Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Bundesverband e. V.

Wildverbiss

Neue Wälder können auf zwei Arten entstehen. Entweder durch die natürliche Verjüngung, das heißt Samen, die im Boden liegen, wachsen, weil zum Beispiel durch Absterben alter Bäume wieder Licht auf den Boden kommt. Oder durch Anpflanzen von kleinen Baumsetzlingen, womit man die Entstehung neuer Wälder beschleunigen und Änderungen in der Mischung erzielen kann.

Reh-, Rot-, Dam-, oder Gamswild fressen gerne die Triebe jünger Bäume. Sie bevorzugen Baumarten wie Tanne, Bergahorn, Buche, Esche, Eiche und Hainbuche – Baumarten, die für naturnahe und klimaangepasste Mischwälder notwendig sind. Der Verbiss führt zu einer Verarmung der Baumarten und zu Reinbeständen der unempfindlicheren Baumarten wie zum Beispiel der Fichte, für die im Klimawandel weitgehend keine Zukunft besteht.

Was ist das Ziel?

Um vermehrtem Wildverbiss entgegenzuwirken, ist das Ziel ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Wildarten und seinen Wald-Lebensräumen. So soll die Verjüngung der Wälder mit den an Standort und künftiges Klima angepassten Baumarten auf Dauer sichergestellt werden.

Vegetationsgutachten zeigen, dass dies in weiten Teilen Deutschlands nicht der Fall ist.

Welche Schäden gibt es?

Die bedeutendsten Arten der Schädigung im Wald sind die Verbiss-, Nage- und Schälschäden. Darüber hinaus kommen auch Fege- und Schlagschäden vor, die in der Regel aber nicht so ins Gewicht fallen. Das Rehwild verursacht die stärksten Verbissschäden aufgrund der großen Verbreitung und den spezifischen Ernährungsansprüchen.

Verbissschäden

Die stärksten Schäden entstehen durch das Abäsen von Keimlingen, Knospen, Blättern und Trieben. Besonders schwerwiegend ist die Schädigung der Terminalknospe und des Leittriebes zu werten, da dadurch das Höhenwachstum der Pflanze stark beeinträchtigt wird. Einmaliger Verbiss wird in der Regel gut regeneriert, während wiederholter, also mehrjähriger andauernder Verbiss, zu starker Verbuschung und zum Teil auch zum Absterben der Pflanze führt. Die entstehende Entmischung des Waldes ist gerade bei den aktuellen Anstrengungen für einen klimaangepassten, naturnahen Wald besonders schädlich.

Schälschäden

Unter Schälen versteht man das Ablösen der Rinde vom Baumstamm. Hauptverursacher ist das Rotwild, daneben schälen auch Sika- und Muffelwild. Im Winter wird die Rinde in kleinen Stücken abgenagt, im Sommer zieht das Wild oft die Rinde samt Bast in langen Streifen (bis einen Meter) ab. Geschieht dies rings um den Stamm herum, stirbt der Baum ab. Aufgrund des geringen Nahrungsangebotes kommen die Winterschälschäden sehr viel häufiger vor.

Wie kann man die Schäden reduzieren?

Die wichtigste Maßnahme gegen Wildschäden ist eine Jagd, bei der sich Wald und Wild im Gleichgewicht befinden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass gerade Rehwild als Kulturfolger Nutznießer unserer Landschaftsentwicklung (mit energiereichen Feldfrüchten) ist. Der Anstieg der Abschusszahlen über Jahrzehnte belegt das eindrucksvoll. Des Weiteren sind wichtig:

  • Wildtiergerechte Jagdmethoden und Jagdkonzepte mit freiwillig verkürzten, geblockten Jagdzeiten und revierübergreifenden Drück- und Riegeljagden sowie zeitweisen Wildruhezonen (Rotwild)
  • Anpassung der Jagdzeiten für männliches und weibliches Rehwild
  • Wildfütterung nur in absoluten Notzeiten, wenn eine Wildtierpopulation in ihrer Existenz gefährdet ist.
  • Die Jägerausbildung ist nach dem neuesten Stand der Wildbiologie und Ökologie vorzunehmen.
  • Die großen Waldflächen, die im Zuge des Klimawandels umgebaut werden müssen, machen eine Zäunung undurchführbar. Nur in Einzelfällen ist der Schutz von Kulturen und Einzelbäumen durch Zäunung bzw. Einzelschutzmaßnahmen (technisch und chemisch) zu tolerieren.
  • Kontrollzäune machen die Auswirkungen des Verbisses auf einfache Weise jeder und jedem deutlich und zeigen die gesamte Fülle der Bodenvegetation der jeweiligen Waldgesellschaft.
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