Waldboden

Wussten Sie, dass die Bildung von einem Zentimeter Boden im Durchschnitt mindestens 100 Jahre dauert? Oder dass sich in 0,3 Kubikmetern (1x1 m, 30 cm tief) Waldboden 2,5 Billionen Mikroorganismen befinden? Zum Vergleich: Auf der Erde leben 7,7 Milliarden Menschen.

Waldböden sind mehr als der Ort des darauf wachsenden Waldes. Sie haben sich über Jahrhunderte entwickelt und erfüllen wichtige Funktionen im Naturkreislauf. Sie speichern Niederschläge, liefern Nährstoffe, sind Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen sie filtern, puffern Schadstoffeinträge und liefern deshalb das beste Trinkwasser für uns.

Leistungen/Funktionen der Waldböden

Kohlenstoffspeicher

Allein in den Wäldern Deutschlands sind etwa 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, mehr als die Hälfte davon im Waldboden. Das entspricht etwa der zehnfachen Menge der jährlichen deutschen CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Wasserspeicher

In Deutschland gelangen durchschnittlich 850 Liter pro Quadratmeter Niederschlag im Jahr auf die Erdoberfläche. Etwa 60 Prozent verdunsten und die restlichen Niederschläge saugen die Waldböden schwammähnlich auf. Die hohe Wasserspeicherkapazität der Waldböden schwächt Niederschlagsspitzen ab und leistet einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz.

Wasserfilter

Die Waldböden filtern schädliche Stoffe wie Schwermetalle und Luftschadstoffe heraus. Die seit langem eingetragenen Luftschadstoffe bringen das Nährstoffgefüge im Boden aus dem Gleichgewicht und können zu einer Belastung des Trinkwassers führen. Laubwälder haben dabei generell eine stärkere Filterwirkung als Nadelwälder.

Nährstofflieferant

Die abgestorbenen Pflanzenteile der Bäume und Pflanzen werden von den Organismen im Waldboden wie Pilzen zersetzt. Dadurch stehen die wichtigen Nährstoffe für das Pflanzenwachstum Stickstoff, Kalium, Calcium, Magnesium, Schwefel und Phosphor wieder für den Kreislauf zur Verfügung.

Unglaublicher Lebensraum

Eine Hand voll Waldboden beherbergt mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde leben. 

Unter den Tieren gibt es sowohl größere Exemplare wie Regenwürmer, Spinnen und Gliederfüßler, als auch winzige Einzeller und Milben. Gemeinsam zerkleinern sie die abgestorbenen Pflanzenteile der organischen Auflage und durchwühlen den Boden. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Wasser-, Luft- und Nährstoffhaushalt des Bodens.

Zustand der Waldböden

Der Zustand und die Entwicklung unserer Waldböden stehen im Mittelpunkt der bundesweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE). Die erste BZE fand in den Jahren 1987 bis 1993 statt. Die Außenaufnahmen der zweiten BZE erfolgten in den Jahren 2006 bis 2008. Detaillierte Ergebnisse finden sie beim Thünen-Institut.

Ergebnisse der Bodenzustandserhebung

  • Die Böden haben begonnen, sich langsam zu erholen.
  • Über die Hälfte des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs befindet sich im Boden (53 Prozent).
  • Das Übermaß an Stickstoffeinträgen führt zu schädlichen Veränderungen im Ökosystem und zu Austrägen in die Gewässer. Die deutschen Waldböden zählen zu den am höchsten mit Stickstoff belasteten Waldböden in Europa.
  • Der Schwermetalleintrag in die Waldböden hat im Zeitraum zwischen BZE I und BZE II abgenommen.
  • Die Ergebnisse der BZE II bestätigen die Wirkung der Bodenschutzkalkung auf versauerungsempfindlichen Waldstandorten.

Gefahren für unsere Böden

Versauerung

Seit Jahrhunderten verarmten die Waldböden regional durch Waldweide und Streunutzung weiter. Die neuzeitlichen Luftverschmutzungen senkten den pH-Wert und führten zu veränderten Nährstoffen. Maßnahmen wie Filteranlagen reduzierten den Schwefeldioxideintrag. Aktuell ist der erhöhte Stickstoffeintrag durch Landwirtschaft und Verkehr das Hauptproblem und führt weiterhin zur Versauerung der Böden und zur Belastung unseres Trinkwassers.

Bodenerosion

Gehen Bäume oder Wälder verloren, verlieren die Waldböden ihren natürlichen Erosionsschutz. Vor allem in den Bergen kommt es bei Starkregen und zu geringer Bewaldung zum Abtrag des wertvollen Oberbodens.

Bodenverdichtung

Die moderne Bewirtschaftung des Waldes arbeitet mit zum Teil großen Maschinen. Dafür werden meist Gassen (Rückegassen) freigeschnitten. Von dort aus arbeiten die Maschinen mit langen Greifarmen im Idealfall konzentriert, ohne in die restlichen Flächen des Waldes hineinfahren zu müssen und den Boden zu verdichten. Sandige Böden sind grundsätzlich weniger gefährdet.

Schutzmöglichkeiten

Klimaschutzpolitik

Die aktuellen Probleme der erhöhten Stickstoffeinträge und der Flächenversiegelung sind vor allem politische Herausforderungen und erfordern ein Mitmachen der gesamten Bevölkerung. Dabei gehören grundsätzliche Überlegungen zu unserem bisherigen Lebensstil und Konsumverhalten. Günstige Lebensmittel, täglicher Fleischkonsum, neue Gewerbegebiete, zusätzliche Autobahnen - all dies hat Auswirkungen auf unsere Böden.

Nachhaltiger Waldbau

Die beste Nutzung von Waldböden geschieht durch einen gemischten und ungleichaltrigen Waldaufbau, der die unterschiedlichen Bodenschichten (Bodenhorizonte) optimal ausnutzt.

Kalkung

Einer Bodenversauerung kann durch Kalkung entgegengewirkt werden. Der pH-Wert wird erhöht, Bodenlebewesen werden aktiver und es kommt meist zu einer Verbesserung der Verfügbarkeit der Nährstoffe. Die verschiedenen Methoden zur Bodenverbesserung werden kontrovers diskutiert. Umfangreiche Untersuchungen müssen vor einer Kalkung erfolgen, um negative Auswirkungen auf Teile der Lebewesen und Pflanzenwelt zu vermeiden.

Zwei Leistungen der Pilze

Die Pilze haben eine große Bedeutung bei der Zersetzung von Pflanzen und Tieren. Viele von ihnen haben sich darauf spezialisiert, Lignin (Bestandteil verholzter Pflanzen), Cellulose und Keratin (Hornsubstanzen) aufzuspalten und zu verwerten.

Außerdem übernehmen Pilze im Waldökosystem noch eine ganz besondere Rolle und die ist unsichtbar. Sie gehen eine Symbiose mit den Waldbäumen ein, genannt Mykorrhiza. Der Pilz umhüllt dabei die Feinwurzeln des Baumes mit einem Fadengeflecht (Mycel), welches in den Boden hinausstrahlt. Durch die so vergrößerte Wurzeloberfläche gelangt der Baum einfacher an Wasser und Nährstoffe. Im Gegenzug erhält der Pilz Kohlenhydrate, die der Baum durch Photosynthese erzeugt. Ungefähr ein Drittel unserer heimischen Großpilze sind Mykorrhiza-Pilze. Die meisten von ihnen sind an eine bestimmte Baumart gebunden, sodass man auch viele unserer Speisepilze, wie zum Beispiel Pfifferlinge, Steinpilze und Trüffel, nur dort findet. In Deutschland sind die Wurzeln der Waldbäume durchweg mit Mykorrhiza-Pilzen besetzt.

Quellenangaben

Landesverbände
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