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Die Elsbeere (Sorbus torminalis): Ein Baum mit Geschichte und Zukunft

Die Geschichte der Elsbeere begann eigentlich mit Luther, denn er kannte den Baum, sein Vorkommen und die Wirkung der Früchte, als er am 20. September 1526 an seinen Freund Agricola schrieb, er solle ihm doch Elsbeerfrüchte senden, seine Frau brauche sie. Luther wußte also, dass die Früchte "wider den zu weichen Leib" wirken und dass man sie im September zum Beispiel am nördlichen Harzrand findet.

Luther nennt als erster in der Literatur den bis heute leitenden deutschen Namen "Elsbeere".
Die Zukunft der selten gewordenen Waldbaumart liegt in der angekündigten Klimaerwärmung, denn in warmen Abschnitten nach der Eiszeit hat sich die Elsbeere natürlich verbreitet und durchsetzen können.

Nicht nur die Erhaltung der restlichen genetischen Vielfalt, auch die einmalige Kombination wertvollsten Holzes und des teuersten Edelbrandes aus den Früchten machen die Elsbeere zu einem ganz besonderen Baum, der Förderung und Pflege verdient.

Knospe des Speierlings 
v.l.n.r. Knospe des
Speierlings , Sorbus domestica;
Elsbeere, Sorbus torminalis;
Mehlbeere, Sorbus aria und der
Vogelbeere oder Eberesche, Sorbus aucuparia
 
 Blatt der Elsbeere
Das markante, platanenartige Blatt der Elsbeere und die
rotbraunen, kleinen Früchte

Verbreitung der Elsbeere

Die Elsbeere ist eine Waldbaumart Mitteleuropas. Schwerpunkte liegen in Frankreich, besonders in Ostfrankreich und in Süddeutschland. Die aktuelle Verbreitung zeigt die nachstehende Karte

Verbreitung der Elsbeere Heutige Verbreitung der Elsbeere" (Quelle: EUFORGEN 2009, www.euforgen.org)
Heutige Verbreitung der Elsbeere" (Quelle: EUFORGEN 2009, www.euforgen.org)

Die Elsbeere erreicht Höhen von über 30m. Der höchste Baum steht bei Göttingen und misst knapp 35 m. Die stärkste bekannte Elsbeere steht in Weimar (135 cm BHD). Stämme, die sich tief zwieseln, also in zwei Stämme aufteilen, können vereinzelt noch größere Durchmesser erreichen.

Die Elsbeere liebt nährstoffreiche, warme und eher trockene oder wechseltrockene Standorte, hier kann sie sich am besten gegen die bedrängende Konkurrenz anderer Baumarten behaupten.

Nur ausnahmsweise findet man die Elsbeere als Solitärstamm in der freien Feldflur. Sie ist ein Baum der Mischwälder und freut sich über einen Platz am Waldrand, der ihr genügend Licht bietet. Für Gärten ist sie nicht geeignet, wohl aber für Parks und Gehölzgruppen in der Landschaft.

Elsbeere
Elsbeere mit typischer, herbstlicher Laubfärbung im ElsbeerReich, westlich des Wiener Waldes, stehen etwa 300 solcher Bäume. Man hat sie vor mehr als 100 Jahren gepflanzt um Früchte zur Schnapsdestillation ernten zu können.

Schutz/Gefährdung der Elsbeere

Junge Elsbeere brauchen fast immer einen Schutz gegen den Wildverbiss. Helle Wuchshüllen fördern ausserdem das Wachstum. Dann muss man auf Mäuse achten. In manchen Jahren sind sie sehr aggressiv und fressen im erdnahen Bereich.

Im mittleren Alter sind Elsbeeren durch die Konkurrenz anderer, wüchsigerer Baumarten gefährdet und brauchen Hilfe durch mehrfache Freistellung. Dazu muss man sie erkennen und die beauftragten Fachkräfte entsprechend schulen. Diese Förderung ist auf den meisten Standorten lebenslang notwendig.

In Südeuropa droht noch eine andere Gefahr: Lässt man die auf Pappeln oder Apfelbäumen ankommenden Misteln wachsen, dann verbreiten sie sich sekundär von diesen Bäumen auf viele andere Baumarten, dringen mit Senkern in deren Holz und Leitungsbahnen ein und führen zu krebsartigen Geschwüren, die den Baum sterben lassen. Misteln müssen so früh wie möglich ausgeschnitten und beseitigt werden.

 4 Jahre alte Elsbeeren in hellen Wuchshüllen, verbunden mit einem Pfahl.
4 Jahre alte Elsbeeren in hellen Wuchshüllen, verbunden mit einem Pfahl.

Nutzung der Elsbeer-Früchte

In 2 von 5 Jahren bringen die Elsbeeren so viele Früchte, dass sich eine Ernte lohnt. Da die Vögel gerne Elsbeerfrüchte aufnehmen, muss man sie am stehenden Baum pflücken.

Im oberen Bild sieht man Elsbeeren, die für die Saatgutgewinnung gepflückt wurden. Da eine Beerntung im dichten Bestand kaum möglich ist, haben Forstverwaltungen und Forstliche Versuchsanstalten Saatgutplantagen angelegt. Von hier aus werden die Baumschulen mit genetisch bestem und zugleich genetisch vielseitigem Saatgut versorgt. Solche Samengärten, wie sie liebevoll genannt werden, sind auch für die Generhaltung von größter Bedeutung. Niemand kann heute einschätzen, welche Gene aussterbender Arten, Rassen und Sorten später einmal wertvoll sein werden.

Im unteren Bild steht der Elsbeer-Edelbrand in der Mitte edler Obstbrände, wie sie in Österreich erzeugt werden. Elsbeerbrand ist immer der teuerste Brand, denn die Ernte ist höchst aufwendig und die Ausbeute gering. Reiche Fruchtentwicklung gibt es nur im Freistand. Die am besten fruchtenden Bäume werden veredelt und dienen mit ihren Reisern zur Nachzucht.

 Elsbeerernte in einem Samengarten in Niedersachsen.
Elsbeerernte in einem Samengarten in Niedersachsen. Die Samen werden ausgewaschen und an Baumschulen verkauft.

Edle Brände
In Österreich werden seit Jahrhunderten edle Brände erzeugt. Im Mittelpunkt steht der Elsbeerbrand, der teuerste und kostbarste Brand. Um genügend Material gewinnen zu können, wurden dort schon vor 150 Jahren Hunderte von Elsbeeren solitär in der Feldflur gepflanzt, das ist weltweit einzigartig.

Nutzung des Elsbeer-Holzes

Das besonders feste, maßhaltige und zeitlos schöne Holz nimmt einen Spitzenplatz auf dem Holzmarkt ein. Mit bis zu 15.000 Euro/Kubikmeter in Deutschland und über 20.000 Euro/cbm in Frankreich wurden von anderen Holzarten nicht erreichte Spitzenerlöse erzielt. Aber auch die Durchschnittserlöse sind herausragend und lohnen die anhaltende, intensive Pflege im Mischbestand.

Die teuren, meist schlichten und farblich einheitlichen Stämme werden zu dünnen Furnieren aufgearbeitet. Möbel aus solchem Holz kann man als Anbaumöbel nebeneinander aufstellen. Aus gemaserten Stämmen erzeugt man Bretter oder Furniere mit besonderer Zeichnung, die sich für Unikatmöbel bestens eignen. Da ist jedes Möbelstück ein einmaliges, kleines Kunstwerk der Natur und des Tischlers.

Reife Elsbeerfurnierstämme auf einem Wertholzlagerplatz
Reife Elsbeerfurnierstämme auf einem Wertholzlagerplatz in Niedersachsen.

Tisch aus massivem Elsbeerholz
Aus massivem Elsbeerholz der Region wurden diese Tische eines Göttinger Cafés hergestellt.

Anzucht von Pflanzen

Bei der Anzucht von Elsbeerpflanzen braucht der Samen eine 2- bis 3-monatige Zeit der Naßkaltlagerung. Wenn man diesen "Trick" kennt, erhält man viele Sämlinge und kann am Ende des zweiten Jahres 50 bis 90 cm hohe Pflanzen verkaufen. Hier stehen einige Tausend prächtige Elsbeer-Sämlinge Anfang November in schöner Herbstfärbung des Laubes, versandbereit für das Umsetzen an Waldränder und auf Verjüngungsflächen in Forstbeständen.

Einige Spezialbetriebe in Deutschland beherrschen die nicht ganz einfache Anzuchttechnik der Baumart Elsbeere. Viele eigene Versuche schlugen fehl, besser hätte man die benötigten Pflanzen gekauft.

Zweijährige Elsbeerplanzen einer bayerischen Baumschule
Zweijährige Elsbeerplanzen einer bayerischen Baumschule.

Pflanzung von Elsbeeren

Elsbeeren mögen nährstoffreiche, eher trockene und warme Standorte. Man pflanzt sie gärtnerisch und gießt im ersten Standjahr in sommerlichen Trockenperioden, das ist wichtig. Einmal angewachsen, machen Elsbeeren ebenso wie die verwandten Speierlinge keine Sorgen mehr.

Mit ihren Blüten trägt die Elsbeere zur Verbesserung des Nahrungsangebots für Bienen bei. Mit der herbstlichen Laubfärbung ist sie ein besonders auffälliger und schöner Blickfang in der Landschaft.

Ein Merkblatt (siehe hier) zur Pflanzung von jungen Speierlingen, kann leicht auf die Elsbeere übertragen werden, denn beide Baumarten kommen an den meisten Stellen ihres natürlichen, mitteleuropäischen Verbreitungsgebietes nebeneinander vor und haben ähnliche Ansprüche.

Pflanzung von Elsbeerheistern an einem Feldweg in Bayern
Pflanzung von Elsbeerheistern an einem Feldweg in Bayern.

Literaturhinweise

Buchtitel Elsbeere
W. Kausch-Blecken vom Schmeling (1994): „Die Elsbeere“, Selbstverlag, Bovenden
Das Buch ist vergriffen. Eine PDF-Datei (40 MB) des Buches finden Sie hier zum downloaden.

In der Schriftenreihe "Naturschutz im Kleinen", herausgegeben von der Stiftung LBBW Natur und Umwelt, Fritz-Elsass-Str. 31, 70174 Stuttgart, ist erschienen:
Heft 27: "Die Elsbeere".