Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Bundesverband e. V.

Wildunfälle vermeiden

Insbesondere in der dunkleren Jahreszeit, wenn durch die Zeitumstellung Ende Oktober die Sonne eine Stunde früher unter geht, häufen sich die Wildunfälle. Denn Waldtieren ist die Uhrzeit egal. Sie orientieren sich am Tageslicht und sind vor allem in der Dämmerung aktiv – also in den Stoßzeiten des Berufsverkehrs. Aber auch während der Sommerzeit lassen sich Wildunfälle auf den Straßen nicht vermeiden.

Laut einer Erhebung des Deutschen Jagdverbandes1 kommt es zu circa 240.000 Wildunfällen im Jahr. Das sind rund 700 täglich2. Diese Zahl bezieht sich auf Reh-, Schwarz-, Dam- und Rotwild. Hinzu kommen auch noch Unfälle mit anderen Wildtieren.

Im April und Mai werden die meisten Wildunfälle dokumentiert. Am häufigsten sind Reh-, Schwarz-, Dam- und Rotwild betroffen, darauf folgen Hasen, Füchse und Wildschweine.3

Wie wird ein Wildunfall definiert?

Ein Wildunfall ist ein Schaden, der durch Ausweichen oder Zusammenstoßen mit Haarwild entstanden ist. Haarwild sind Säugetiere, die laut Paragraf 2 des Bundesjagdgesetzes dem Jagdrecht unterliegen:

  • Reh-, Dam- und Rotwild
  • Luchs
  • Fuchs
  • Dachs
  • Wildkaninchen
  • Wildschwein
  • Marder
  • Feldhase

Besonders gefährlich

  • Morgen- und Abenddämmerung sowie nachts
  • Nebel
  • Übergangsbereiche zwischen Wald (Schutz) und Feld (Nahrung)
  • Landstraßen, hier passieren 85 Prozent aller Wildunfälle
  • Mai und Oktober/November, jedoch ist das ganze Jahr über Vorsicht geboten
  • hohe Fahrgeschwindigkeit
  • neue Straßen durch Waldgebiete, da Tiere ihre gewohnten Wege beibehalten

Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

  • Unfallstelle sichern
  • bei Personenschäden: Erste Hilfe leisten und 112 anrufen
  • Jäger:in oder Polizei (110) kontaktieren (auch ohne Schaden)
  • Standort melden
  • Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen (für die Versicherung)
  • tote Tiere nicht anfassen (Infektionsgefahr) und nicht mitnehmen (Wilderei)
  • Abstand zu lebenden Tieren halten
  • geflüchteten Tieren nicht folgen; Fluchtrichtung in Unfallmeldung mitteilen

Versicherung

  • Schadenaufwand in der Fahrzeugversicherung (2018): über 757 Millionen Euro
  • Kfz-Haftpflichtversicherung nicht ausreichend, nur eine Teil- oder Vollkaskoversicherung greift bei Wildunfällen

Wildunfälle verhindern

  1. Entlang unübersichtlicher Wald und Feldränder Geschwindigkeit reduzieren
  2. Tier am Straßenrand: Fernlicht aus, hupen, bremsen (wenn möglich)
  3. Ein Tier kommt selten allein: Stets mit Nachzüglern rechnen
  4. Vorausschauend fahren
  5. Erhöhtes Gefahrenbewusstsein

Nutzen alle Vorsichtsmaßnahmen nichts, dem Tier nicht ausweichen! Die Unfallfolgen durch eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug oder einem Baum sind deutlich höher. Um sich und andere Verkehrsteilnehmer:innen nicht zu gefährden: Lenkrad fest umgreifen und bremsen.

Gegenmaßnahmen

  • Ziel: Beeinflussung der räumlichen Aktivität der Wildtiere
  • Lenkung: Tiere zu geeigneten Querungsstellen führen (z. B. Zäune mit Wildbrücken)
  • Sensibilisierung: Reize lösen Gefahrenreflexe aus (z. B. Reflektoren und akustische Signale)
  • Ebenfalls wichtig: Menschen auf Wildwechsel aufmerksam machen und Übersicht an Straßen erhöhen
  • Wildwechselschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen
  • Rückschnitt der Pflanzen am Straßenrand
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