eichenprozessionsspinner entdeckt, meldet es umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt oder im Wald den Forstämtern.

Tipps für den Schutz:
Generell dürfen Raupen und ihre Nester nicht berührt werden. Schon bei Verdacht eines Gifthaarkontakts können folgende Maßnahmen helfen.

• Kleidung umgehend im Freien (!) wechseln, Schuhe nass reinigen
• Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen
• Sichtbare Raupenhaare mit einem Klebstreifen entfernen
• Grundliches Duschbad mit Haarreinigung und Augenspülung mit Wasser
• Betroffene Gegenstände wie das Auto waschen, saugen und feucht reinigen
• Hunde baden
• Bei Hautreaktionen sollte der Hausarzt aufgesucht werden, beim Atemnot  sofort den Rettungsdienst alarmieren.
• Tipps von ECARF (Europäische Stiftung für Allergieforschung)