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Waldschädlinge

Wald- und Forstschädlinge


Wald- oder Forstschädlinge nennt man alle Arten von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, die in Nutzwäldern das Wachstum oder die Gesundheit des Baumbestandes negativ beeinflussen. Darunter fallen Schadinsekten wie Borkenkäfer, Pilze, Mäuse und das Wild, das die Rinde der Bäume beschädigt. Der bekannteste Schädling  ist der Borkenkäfer und hier vor allem  der Fichtenborkenkäfer, der wegen des typischen Fraßbildes seiner Larven auch als "Buchdrucker" bezeichnet wird.

Neben dem Borkenkäfer gibt es noch eine große Anzahl anderer Insekten, die dann, wenn die Umstände ihrer Vermehrung förderlich sind (z.B. günstiges Wetter, das Fehlen von Feinden, Monokulturen etc.), massenweise auftreten und große Schäden im Wald anrichten können. Hierzu gehören z.B. die Raupen verschiedener Schmetterlingsarten, denen die jungen Knospen und Blätter u.a. als Nahrung dienen. Allein auf die Eiche stürzen sich fast 300 Falterarten, wie etwa der Eichenwickler, Frostspanner und Schwammspinner.

Vor allem Insekten sind es auch, die die Anzahl der Schadinsekten im Wald regulieren, indem sie sich von diesen ernähren. Vögel verhindern das massenweise Auftreten von Waldschädlingen dagegen nur in eher begrenztem Umfang.

Neben Insekten treten auch Viren, Bakterien und Mikroorganismen als Schädlinge auf.

Bei einem zu hohen Wildbestand können sich Rehe und Hirsche ebenfalls zu Waldschädlingen entwickeln, indem sie die Triebe der jungen Bäume abfressen und so eine natürliche Verjüngung des Waldes verhindern.

Die Einordnung einer Art in eine Kategorie „Schädling“ ist ökologisch nicht korrekt, wird aus Gründen der praktischen Handhabung jedoch in der Praxis häufig vorgenommen.

  1. Borkenkäfer
  2. Eichen-Prozessionsspinner
  3. Rußrindenkrankheit
  4. Maikäfer
  5. Asiatischer Laubholzbockkäfer
  6. Eichenprachtkäfer


Borkenkäfer

Der Borkenkäfer ist einer der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft. Es gibt unterschiedliche Borkenkäferarten, die unterschiedliche Baumarten befallen. Die gefährlichsten Borkenkäfer sind der Buchdrucker und der Kupferstecher, die beide die Fichte befallen. In den Medien werden diese beiden Arten nicht unterschieden – dort heißen sie nur „Borkenkäfer“.

Borkenkäferarten sind „sekundäre“ Schädlinge, d.h. sie finden nur in kränkelnden und absterbenden Bäumen günstige Entwicklungsbedingungen. Durch Windwurf, Schneebruch oder Emissionen geschwächte Nadelbäume (meist Fichten) können als Brutstätte dienen, von denen bei günstigen Witterungsverhältnissen und ausreichend Brutmaterial (z.B. nach Katastrophen wie dem Orkan „Lothar“ „oder „Kyrill“) eine Massenvermehrung (Kalamität) ausgehen kann. Die Käferpopulation steigt dann so stark an, dass auch gesunde und vitale Bäume durch den Massenangriff absterben können. Der Borkenkäfer ist somit zu einem „primären“ Schädling geworden.

Dem Forstmann stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um solche Kalamitäten zu verhindern. Die wohl wichtigste, aber auch langfristige Maßnahme ist der Umbau von Nadelholzreinbeständen in laubholzreiche Mischbestände. Kurzfristig muss in Nadelholzbeständen besonders in der Flugzeit der Borkenkäfer (April) verhindert werden, dass bruttaugliches Material zur Verfügung steht. Zu solchen Maßnahmen gehören z.B. Beregnung, rechtzeitige Abfuhr, Entrindung und Wasserlagerung des Holzes.

Eine andere Möglichkeit ist das Aufstellen von Fallen während der Flugzeit der Borkenkäfer. Als Lockstoffe dienen nicht, wie allgemein angenommen Sexuallockstoffe, sondern sog. Aggregationspheromone. Dieser Lockstoff wird vom Männchen beim Einbohren in das Holz freigesetzt und signalisiert der Population, also Männchen und Weibchen, dass der Baum besiedelt werden kann. Diese Lockstofffallen können jedoch nur gegen den Buchdrucker und Kupferstecher eingesetzt werden.

Die Käfer und dessen Larven leben verborgen in und unter der Rinde. Bei starkem, stammumfassenden Befall vernichten diese das Wachstumsgewebe (Kambium) und die Rinde der Fichten, welche dadurch unweigerlich dem Tode geweiht sind. Da die Borke daraufhin abblättert, sind solche Bäume schon von weitem an dem nun frei gewordenen hellen Holz des Stammes zu erkennen.

Erstaunlicherweise bleiben die Kronen dieser Fichten noch einige Wochen grün, bis schließlich dann die Nadeln vertrocknen. Denn Buchdrucker schädigen ausschließlich die Rinde und verschonen das für den Wassertransport verantwortliche Holz. Erst wenn die Wurzeln, wegen der innerhalb der Rinde unterbrochenen Traubenzuckerversorgung aus den Kronen, ihre Wasser- und Nährstoffaufnahmefunktion eingebüßt haben, zeigt sich der Schaden auch an den Nadeln. Der Baum stirbt ab.

Buchdrucker gehören zu der Gruppe von Insekten, die ständig zu Übervermehrungen neigen. So nutzen diese unbarmherzig trockenwarme Witterungssituationen, bei vorhandenem Brutraumangebot sehr effizient für schlagartig einsetzende Massenvermehrungen aus. Die Länge der Vegetationsperiode entscheidet darüber, ob zwei oder drei Generationen hervorgebracht werden können. 

Aktuelle Situation:

Durch den Trockenstress 2018 fiel die natürliche Abwehr der Fichten, die Harzproduktion, mehr oder weniger aus. Erschwerend kam in vielen Gebieten hinzu, dass das durch Winterstürme verfügbare bruttaugliche Holz sehr schnell von den Rindenbrütern besiedelt werden konnte. Die Forstpartie versucht seit vielen Wochen das befallene Holz aus den Wäldern zu transportieren. Da bundesweit und im benachbarten Ausland dieselben Probleme existieren, stehen nach wie vor Aufarbeitungs-, Entrindungs-, Transport- und Holzvermakrtungskapazitäten nicht im notwendigen Umfang zur Verfügung. Das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Die Experten erwarten, dass auch das nächste Jahr die Fichten mit den Borkenkäfern zu kämpfen haben. 

Seit 2015 schafft es der Borkenkäfer wegen der höheren Temperaturen, dass die Eiablage bereits im April erfolgt, die Jungkäfer sechs bis sieben Wochen später fertig sind (1.Generation), erneut Eier abgelegt werden, die 2. Generation Käfer nach sechs Wochen fertig ist und die erneuten Eier sich in sieben bis zehn Wochen bis in den November entwickeln (3.Generation). Aus einem einzigen Käferpärchen werden so über 100.000 neue Käfer. Drei Generationen bedeuten, dass aus einem befallenen Baum (1.Generation) 20 Bäume (2.Generation) und daraus 400 Bäume (3.Generation) werden. Bei Nichtauffinden und Nichthandeln an dieser Befallsstelle ist im August/September der Hektarbereich des Schadensausmaßes überschritten. 2019 ist deshalb der Käferbestand so hoch wie noch nie in der Vergangenheit. Der Zeitraum zur wirksamen Forstwirtschaft beträgt vier bis sechs Wochen. Der Ausgang der "Borkerkäferschlacht" wird bis Mitte Juni entschieden.


Buchdrucker (Ips typographus), auch Fichtenborkenkäfer genannt

Größe:                                                            4,2 - 5,5 mm

Lieblingsspeise:                                             Fichtenrinde/Bast

Vorkommen:                                                  Zentrales Europa, Skandinavien, Asien

Ausflugszeit:                                                  Von April/Mai (ab ca. 16,5 °C) bis in den Herbst

Wissenswertes:                                              Befällt nur ältere Fichten über 50 Jahre

Günstige Entwicklungsbedingungen:             Wärme (25 °C) und trockenes Wetter führen zur dreimal schnelleren Entwicklung der Puppen; im Wald verbleibendes Totholz; Monokulturen

Maßnahmen:                                                   Entfernung der befallenen Bäume aus dem Wald; Mischwälder

aktuelle Pressemitteilung


Eichen-Prozessionsspinner

Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter. Er bevorzugt warm-trockenes Klima und breitet sich aufgrund der Klimaveränderungen immer stärker in Deutschland aus. Die Brennhaare der Raupen sind für Mensch und Tier gefährlich und lösen allergische Reaktionen aus.

Verbreitung
Als Insekt des Offenlandes kommt er vor allem in warm-trockenen Regionen vor und bevorzugt Einzelbäume, Bestandsränder und lichte Eichenwälder. In Trockenjahren kann es zu Massenvermehrungen kommen und dann befällt er auch jüngere Bäume und große geschlossene Waldgebiete. 

In Deutschland sind in Folge der Massenvermehrungen mittlerweile alle Bundesländer betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Der Eichenprozessionsspinner (EPS) kommt an allen Eichenarten vor, neben der Stiel- und Traubeneiche  auch an der amerikanischen Roteiche.

Aktuelle Situation:

2020
Sie sind auch im Winter eine Gefahr. Die übriggebliebenen Raupenhaare verbreiten sich mit dem Wind. Für 2020 ist mit einer noch größeren Verbreitung des Eichenprozessionsspinners zu rechnen. Der milde Winter kommt dem Schädling entgegen.


2019
gab es größere Populationen des EPS als in den Vorjahren. Besonders starke Populationen gibt es, wenn die Frühjahrsmonate mild sind und im Spätsommer mit Falterflug und Eiablage trockenes Wetter mit wenig Wind herrscht. Das war 2018 der Fall. Auch im Frühjahr 2019 waren die Bedingungen gut: Für die Raupen kam die Wärme zum richtigen Zeitpunkt. 

Die Raupen mit den gefährlichen Haaren haben aktuell mit der Verpuppung begonnen. Die Härchen, die die allergischen Reaktionen auslösen, bleiben meist in den Nestern kleben, sind herabgefallen oder haben sich mit dem Wind verteilt. Betroffene Gebiete sollten man weiterhin meiden, bis die Kommunen in Parks und Grünanlagen die Raupennester abgesaugt haben.

Gebiete, wo Befall gemeldet wurde:
In Bayern gibt es Meldungen aus dem Landkreis Dillingen, aus Günzburg  (Jettingen –Scheppach), aus Aichach-Friedberg, der Gemeinde Westerstetten und aus Augsburg. In Niedersachsen sind betroffen Brome im Landkreis Gifthorn, die Gemeinden Wietmarschen und Gartow und  im Landkreis Lüneburg wurde ein flächendeckendes  Aufkommen der Tiere gemeldet. In Hessen gab es Meldungen aus Frankfurt, Hanau,  Gießen, Darmstadt, Wiesbaden und Fulda, teilweise mit Gegenmaßnahmen. Brandenburg meldet aus dem Landkreis Prignitz (mit Gegenmaßnahmen), in Baden-Württemberg ist der Ostalbkreis das größte Problemgebiet. In Hamburg musste im Südosten die Verkehrsbehörde einen Autobahnabschnitt sperren, damit die Schädlingsbekämpfung gegen die Raupen vorgehen konnten. Das betraf die A1 und Zubringer auf die A25 und von der A255. 2019 war ein extremes Jahr für die Kommunen in NRW. In den Städten gab es viele neue befallene Bäume, obwohl oft vorsorglich gegen die Tiere vorgegangen wurde. Das betrifft Städte im Ruhrgebiet (z. B. Gelsenkirchen) und Gebiete zwischen Bottrop und dem Münsterland und Bäume entlang der A31, die dafür teilweise gesperrt werden musste. Meldungen gibt es auch aus Dortmund, Solingen und Isarlohn.


Biologie
Der unscheinbare Falter ist 25 bis 32 Millimeter groß, nachtaktiv und schwärmt in den Monaten Juli und August, teils bis in den September. Die Weibchen legen ihren Eivorrat - bis zu 200 Stück - innerhalb weniger Tage an ein- bis dreijährigen Zweigen, gerne an der Südseite der Bäume im obersten Kronenbereich. Die Jungraupe überwintert im Ei und kann tiefe Wintertemperaturen bis  -29 Grad Celsius überstehen.

Bereits im Herbst entwickeln sich die kleinen Eiräupchen und schlüpfen dann im April bis Anfang Mai. Sie schließen sich kurz nach dem Schlüpfen zu den typischen „Prozessionen“ zusammen, von denen sie auch ihren deutschen Namen bekommen haben. Abends wandern sie so gemeinsam zum Fressen in die Baumkrone. Mit bis zu 30 Tieren nebeneinander können sie 10 Meter lange Prozessionen bilden.

Die Entwicklung der Raupen umfasst sechs Stadien. Sie sind von Anfang an stark behaart. Ab dem 3. Larvenstadium entwickeln sie die mit Widerhaken versehenen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopein und sind dann für Mensch und Tier sehr gefährlich. Am Ende des sechsten Larvenstadiums erreichen die Raupen eine Körperlänge von bis zu vier Zentimeter.
Temperaturabhängig verpuppen sich die Altraupen Mitte bis Ende Juni. Dazu spinnen sie sich in ockerfarbene Kokons und bilden ein sehr großes Gespinstnest. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen die Falter.

Foto: Eichenprozessionsspinner, FVA, Abteilung Waldschutz


Gefahr für den Menschen
Für den Menschen gefährlich sind die Haare ab dem 3. Larvenstadiums des Eichenprozessionsspinners, also im Mai und Juni.  Die 0,2 Millimeter langen Brennhaare brechen leicht ab, sind mit Widerhaken versehen und enthalten das Eiweiß „Thaumetopoein“. Mit jedem Entwicklungsstadium steigt die Gesundheitsgefährdung. Eine Altraupe besitzt bis zu 700.000 Brennhaare. Die (fast unsichtbaren) Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest.

Eine Gefährdung besteht besonders beim direkten Kontakt mit den Raupen, die während der Fraßzeit der Raupen am größten ist. Eine ganzjährige Gefahrenquelle sind die Häutungsnester und die am Baum oder am Boden verbleibenden Verpuppungsgespinste. Die Brennhaare bleiben an Kleidung und Schuhen haften, die bei Berührung immer neue toxische Redaktionen auslösen. Das Toxin der Brennhaare ist über mehrere Jahre aktiv. Sogar Brennholz aus diesen Gebieten stellt einen Risikofaktor dar. Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können daher während des gesamten Jahres entstehen.

Die eindringenden Brennhaare reizen die Oberhaut und die Schleimhäute und können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen. Die Hautreaktionen halten (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, welche nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisolpräparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika.

Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Hier wirken Kortisonsprays und Sprays mit bronchienerweiternden Mitteln erforderlich. Selten ist eine stationäre Behandlung notwendig.
Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen. (Quelle: LWF , Merkblatt 15, 2018)



Tipps für den Schutz


Generell dürfen Raupen und ihre Nester auf keinen Fall berührt werden. Schon bei Verdacht eines Gifthaarkontakts können folgende Maßnahmen helfen.


• Kleidung umgehend im Freien (!) wechseln, Schuhe nass reinigen

• Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen

• Sichtbare Raupenhaare mit einem Klebstreifen entfernen

• Gründliche Dusche mit Haarreinigung und Augenspülung mit Wasser

• Betroffene Gegenstände wie das Auto waschen und saugen

• Bei Hautreaktionen sollte der Hausarzt aufgesucht werden, bei Atemnot sofort den Rettungsdienst alarmieren

Quelle: ECARF (Europäische Stiftung für Allergieforschung)


Eichenprozessionsspinner sind auch für Haustiere gefährlich.

Zwar schützt das Fell gut vor den Haaren, aber Schnauze und Schleimhäute sind gefährdet. Vor allem Hunde sind durch ihr Herumschnüffeln in Gefahr. Das Gift der Raupe kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Zunge und Lefzen können stark anschwellen und es kann zu Atemproblemen kommen. Zur ersten Hilfe sollte man die betroffenen Stellen mit klarem Wasser abspülen, kühlen und im Zweifel den Tierarzt aufsuchen.


Wer Nester des Eichenprozessionsspinner entdeckt, sollte sie sie umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt oder im Wald den Forstämtern melden.


Gefahr für die Bäume und den Wald
Bis vor 30 Jahren beschränkte sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners auf einzeln stehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen oder entlang von Waldrändern. Der Schaden war gering, da die Eichen durch den Johannistrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen. Seit den 90er Jahren tritt der Schädling jedoch flächig in Massenvermehrung auf.

Bei einmaligem Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner verhindert die Regenerationskraft der Eichen Folgeschäden. Bei mehrjährig aufeinander folgendem starkem Fraß wird die Vitalität geschwächt, die Anfälligkeit der Bäume gegenüber weiteren Schädlingen wie Mehltau oder Eichenprachtkäfer erhöht sich. Die Folgen sind Zuwachsverluste, Ausfall der Eichenmast sowie häufiges Absterben.


Natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners
Der Eichenprozessionsspinner besitzt eine Vielzahl natürlicher Feinde. Einige entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Jahren der Massenvermehrung. Besonders wirksam sind Ei- und Raupenparasiten wie die Raupenfliegen und die Schlupfwespen, die ihn in der Endphase der Massenvermehrung stark dezimieren können. Räuberische Käferarten wie der Große und Kleine Puppenräuber sind bei hoher Dichte häufig zu beobachten, dezimieren die EPS jedoch nicht nennenswert. Von den Vögeln trauen sich nur wenige Arten wie der Kuckuck und der Pirol an die giftigen Raupen.


Bekämpfung
Eine Bekämpfung war früher nicht notwendig. Seit der starken Zunahme in den 90er Jahren sieht dies anders aus.
Bei geringem Befall reicht die mechanische Bekämpfung. Diese Verfahren sind aufwändig und nicht ohne gesundheitliche Risiken für die Anwendenden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass durch mechanischen Maßnahmen, die vor der Verpuppung stattfinden, nicht die gesamte Population erfasst wird. Der beste Zeitpunkt ist, wenn sich die Raupen in den Gespinsten verpuppen und immobil sind. 

Der Einsatz von Insektiziden ist sorgfältig abzuwägen und muss die Belange von Natur- und Wasserschutz berücksichtigen. Dabei sollte immer der Rat von Fachleuten eingeholt werden. Wenn zum Schutz der Bevölkerung und des Baumbestandes auf Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen werden muss, werden die biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel "Dipel ES" oder „Foray ES“ bevorzugt. Sie enthalten den Wirkstoff Bacillus thuringiensis und werden teilweise mit Hubschraubern ausgebracht. Das enthaltene Bakterium wird durch den Fraß der Raupen aufgenommen und schädigt die Darmwand des Eichenprozessionsspinners. Dies führt zum Absterben der Schädlinge.

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Rußrindenkrankheit am Ahornbaum 

Immer öfter wird über die Rußrindenkrankheit an Ahornen in Deutschland berichtet. Auch hier sind die höheren Temperaturen ausschlaggebend, dass sich der Pilz (Schwächeparasit) so stark in Deutschland entwickeln kann.
Wahrscheinlich aus Nordamerika eingeschleppt, wurde die Krankheit (C. corticale) erstmals 1945 in Großbritannien beschrieben. Nach dem Trockensommer 2003 gab es Erstnachweise aus der Schweiz, aus Österreich, Tschechien und Frankreich. 2005 hatte der Pilz auch Deutschland erreicht. Hier wurde er als erstes im Raum Karlsruhe gesehen. Der pilzliche Erreger ist in den Bäumen vorhanden, wird aber nur in Stresssituationen pathogen. Ist der Baum geschwächt, bildet der Pilz Fruchtkörper am absterbenden Holz aus. In Europa und Deutschland ist als Wirtsbaum in erster Linie der Bergahorn betroffen.


Auslösende Faktoren
Der Schädling tritt vorwiegend in Erscheinung, wenn in einem der Sommermonate die durchschnittliche Monatstemperatur  mehr als 23 Grad beträgt. Weitere Stressfaktoren wie hohe Stickoxidemissionen oder widrige Standortverhältnisse begünstigen den Durchbruch. Deshalb sind bisher auch die meisten Funde in Stadtgebieten.


Krankheitsverlauf
Im Anfangsstadium kommt es zur Ausbildung von Nekrosen (Absterben von Zellen) und Schleimflußflecken am Stamm. Vor allem ab dem Spätsommer kommt es zu Welkeerscheinungen und zum Absterben von Kronenteilen. Danach reißt die Rinde auf und dadurch werden zahlreiche wie Ruß aussehende Sporen der Pilze sichtbar und freigesetzt. Innerhalb einer Vegetationsperiode nach Ausbruch der Krankheit kann es zum Absterben des Baumes kommen.
Die toten Bäume müssen entnommen werden. Bei Fällung in öffentlichen Anlagen müssen sich mit Forstarbeiter mit Atemnasken schützen und für die Öffentlichkeit das Gebiet absperren. Das Holz darf wegen der weiteren Verbreitung der Sporen nicht als Brennholz verwendet werden, sondern muss abgedeckt transportiert in Großanlagen verbrannt werden.


Gefährlich für den Menschen?
Die Pilzsporen können allergische Reaktionen bei Menschen auslösen. „Spaziergänger in Parks und Wäldern sind kaum gefährdet, solange sie befallene Bäume nicht intensiv berühren oder den Stamm hochklettern“, erklärt Dr. Günther Jansen vom Gesundheitsamt Bonn, wo in diesem Jahr ein Befall von ca. 400 Ahornbäumen festgestellt wurde.
Gefährdet sind Forstarbeiter und Baumpfleger sowie Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder allergischen Vorbelastungen. Die Sporen werden über die Atemwege aufgenommen und es kommt zu Entzündungen der Lungenbläschen. Die Symptome treten in der Regel sechs bis acht Stunden später auf und ähneln einem grippalen Infekt. Es kann zu Reizhusten, Atemnot, Fieber und Schüttelfrost kommen. Die Symptome klingen in der Regel innerhalb einiger Tage, spätestens nach zwei Wochen, ohne weitere Therapie ab. Eine Ansteckung über die Haut ist nicht möglich.


Wie gefährlich für die Ahorne?
Forstexperten schätzen die Rußrindenkrankheit als nicht so gefährlich ein wie  das Eschentriebsterben oder das Ulmensterben. Sie gehen davon aus, dass es ein  regionales Problem bleibt und nicht den Gesamtbestand gefährdet. Bisher wurden eher jüngere Bäume befallen, ältere Bäume mit guter Wasserversorgung sind weniger anfällig für Infektionen. Dürre und Trockenheit können Ahorne auch auf optimalen Standorten in Bedrängnis bringen.


Aktuelle Verbreitung (13.06.2019)
Die meisten Funde beziehen sich auf Stadtgebiete, in denen die Bäume größeren Klimaextremen und starken Immissionen ausgesetzt sind.
Sie ist inzwischen in ganz Deutschland verbreitet, v.a. in Sachsen (erste Funde 2007 in Leipzig), in Hessen (20 ha mit 30.000 Bäumen bei Lich bei Gießen, 100 Bäume im Schlosspark Rumpenheim in Offenbach), in NRW, in Baden-Württemberg und in Bayern (Unterfranken). In  Bonn wurden 500 Bergahorne an fünf betroffenen Stellen entdeckt, auch aus Düsseldorf, Aachen, Köln und Meerbusch (100 Bäume), Viersen (100 Bäume) sowie aus dem Rhein-Sieg-Kreis wurde die Erkrankung gesichtet.
Österreich: Zuletzt 2016 davon betroffen.  Das Verbreitungsgebiet der Rußrindenkrankheit erstreckt sich in Österreich hauptsächlich über das östliche Flach- und Hügelland.
Schweiz: in Städten wie Zürich, Basel
Europa: Nach dem Trockenjahr 2003 folgten die Erstnachweise aus der Schweiz, aus Österreich, Tschechien und Frankreich, gefolgt von den Niederlanden (2013), Bulgarien (2014) und Italien (2016)


Aussicht
Ahornarten wurden gerne in Städten wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Emissionen angepflanzt. Um sie vor Befall zu schützen, sollte auf eine ausreichende Wasserversorgung geachtet werden und bei Befall der Baum (mit Nachweis, da auch andere Pilze schwarze Fruchtkörper bilden!) umgehend gefällt werden, um die Nachbarbäume nicht zu gefährden. Nach Meinung der WissenschaflerInnen ist jedoch anders als beim Eschentriebssterben kein grundsätzliches Risiko für den Fortbestand der Ahornarten in Mitteleuropa zu befürchten.


Maikäfer


Der Maikäfer liegt auf der Bekanntheitsskala der Insekten ganz weit vorn. Weniger bekannt ist, dass Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) für Wälder zur Plage werden können. In manchen Jahren sind die rot-braunen Käfer in der Abenddämmerung in riesigen Schwärmen unterwegs und lassen kahlgefressene Laubwälder zurück.

Reinhard Mey beschreibt in dem bekannten Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“ die Folgen der massiven Bekämpfung der Maikäfer mit dem inzwischen verbotenen Insektizid DDT zwischen Anfang der 1950er Jahre und etwa 1972.
Allerdings ist auch in Gebieten, in denen der Maikäfer nicht aktiv bekämpft wurde, seine Population stark zurückgegangen. In den letzten Jahren werden wieder aus Teilen Mitteleuropas größere Bestände gemeldet. Zur Bekämpfung von Maikäfern wurden im Mai 2010 in der südhessischen Kommune  Pfungstadt trotz massiver Proteste von Naturschutzverbänden erstmals seit 55 Jahren in Hessen wieder mehrere Hundert Hektar Wald mit einem Insektizid gegen Maikäfer behandelt.

Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Maikäfer nicht nur als Hühnerfutter genutzt, sondern fanden auch in der Küche Verwendung. In Frankreich und Teilen Deutschlands wurden sie geröstet und zu Suppen verarbeitet. In Konditoreien waren sie verzuckert oder kandiert als Nachtisch zu haben.
Gesunde Eichen, Buchen oder Ahorne überstehen meist den Käferbefall, allerdings sind sie dann in ihrer Abwehrkraft gegen andere Schädlinge deutlich geschwächt.

Vor allem in der Oberrheinebene und in der hessischen Rhein-Mainebene kommen solche Massenausflüge von Waldmaikäfern vor.  
Für den Wald besonders gefährlich werden die im sandigen Waldboden lebenden Käferlarven, auch Engerlinge genannt. Da sie sich überwiegend von den feinen Baumwurzeln ernähren, richten sie an der Waldverjüngung enorme Schäden an. Früher kam es in Zyklen von drei bis sechs Jahren zu einer großen „Käferkrabbelei“. Der Klimawandel scheint die Entwicklungsdauer einiger Käferpopulationen zu verkürzen. Experten befürchten daher, dass dies zu jährlichen Fraßschäden an Blättern und Baumwurzeln führen kann.


Asiatische Laubholzbockkäfer

Das Auftreten dieses Käfers löst Panik aus. Der kleine Käfer mit den langen Fühlern befällt das Holz nahezu jeder Laubbaumart. Er wird seit einigen Jahren mit Verpackungsholz aus dem asiatischen Raum zu uns eingeschleppt und tritt daher noch vor allem im urbanen Bereich auf. Sobald der Befall an den kreisrunden, centgroßen Löchern im Stamm entdeckt wird, fällt und vernichtet man die befallenen und alle Bäume in einem Umkreis von 100 Metern. So versucht man das flugfaule Insekt in Schach zu halten.

Asiatischer Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis)

Größe:                                           25 - 35 mm ohne Fühler

Lieblingsspeise:                              Pappeln und Weiden (China); Ahorn und Rosskastanie (USA); in Europa nahezu alle Laubbaumarten

Vorkommen:                                  China, Taiwan, Korea, eingeschleppt in die USA und Europa

Ausflugzeit:                                     April bis Oktober

Wissenswertes:                               Sein Fund ist meldepflichtig

Günstige Entwicklungsbedingungen: Warmes Klima

Vorbeugende Maßnahmen:               frühzeitiges Erkennen des Befalls mittels Beobachtungen mit Fernglas, Baumklettern und Spürhunden; Quarantänezonen im Umkreis von 2 km um befallene Bäume

Eichenprachtkäfer

Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) sind eher einem kleinen Kreis von Spezialisten bekannt. Als „Sekundärschädlinge“ suchen sich die attraktiven, metallisch glänzenden Käfer gerne kranke und schwache Wirtsbäume aus. Vom Klimawandel gestresste Bäume gibt es mittlerweile in den deutschen Wäldern genügend. Darüberhinaus bringen milde Winter und warme Sommer auch die Vermehrung des Käfers richtig in Schwung.

Seit Mitte der 90er Jahre richten die Prachtkäfer in Eichenwäldern vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erhebliche Schäden an. In der Kambialschicht zwischen Holz und Rinde legen die Larven ihre zick-zackförmigen Fraßgänge an, was zur Unterbrechung der Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes führt. Bereits wenige Käferlarven reichen aus, um Teile der Baumkrone oder sogar eine stolze Eiche zum Absterben zu bringen. Auch Buchen und Kiefern werden mittlerweile verstärkt von „ihren“ speziellen Prachtkäferarten heimgesucht.