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Eichenprozessionsspinner

Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter. Er bevorzugt warm-trockenes Klima und breitet sich aufgrund der Klimaveränderungen immer stärker in Deutschland aus. Die Brennhaare der Raupen sind für Mensch und Tier gefährlich und lösen allergische Reaktionen aus.

Verbreitung


Als Insekt des Offenlandes kommt er vor allem in warm-trockenen Regionen vor und bevorzugte Einzelbäume, Bestandsränder und lichte Eichenwälder. In Trockenjahren kann es zu Massenvermehrungen kommen und dann befällt er auch jüngere Bäume und große geschlossene Waldgebiete. 
In Deutschland sind in Folge der Massenvermehrungen mittlerweile alle Bundesländer betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Der Eichenprozessionsspinner (EPS) kommt an allen Eichenarten vor, neben der Stiel- und Traubeneiche  auch an der amerikanischen Roteiche.

Aktuelle Situation

2019 gibt es größere Populationen des EPS als im Vorjahr. Besonders starke Populationen gibt es, wenn die Frühjahrsmonate mild sind und im Spätsommer mit Falterflug und Eiablage trockenes Wetter mit wenig Wind herrscht. Das war 2018 der Fall. Auch im Frühjahr 2019 waren die Bedingungen gut: Für die Raupen kam die Wärme zum richtigen Zeitpunkt. Momentan gibt es fast täglich neue Meldungen. (Stand: 31.05.2019)
In Bayern gibt es Meldungen aus dem Landkreis Dillingen, aus Günzburg  (Jettingen –Scheppach), aus Aichach-Friedberg, der Gemeinde Westerstetten und aus Augsburg. In Niedersachsen sind betroffen Brome im Landkreis Gifthorn, die Gemeinden Wietmarschen und Gartow und  im Landkreis Lüneburg wurde ein flächendeckendes  Aufkommen der Tiere gemeldet. In Hessen gab es Meldungen aus Frankfurt, Hanau,  Gießen, Darmstadt, Wiesbaden und Fulda, teilweise mit Gegenmaßnahmen. Brandenburg meldet aus dem Landkreis Prignitz (mit Gegenmaßnahmen), in Baden-Württemberg ist der Ostalbkreis das größte Problemgebiet. In Hamburg musste im Südosten die Verkehrsbehörde einen Autobahnabschnitt sperren, damit die Schädlingsbekämpfung gegen die Raupen vorgehen konnten. Das betraf die A1 und Zubringer auf die A25 und von der A255. Auch in NRW wurde in vielen Regionen zum Teil vorsorglich gegen die Tiere vorgegangen. Das betrifft Städte im Ruhrgebiet (z. B. Gelsenkirchen) und Gebiete zwischen Bottrop und dem Münsterland und Bäume entlang der A31, die dafür teilweise gesperrt werden musste. Meldungen gibt es auch aus Dortmund, Solingen und Isarlohn.


Biologie

Der unscheinbare Falter ist 25 bis 32 Millimeter groß, nachtaktiv und schwärmt in den Monaten Juli und August, teils bis in den September. Die Weibchen legen ihren Eivorrat - bis zu 200 Stück - innerhalb weniger Tage an ein- bis dreijährigen Zweigen, gerne an der Südseite der Bäume im obersten Kronenbereich. Die Jungraupe überwintert im Ei und kann tiefe Wintertemperaturen bis  -29 Grad Celsius überstehen.

Bereits im Herbst entwickeln sich die kleinen Eiräupchen und schlüpfen dann im April bis Anfang Mai. Sie schließen sich kurz nach dem Schlüpfen zu den typischen „Prozessionen“ zusammen, von denen sie auch ihren deutschen Namen bekommen haben. Abends wandern sie so gemeinsam zum Fressen in die Baumkrone. Mit bis zu 30 Tieren nebeneinander können sie 10 Meter lange Prozessionen bilden.

Die Entwicklung der Raupen umfasst sechs Stadien. Sie sind von Anfang an stark behaart. Ab dem 3. Larvenstadium entwickeln sie die mit Widerhaken versehenen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopein und sind dann für Mensch und Tier sehr gefährlich. Am Ende des sechsten Larvenstadiums erreichen die Raupen eine Körperlänge von bis zu vier Zentimeter.
Temperaturabhängig verpuppen sich die Altraupen Mitte bis Ende Juni. Dazu spinnen sie sich in ockerfarbene Kokons und bilden ein sehr großes Gespinstnest. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen die Falter.

Foto: Eichenprozessionsspinner, FVA, Abteilung Waldschutz


Gefahr für den Menschen

Für den Menschen gefährlich sind die Haare ab dem 3. Larvenstadiums des Eichenprozessionsspinners, also im Mai und Juni.  Die 0,2 Millimeter langen Brennhaare brechen leicht ab, sind mit Widerhaken versehen und enthalten das Eiweiß „Thaumetopoein“. Mit jedem Entwicklungsstadium steigt die Gesundheitsgefährdung. Eine Altraupe besitzt bis zu 700.000 Brennhaare. Die (fast unsichtbaren) Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest.

Eine Gefährdung besteht besonders beim direkten Kontakt mit den Raupen, die während der Fraßzeit der Raupen am größten ist. Eine ganzjährige Gefahrenquelle sind die Häutungsnester und die am Baum oder am Boden verbleibenden Verpuppungsgespinste. Die Brennhaare bleiben an Kleidung und Schuhen haften, die bei Berührung immer neue toxische Redaktionen auslösen. Das Toxin der Brennhaare ist über mehrere Jahre aktiv. Sogar Brennholz aus diesen Gebieten stellt einen Risikofaktor dar. Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können daher während des gesamten Jahres entstehen.

Die eindringenden Brennhaare reizen die Oberhaut und die Schleimhäute und können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen. Die Hautreaktionen halten (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, welche nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisolpräparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika.

Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Hier wirken Kortisonsprays und Sprays mit bronchienerweiternden Mitteln erforderlich. Selten ist eine stationäre Behandlung notwendig.
Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.
(Quelle: LWF , Merkblatt 15, 2018)



Tipps für den Schutz

Generell dürfen Raupen und ihre Nester auf keinen Fall berührt werden. Schon bei Verdacht eines Gifthaarkontakts können folgende Maßnahmen helfen.


• Kleidung umgehend im Freien (!) wechseln, Schuhe nass reinigen

• Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen

• Sichtbare Raupenhaare mit einem Klebstreifen entfernen

• Gründliche Dusche mit Haarreinigung und Augenspülung mit Wasser

• Betroffene Gegenstände wie das Auto waschen und saugen

• Bei Hautreaktionen sollte der Hausarzt aufgesucht werden, bei Atemnot sofort den Rettungsdienst alarmieren

Quelle: ECARF (Europäische Stiftung für Allergieforschung)


Eichenprozessionsspinner sind auch für Haustiere gefährlich.

Zwar schützt das Fell gut vor den Haaren, aber Schnauze und Schleimhäute sind gefährdet. Vor allem Hunde sind durch ihr Herumschnüffeln in Gefahr. Das Gift der Raupe kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Zunge und Lefzen können stark anschwellen und es kann zu Atemproblemen kommen. Zur ersten Hilfe sollte man die betroffenen Stellen mit klarem Wasser abspülen, kühlen und im Zweifel den Tierarzt aufsuchen.


Wer Nester des Eichenprozessionsspinner entdeckt, sollte sie sie umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt oder im Wald den Forstämtern melden.


Gefahr für die Bäume und den Wald

Bis vor 30 Jahren beschränkte sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners auf einzeln stehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen oder entlang von Waldrändern. Der Schaden war gering, da die Eichen durch den Johannistrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen. Seit den 90er Jahren tritt der Schädling jedoch flächig in Massenvermehrung auf.
Bei einmaligem Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner verhindert die Regenerationskraft der Eichen Folgeschäden. Bei mehrjährig aufeinander folgendem starkem Fraß wird die Vitalität geschwächt, die Anfälligkeit der Bäume gegenüber weiteren Schädlingen wie Mehltau oder Eichenprachtkäfer erhöht sich. Die Folgen sind Zuwachsverluste, Ausfall der Eichenmast sowie häufiges Absterben.


Natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners

Der Eichenprozessionsspinner besitzt eine Vielzahl natürlicher Feinde. Einige entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Jahren der Massenvermehrung. Besonders wirksam sind Ei- und Raupenparasiten wie die Raupenfliegen und die Schlupfwespen, die ihn in der Endphase der Massenvermehrung stark dezimieren können. Räuberische Käferarten wie der Große und Kleine Puppenräuber sind bei hoher Dichte häufig zu beobachten, dezimieren die EPS jedoch nicht nennenswert. Von den Vögeln trauen sich nur wenige Arten wie der Kuckuck und der Pirol an die giftigen Raupen.


Bekämpfung

Eine Bekämpfung war früher nicht notwendig. Seit der starken Zunahme in den 90er Jahren sieht dies anders aus.
Bei geringem Befall reicht die mechanische Bekämpfung. Diese Verfahren sind aufwändig und nicht ohne gesundheitliche Risiken für die Anwendenden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass durch mechanischen Maßnahmen, die vor der Verpuppung stattfinden, nicht die gesamte Population erfasst wird. Der beste Zeitpunkt ist, wenn sich die Raupen in den Gespinsten verpuppen und immobil sind. 

Der Einsatz von Insektiziden ist sorgfältig abzuwägen und muss die Belange von Natur- und Wasserschutz berücksichtigen. Dabei sollte immer der Rat von Fachleuten eingeholt werden. Wenn zum Schutz der Bevölkerung und des Baumbestandes auf Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen werden muss, werden die biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel "Dipel ES" oder „Foray ES“ bevorzugt. Sie enthalten den Wirkstoff Bacillus thuringiensis und werden teilweise mit Hubschraubern ausgebracht. Das enthaltene Bakterium wird durch den Fraß der Raupen aufgenommen und schädigt die Darmwand des Eichenprozessionsspinners. Dies führt zum Absterben der Schädlinge.