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Der Speierling - ein Unbekannter?

Viele Menschen haben schon mal vom Speierling gehört. Sie meinen, es wäre eine kleinfrüchtige Apfel- oder Birnensorte. Dies ist aber falsch, denn der Speierling ist mit der Eberesche (syn. Vogelbeere) verwandt.

Ob der Name mit dem Ausspeien der anfangs sehr herben Frucht zusammenhängt oder vom „Sperbelbaum“ kommt, lässt sich nicht mehr klären. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts sprach man beim Speierling nur von „sorbus”. 1554 wird erstmals der Zusatz „domestica” verwendet. Vielleicht, um mit diesem „zum Haus gehörig” einen Gegensatz zur im Wald stehenden Elsbeere (Sorbus torminalis) deutlich zu machen.

Man holte also seit vielen Jahrhunderten junge Speierlinge aus der freien Natur und pflanzte sie in der Nähe der Siedlungen wieder ein. Damit wollte man die Früchte leichter ernten können, zumal frei stehende Gartenbäume mehr Früchte bilden als Waldbäume.

Apfelförmige (l.) und birnenförmige Speierlingsfrüchte (r.)
Apfelförmige (l.) und birnenförmige Speierlingsfrüchte (r.)

Speierlinge haben Früchte, die wie kleine Äpfel oder Birnen aussehen und durch ihre reichen Inhaltsstoffe als Vitalmittel vielfältig der Gesundheit dienen. Nachgefragt wurden und werden sie besonders auch bei der Getränkeherstellung („Äppelwoi“, „Viez“) zur Klärung und geschmacklichen Aufwertung.

Verbreitung des Speierlings

Schon immer hat sich der Speierling trotz reicher Fruchtbildung schlecht vermehrt. Stets war er ein „Einzelgänger“ und bildete nie und nirgends Bestände der gleichen Art. Vermutlich vom Kaukasus aus hat er sich dennoch natürlich bis nach Westeuropa hin verbreitet.

Nach der Eiszeit gelang es der aus Deutschland verdrängten Art, aus Frankreich wieder hierher zurück zu wandern.

Verbreitung des Speierlings
Heutige Verbreitung des Speierlings
Quelle: Rotach, P. (2003): EUFORGEN Technical Guidelines

Bis an den Nordrand der deutschen Mittelgebirge kam der Speierling, in Naumburg an der Saale liegt eines der nördlichsten Vorkommen. Selbst an den schroffen Abbrüchen der Küste in Südengland finden sich natürliche Vorkommen.

Gefährdung des Speierlings

Vor allem Vögel sind es, die die Früchte aufnehmen, die Kerne danach ausscheiden und so verbreiten. Doch Mäuse vertilgen die Samen.

Das Wild verbeißt die Keimlinge und die Jungpflanzen stärker als die von anderen Gehölzarten. Und schließlich bedrängen wüchsigere Baumarten die wenigen übrig bleibenden Pflanzen. Die Abkehr von Licht durchfluteten Mittelwäldern hin zu dunklen Hochwäldern hat diese Verdrängung noch verstärkt.

Rindenkrebs befallener Speierlingsbaum
Mit Rindenkrebs befallener Speierlingsbaum

Wenn heute aus „Rationalisierungsgründen“ die Pflege von jungen Beständen unterbleibt und diese sich selbst überlassen werden, haben selten gewordene Arten wie Speierling, Elsbeere, Wildbirne oder Wildapfel schlechte Zukunftsaussichten. Pilzbefall mit Nectria galligena verursacht Rindenkrebs an Speierlingen und beeinträchtigt zunehmend ihre Vitalität. Bei der Auswahl von Jungpflanzen ist bereits in der Baumschule darauf zu achten, dass alle befallsfrei sind. Eine besonders große Infektionsgefahr besteht auf ungünstigen Standorten (nass-kalte Böden, Schattenlagen).

Schwierige Pflanzenanzucht

Das Umsetzen von Speierlingspflanzen aus dem Wald in die Nähe der Häuser hat den Römern schon vor 2.000 Jahren nicht gereicht. Sie hatten den Wert der Früchte für die Verdauung der Menschen und auch der Haustiere erkannt und suchten nach geeigneten Möglichkeiten der Vermehrung mit auch heute noch angewandten Veredelungstechniken.

Schwierige Pflanzenanzucht
Speierlingsanzucht im Gewächshaus

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Methoden zur Pflanzennachzucht aus Samen systematisch entwickelt. Seitdem stehen ausreichende Mengen qualitativ guter Pflanzen zur Verfügung.

Anfänge des Speierlingsschutzes

Bereits 1935 hatte OTTO LINCK aus Güglingen im Landkreis Heilbronn die Forstleute dazu aufgerufen, etwas für den selten gewordenen Speierling zu tun, sonst würde dieser unausweichlich untergehen.

Speierling (Sorbus domestica)
Der stärkste deutsche Speierling (Sorbus donestica) steht in
Ockstadt/Hessen.

Der Speierling kann sich heute nur noch auf ganz wenigen Waldstandorten gegen die meist wüchsigeren anderen Baumarten behaupten. Im Hochwald sind Baumarten benachteiligt, die viel Licht und Wärme brauchen. Kommt es im Zuge des Klimawandels hingegen zu einer deutlichen Erwärmung, können diese Arten wieder vordringen.

Während die Erhaltung des Speierlings im Wald meist mit einer intensiven Pflege verbunden ist, kommen die einzeln in Parks oder in die Landschaft gepflanzten Bäume fast alle „durch” und entwickeln sich zu mächtigen Bäumen. Solitär stehende Speierlinge können über 200 Jahre alt werden.

Pflanzung von Speierlingsbäumen

Über die Pflanzung von Speierlingsbäumen informiert eine 2004 vom Förderkreis Speierling herausgegebene Beilage zur Zeitschrift "Corminaria" (auch in englisch, italienisch und spanisch).

Nachfolgend können Sie die Beilage als PDF-Datei herunterladen: PDF-Download Download starten (0,4 MB)

Literaturhinweise

Buchtitel Speierling
Wedig Kausch-Blecken von Schmeling (2000): "Der Speierling", Selbstverlag, Bovenden: Das Buch ist vergriffen. Eine PDF-Datei (20 MB) des Buches finden Sie hier zum downloaden.

In der Schriftenreihe: "Naturschutz im Kleinen" herausgegeben von der Stiftung LBBW Natur und Umwelt, Fritz-Elsas-Straße 31, 70174 Stuttgart, sind erschienen:
Heft 14: "Der Speierling - Ein seltener Baum in Wald und Flur"
Heft 27: "Die Elsbeere"