Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Bundesverband e. V.

Baum des Jahres

Die Motivation, eine Baumart für ein Jahr besonders hervorzuheben, ist eine ähnliche wie beim Tag des Baumes. Die Auswahlkriterien für die Wahl eines Baumes sind sehr unterschiedlich, aber das Ziel ist dasselbe: die Baumart in dem Jahr bekannter zu machen. Dabei stehen jeweils andere Gründe im Vordergrund, wie zum Beispiel seine Gefährdung, seine Seltenheit, Baumkrankheiten, der Klimawandel oder seine Bedeutung für den Menschen. Viele Städte und Grünämter werden durch die Wahl dazu angeregt, bei Neupflanzungen insbesondere diese gewählten Bäume zu verwenden.

Als Informationsmaterial finden Sie die dazugehörigen Infoblätter in unserem Online-Shop.

Baum des Jahres 2021 – Ilex/Stechpalme

Generell bevorzugt die Stechpalme das mildere atlantische Klima. Deshalb kommt der Ilex, auch Europäische Stechpalme genannt, bei uns vor allem im Westen und Norden vor. Aktuell verschiebt sich als Folge der steigenden Wintertemperaturen ihre Verbreitung weiter nach Norden und Osten. Sie ist also ein Baum, der von den höheren Temperaturen im Klimawandel profitieren kann.

In Buchenwäldern und Eichenmischwäldern ist sie oft an feuchteren Westhängen anzutreffen, die vor austrocknenden kalten Ostwinden geschützt sind.

Neben Efeu, Buchsbaum und Eibe ist die Hülse, wie der Ilex auch genannt wird, eine der wenigen heimischen und immergrünen Pflanzen. Sie hat verschiedene Blattformen, die sich von unten nach oben verändern. Im unteren Bereich sind die ledrigen Blätter gewellt und stachelig, im oberen Bereich - außerhalb der Fraßzone des Wildes - werden die Stacheln weniger, bis sie völlig verschwinden. Stachellose Blätter wurden in früheren Zeiten im Winter auch als Viehfutter genutzt. Und dies obwohl alle Teile der Stechpalme – allerdings nur schwach – giftig sind. Auch die Vögel fressen die Früchte erst, wenn nichts anderes mehr zu finden ist.

Beliebte Weihnachtsdeko

Beliebt ist der Ilex (Holly) vor allem im englischsprachigen Raum als Weihnachtsschmuck. Schon im Mittelalter wurden die immergrünen Zweige mit ihren roten Früchten als Sinnbild ewigen Lebens und Schutz gegen das Böse ins Haus geholt. Ilex hat in Europa somit eine längere Weihnachtsgeschichte als der heute so beliebte Weihnachtsbaum. So sind die Farben Rot und Grün des Ilex bis heute die traditionellen Weihnachtsfarben. Die roten Steinfrüchte bilden jedoch nur die weiblichen Pflanzen aus.

Wegen der harten, eher abweisenden Blätter leben, ähnlich der Eibe, nur eine geringe Anzahl von Lebewesen wie zum Beispiel die Ilexminierfliege oder das Stechpalmen-Deckelbecherchen, ein Pilz am Baum des Jahres.

Außerhalb der Wälder ist die Stechpalme in vielen Varietäten in Gärten und auf Friedhöfen sehr beliebt. Die Japanische Stechpalme wurde in den letzten Jahren gerne als Ersatz für den Buchsbaum gepflanzt, der durch den Buchsbaumzünsler stark beeinträchtigt ist.

Übrigens: Der Zauberstab von Harry Potter ist aus Ilex.

  • Name: Ilex, Europäische Stechpalme, Hülse (Ilex aquifolium)
  • Alter: bis 100 Jahre, ältester in Deutschland: 260 Jahre
  • Höhe: meist 6 bis 8 Meter, maximal 15 Meter, oft strauchartig mit bis zu 20 Einzelstämmchen
  • Rinde: glatt und hellgrau-grün
  • Blätter: wechselständige, ledrige, eiförmige Blätter, im Schatten wellig mit starken, spitzen Stacheln (v. a. unten), intensiv dunkelgrün, Blätter leben 2 bis 3 Jahre und werden einzeln abgeworfen
  • Blüte: im Mai/Juni kleine, porzellanweiße Blüten mit angenehmem Duft
  • Früchte: im Herbst erbsengroße, korallenrote „Beeren“ (Steinfrüchte) an weiblichen Pflanzen
  • Holz: fahlweiß, Splint und Kern sehr ähnlich, Jahresringe nicht erkennbar

Baum des Jahres seit 1989

Die Stieleiche war 1989 der erste so ausgezeichnete Baum, der aufgrund seiner Bedrohung durch neuartige Waldschäden ausgewählt wurde. Andere Bäume wie die Wildbirne (1998) gehören zu den seltensten Bäumen Deutschlands oder zeigen wie die Ulme (1992) einen starken Bestandsrückgang. Die Beeren der Eberesche (1997) sind für über 60 Vogelarten von Bedeutung und daher für ökologisch ausgerichtete Mischwälder wichtig.

Im Jahr der Wiedervereinigung wurde auf die Linde (1991) als Symbol der Freiheit und des Friedens hingewiesen. Ein besonderer Erfolg war die Wahl des Speierlings im Jahr 1993. Damit wurde der stark gefährdete Speierling vor dem Aussterben bewahrt. Durch die bundesweite Kampagne sind nach Schätzung der SDW mehr als eine halbe Million Speierlinge neu gepflanzt worden.

Während 2004 bei der Tanne und 2006 bei der Schwarzpappel die Seltenheit und die Gefährdung im Vordergrund standen, war bei der Walnuss im Jahre 2008 ihre kulturelle Bedeutung im Mittelpunkt des Interesses. 2010 war bei der Wahl der Vogelkirsche ihr ökologischer Wert ausschlaggebend. 2011 stand die seltene Elsbeere im Mittelpunkt. 2012 ist die Lärche gewählt worden, der einzige Nadelbaum, der im Winter die Nadeln verliert. 2013 war es der seltene Wildapfel und 2014 die Traubeneiche.

Im Jahr 2015 stand der Feldahorn im Mittelpunkt vieler Aktionen, 2016 war es die Winterlinde. Für 2017 wurde die Fichte und für 2018 die Edel- oder auch Esskastanie zum Baum des Jahres gekürt. 2019 stand die Flatterulme im Mittelpunkt, 2020 die Robinie und 2021 die Stechpalme (Ilex). 

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